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9:31 | 08.08.2011
DJ UPDATE: Hannover Rück enttäuscht trotz Anstieg des Nettogewinns

DJ UPDATE: Hannover Rück enttäuscht trotz Anstieg des Nettogewinns

(NEU: Äußerungen des Finanzvorstands auf Telefonkonferenz, Analysten- und Marktreaktion)

 
Von Jörn Rehren 
DOW JONES NEWSWIRES 
 

FRANKFURT (Dow Jones)–Die Hannover Rück hat nach einem relativ schadenarmen zweiten Quartal den Nettogewinn überraschend leicht verbessert und den Gewinnausblick für 2011 bestätigt. Wie der Rückversicherer am Montag mitteilte, stieg das Konzernergebnis um 4% auf 166 Mio EUR, während Analysten mit einem leichten Rückgang gerechnet hatten. Vor Steuern und Zinsen (EBIT) verdiente der MDAX-Konzern aber lediglich 201 Mio EUR. Dies liegt 20% unter dem Vorjahr und auch deutlich unter den Erwartungen der Analysten.

Finanzvorstand Roland Vogel erklärte die operative Enttäuschung mit Währungskurseffekten sowie Nachreservierungen im australischen Leben-Rück-Geschäft, die mit jeweils rund 20 Mio EUR negativ zu Buche geschlagen hätten. Auf der anderen Seite hätten diese Nachreservierungen steuerlich entlastend gewirkt, ebenso ein Gewinn in Bermuda, der dort steuerfrei ist.

Die Großschäden für den Zeitraum April bis Juni schätzte der MDAX-Konzern auf 53 Mio EUR, sie lagen damit deutlich unter dem avisierten Schaden-Budget von rund 115 Mio EUR. Allein 22,7 Mio EUR entfielen auf die beiden verheerenden Tornadoserien in den USA im April und Mai. Damit verlief das zweite Quartal deutlich glimpflicher als die ersten drei Monate, als noch Großschäden von rund 572 Mio EUR angefallen waren.

Die Bruttoprämien und das Kapitalanlageergebnis legten leicht zu, verfehlten die Prognosen der Analysten aber knapp.

Trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten fühlt sich Finanzvorstand Vogel auf der Portfolioseite angesichts der starken Diversifizierung weiter sicher. Das Engagement in den Euro-Peripherieländern Portugal, Italien, Spanien, Irland und Griechenland mache mit 254 Mio EUR lediglich 1% des gesamten verwalteten Vermögens aus. Griechische Anleihen befinden sich weiterhin nicht im Portfolio, so dass es hier anders als bei der Allianz und der Munich Re keinen Abschreibungsbedarf gab.

Auch die US-Staatsanleihen, in denen die Hannover Rück mit rund 2,3 Mrd EUR engagiert ist, machen Vogel keine Sorgen. Da sie Anleihen gewöhnlich bis zur Endfälligkeit hielten, sei der Effekt der Abstufung der US-Anleihen auf die zweitbeste Note für sie vernachlässigbar, sagte der Finanzvorstand.

An ihrer Gesamtjahres-Gewinnprognose halten die Hannoveraner fest. “Unser Konzernergebnis für das ersten Halbjahr in Höhe von 218 Mio EUR sollte es uns – bei normalem Verlauf des zweiten Halbjahrs – komfortabel erlauben, unseren angepeilten Jahresgewinn in Höhe von rund 500 Mio EUR zu erreichen”, erklärte Vorstandsvorsitzender Ulrich Wallin. Voraussetzung sei aber, dass die Großschadenbelastung im zweiten Halbjahr nicht über dem verbleibenden Erwartungswert von 295 Mio EUR liege.

Die Erneuerungsrunden in der Schaden-Rückversicherung seien nach den positiven Ergebnissen im April auch zum 1. Juni und 1. Juli gut bis sehr gut verlaufen. “Wir konnten in Australien und Neuseeland weitere signifikante Ratenerhöhungen erzielen und auch der nordamerikanische Markt zeigt spürbare Tendenzen einer Verhärtung”, erklärte Wallin. Finanzvorstand Vogel wollte daraus aber noch keine Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung der Prämien ziehen. Sollte das zweite Halbjahr recht schadenarm ausfallen, sei bei den Erneuerungen zum Jahreswechsel wieder mit hartem Konkurrenzdruck zu rechnen. Ein “Paradigmenwechsel” stehe bei den Preisen zumindest nicht an.

Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research bewertet den Quartalsausweis als solide. Die operative Enttäuschung im Leben-Rück-Geschäft werde durch die stabile Entwicklung des Eigenkapitals, das jetzt bei 4,3 Mrd EUR liege, relativiert, sagte er. Die Enttäuschung im Leben-Geschäft ist für ihn eher buchhalterischer Natur als ökonomischer.

Zum Start eines möglicherweise turbulenten Handelstages verlieren die Aktien der Hannover Rück 0,7% auf 32,03 EUR. Der MDAX verliert dagegen 0,9%.

 
-Von Jörn Rehren, Dow Jones Newswires, 
+49 (0)69 - 29725 115, joern.rehren@dowjones.com 
DJG/reh/jhe 

(END) Dow Jones Newswires

August 08, 2011 03:31 ET (07:31 GMT)

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