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18:59 | 20.12.2011
DJ Hohe Erwartungen an den EZB-Geldsegen

DJ Hohe Erwartungen an den EZB-Geldsegen


   Von Hans Bentzien
   DOW JONES NEWSWIRES 

FRANKFURT (Dow Jones)–Die Banken des Euroraums können sich am Mittwoch Geld von der EZB für drei Jahre leihen und damit zumindest aller Liquiditätssorgen ledig werden. Und Beobachter hoffen auf mehr: Weil die Konditionen des Refinanzierungsgeschäfts so günstig sind wie nie zuvor und die EZB jedes Gebot akzeptieren wird, hoffen Beobachter darauf, dass die Banken das Geld zumindest teilweise in den Kauf von Staatsanleihen der Peripheriestaaten stecken werden, weil die eine einigermaßen ansprechende Verzinsung bieten.

Die dadurch sinkenden Renditen würden die Finanzierungskosten der Problemstaaten senken und letztlich auch den Banken selbst helfen. Denn in der Finanzkrise ist klar geworden, wie eng die Kreditwürdigkeit von Staaten und der in ihnen beheimateten Banken zusammen hängt: Bekommt eine große Bank Probleme, muss der Staat sie retten, rettet der Staat die Bank, gerät sein Rating in Gefahr, wackelt das Rating, müssen die Banken Abschreibungen auf den Wert der in ihrer Bilanz befindlichen Staatsanleihen vornehmen.

In einigen Staaten Europas wird auf die Banken bereits ein sanfter Druck ausgeübt, Anleihen der heimischen Regierung zu kaufen. Man nennt das finanzielle Repression, ein Instrument, dass einige Staaten zur Bewältigung der Kosten des zweiten Weltkriegs einsetzten. Auf diese Weise würde die EZB die Staaten am Ende doch, wenn auch nur indirekt, “heraushauen”. EZB-Präsident Mario Draghi hat auf entsprechende Fragen klugerweise stets geantwortet, dass er auf ein solches Verhalten der Banken nicht rechne und dass die Institute in ihren Entscheidungen völlig frei seien.

Aber auch eine andere Verwendung der Mittel würde letztlich der Finanzstabilität zu Gute kommen. So könnten die Banken das Geld zum Rückkauf eigener Aktien oder zur Ablösung von Schulden einsetzen. Im kommenden Jahr werden Schätzungen zufolge Bankverbindlichkeiten über rund 600 Mrd EUR fällig. Schließlich – und darauf hofft die EZB ganz bestimmt – werden sich die Institute vielleicht gar nicht anders zu helfen wissen und verstärkt Kredite an die Realwirtschaft vergeben. So würde über bessere Refinanzierungsbedingungen und ein höheres Wirtschaftswachstum einen Beitrag zu einer längerfristigen Lösung des Stabilitätsproblems geleistet.

Das am Dienstag ausgeschriebene Refinanzierungsgeschäft hat die unglaubliche Laufzeit von 1.134 Tagen und wird zu dem während seiner Laufzeit durchschnittlich herrschenden Hauptrefinanzierungssatz nachträglich abgerechnet. Das bedeutet: EZB-Zinssenkungen oder -anhebungen, die in den kommenden Jahren gut denkbar sind, werden sich in den Ausleihkosten niederschlagen. Fällig wird das Geschäft am 29. Januar 2015. Schätzungen zufolge werden Banken Gebote über 100 Mrd bis 550 Mrd EUR abgeben. Zum Vergleich: Der 2009 begebene Jahrestender hatte ein Volumen von 442 Mrd EUR, die Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) sollen um 200 Mrd EUR erhöht werden, Griechenland erhält demnächst ein neue Hilfen von 130 Mrd EUR.


-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300,
Hans.Bentzien@dowjones.com
DJG/hab 

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December 20, 2011 12:59 ET (17:59 GMT)

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