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13:55 | 06.04.2011
DJ UPDATE2: Commerzbank will sich bis zum Sommer vom Bund freimachen

DJ UPDATE2: Commerzbank will sich bis zum Sommer vom Bund freimachen

(NEU: Aussagen der Konzernvorstände im 2. und 7. Absatz, Marktreaktion im 2. Absatz,

SoFFin-und Politiker-Reaktion im 3. und 4. Absatz)


Von Eyk Henning, Olaf Ridder und Ulrike Dauer
DOW JONES NEWSWIRES 

FRANKFURT (Dow Jones)–Die Commerzbank AG hat am Mittwoch die erwarteten milliardenschweren Kapitalmaßnahmen angekündigt, mit denen sie sich vom Tropf des Staates lösen will. Dazu soll das Kapital in zwei Schritten um 11 Mrd EUR erhöht werden, wie das Frankfurter Kreditinstitut am Morgen mitteilte. Zusätzlich will die Bank aus ihrer Substanz 3,27 Mrd EUR zahlen, um die aktuell 16,2 Mrd EUR schwere Stille Einlage des Bundes bis auf unter 2 Mrd EUR zu drücken.

Konzernchef Martin Blessing konstatierte zufrieden, dass der Ausstieg aus der Staatshilfe ein schöneres Ereignis sei als der Einstieg. Auch der Aktienmarkt reagierte am Mittwoch mit einem Freudensprung. Nach einer schwächeren Eröffnung drehten die Commerzbank-Aktien ins Plus. Aktuell notieren sie bei 5,83 EUR, ein Plus von knapp 4%. Die Analysten der WGZ Bank urteilten, dass die Höhe der geplanten Rückzahlung positiv überrasche. Der Wermutstropfen sei allerdings der hohe Gewinnverwässerungseffekt von bis zu 59%.

Florian Toncar (FDP), Vorsitzender des parlamentarischen Kontrollgremiums des Bankenrettungsfonds SoFFin, sagte dem “Handelsblatt”: “Es ist sehr zu begrüßen, dass die Commerzbank einen großen Schritt macht und die Staatshilfe deutlich reduziert.” Die Kapitalerhöhung sei “professionell vorbereitet” und zu einem “günstigen Zeitpunkt” verkündet worden. “Jetzt muss man abwarten, ob das Kaufinteresse ausreichend ist”, so Toncar weiter.

Unterstützung kommt auch von der Opposition. SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider sagte dem “Handelsblatt”, die Stabilisierung der Commerzbank habe ohne Verlust funktioniert. Schneider, der ebenfalls dem SoFFin-Kontrollgremium angehört, begründete seine Einschätzung damit, dass der Zinsaufwand des Bundes geringer gewesen sei als das, was die Bank nun an Zinsen zahle. “Insofern ist das Rettungspaket für die Commerzbank nicht zum Negativgeschäft für den Steuerzahler geworden”, konstatierte Schneider.

Damit der Ausstieg aus der Staatshilfe klappt, beginnt die Commerzbank an diesem Mittwoch mit der Platzierung bedingter Pflichtumtauschanleihen (CoMEN), deren Volumen je nach Marktinteresse 2,6 Mrd bis 3,4 Mrd EUR erreichen soll. Auch Commerzbank-Aktionäre können sie zeichnen. Der Preis wird in einem Bookbuilding-Verfahren ermittelt, das bis zum 13. April läuft. Wenn die Hauptversammlung – die die Commerzbank auf den 6. Mai vorzieht – die geplanten Kapitalmaßnahmen beschlossen hat, werden diese Anleihen automatisch in Aktien gewandelt.

Um seine direkte Commerzbank-Beteiligung bei 25% plus einer Aktie zu halten, wird der Bund nach der Wandlung der Anleihe rund 1 Mrd EUR aus der Stillen Einlage in Commerzbank-Aktien wandeln. Die Erlöse aus der CoMEN-Platzierung von 3,5 Mrd bis 4,5 Mrd EUR – günstigstenfalls könnten es bis zu 6 Mrd EUR werden – sollen komplett zum Abbau der Stillen Einlage genutzt werden.

In einem zweiten Schritt ist Ende Mai bis Anfang Juni eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht geplant, die ungefähr 5 Mrd EUR umfassen wird. Der genaue Umfang wird so bemessen sein, dass nach beiden Kapitalmaßnahmen insgesamt 11 Mrd EUR für die Rückführung der Stillen Einlage zur Verfügung stehen.

Laut Commerzbank ist ihr Großaktionär Allianz bereit, an dieser Kapitalerhöhung in “nennenswertem” Umfang teilzunehmen. Auch beim zweiten Schritt wird der Bund einen Teil der Stillen Einlage in Aktien wandeln, um seine Sperrminorität zu sichern. Inwiefern der Großaktionär Generali bei der Kapitalerhöhung mitzieht, konnten CEO Blessing und CFO Strutz am Mittwoch noch nicht sagen.

Ob mit oder ohne die Generali: Die Kapitalerhöhung ist so gut wie in trockenen Tüchern. So hat sich ein Bankenkonsortium um J.P. Morgan, die Citigroup und Deutsche Bank zum Underwriting bereit erklärt. Sie nehmen die neuen Aktien damit auf die eigenen Bücher und werden sie je nach Nachfrage an Investoren weiterreichen. Dass die Aktionäre die Maßnahmen auf der Hauptversammlung kippen, ist nicht zu erwarten.

Unter dem Strich kommen damit 8,25 Mrd der insgesamt 11 Mrd EUR vom Kapitalmarkt; die restlichen 2,75 Mrd EUR stammen aus den Stillen Einlagen des Bankenrettungsfonds SoFFin. Weitere 3,27 Mrd EUR zahlt die Bank aus ihrer Substanz. Einen solchen Schritt hatte Vorstandsvorsitzender Martin Blessing schon im Februar angekündigt.

Für die vorzeitige Rückführung der Stillen Einlage erhält der SoFFin einmalig 1,03 Mrd EUR. Damit spart die Commerzbank 260 Mio EUR, weil für die abgelösten 14,3 Mrd EUR keine Zinsen mehr anfallen. Regulär hätte die Bank 1,46 Mrd EUR Zinsen zahlen müssen. Die verbliebene Stille Einlage des Bundes will die Commerzbank bis 2014 ablösen und zwar aus freiem Kapital.

Durch die angekündigte Transaktion seien derweil keinerlei negative Auswirkungen auf die Bonität des Instituts zu erwarten, versicherte Finanzvorstand Strutz. Dies hätten die Rating-Agenturen bereits durchblicken lassen. Im Gegenteil: Die Commerzbank sei dadurch schon 2011 fit für die strengeren Eigenkapitalvorschriften unter dem Basel-III-Regime, so Blessing. Die harte Kernkapitalquote liege nach der nun angekündigten Transaktion bei 8,8%.


Webseite: www.commerzbank.de 

-Von Eyk Henning und Olaf Ridder, Dow Jones Newswires;
+49 (0)69 29725 108, eyk.henning@dowjones.com
DJG/eyh/brb 

(END) Dow Jones Newswires

April 06, 2011 07:55 ET (11:55 GMT)

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