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18:07 | 06.04.2011
DJ UPDATE3: Commerzbank will sich bis zum Sommer großteils vom Bund freimachen

DJ UPDATE3: Commerzbank will sich bis zum Sommer großteils vom Bund freimachen

(NEU: Aussagen Blessings ab dem 3. Absatz, Reaktion des Bundes ab dem 5. Absatz)


Von Eyk Henning, Olaf Ridder, Ulrike Dauer, Beate Preuschoff und Andreas Kißler
DOW JONES NEWSWIRES 

FRANKFURT (Dow Jones)–Die Commerzbank AG hat am Mittwoch die erwarteten milliardenschweren Kapitalmaßnahmen angekündigt, mit denen sie sich vom Tropf des Staates lösen will. Dazu soll das Kapital in zwei Schritten um 11 Mrd EUR erhöht werden, wie das Frankfurter Kreditinstitut am Morgen mitteilte. Zusätzlich will die Bank aus ihrer Substanz 3,27 Mrd EUR zahlen, um die aktuell 16,2 Mrd EUR schwere Stille Einlage des Bundes bis auf unter 2 Mrd EUR zu drücken.

Konzernchef Martin Blessing konstatierte zufrieden, dass der Ausstieg aus der Staatshilfe ein schöneres Ereignis sei als der Einstieg. Analysten der WGZ Bank urteilten, dass die Höhe der geplanten Rückzahlung positiv überrasche. Der Wermutstropfen sei allerdings der hohe Gewinnverwässerungseffekt von bis zu 59%.

Zu Journalisten in Berlin sagte Blessing, die Maßnahme erfolge zum jetzigen Zeitpunkt, da die Commerzbank im zweiten Halbjahr wegen der europäischen Stresstests von “einer Reihe weiterer Banken” Kapitalmaßnahmen erwarte. “Wir wollten vor der Herde und nicht mit der Herde laufen”, erklärte er. Für die Hauptversammlung sieht Blessing “eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Transaktion durchgeht”.

Der Commerzbank-Vorstandschef sagte weiter, mit der Maßnahme gebe es nach seinem Verständnis bereits 2011 keine Beschränkungen mehr für Bonuszahlungen unterhalb der Vorstandsebene. Wann der Bund aus seiner Aktienbeteiligung aussteige, sei dessen Entscheidung, sagte Blessing. Er erwarte dies aber erst nach Ablösung der Stillen Einlage.

Die Bundesregierung reagierte positiv. “Generell begrüßt die Bundesregierung diese Ankündigung ausdrücklich”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es sei immer das Ziel der Regierung gewesen, dass die im Laufe der Finanzkrise gewährten Stabilisierungsmaßnahmen aus ordnungspolitischen Gründen “zeitlich möglichst eng begrenzt sein sollten”.

Wann sich der Bund seinerseits von seiner Beteiligung an der Commerzbank trennen und sein Aktienpaket veräußern wird, steht nach Angaben von Finanzministeriums-Sprecher Martin Kreienbaum aber noch nicht fest.

Damit der Ausstieg aus der Staatshilfe klappt, beginnt die Commerzbank an diesem Mittwoch mit der Platzierung bedingter Pflichtumtauschanleihen (CoMEN), deren Volumen je nach Marktinteresse 2,6 Mrd bis 3,4 Mrd EUR erreichen soll. Auch Commerzbank-Aktionäre können sie zeichnen. Der Preis wird in einem Bookbuilding-Verfahren ermittelt, das bis zum 13. April läuft. Wenn die Hauptversammlung – die die Commerzbank auf den 6. Mai vorzieht – die geplanten Kapitalmaßnahmen beschlossen hat, werden diese Anleihen automatisch in Aktien gewandelt.

Um seine direkte Commerzbank-Beteiligung bei 25% plus einer Aktie zu halten, wird der Bund nach der Wandlung der Anleihe rund 1 Mrd EUR aus der Stillen Einlage in Commerzbank-Aktien wandeln. Die Erlöse aus der CoMEN-Platzierung von 3,5 Mrd bis 4,5 Mrd EUR – günstigstenfalls könnten es bis zu 6 Mrd EUR werden – sollen komplett zum Abbau der Stillen Einlage genutzt werden.

In einem zweiten Schritt ist Ende Mai bis Anfang Juni eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht geplant, die ungefähr 5 Mrd EUR umfassen wird. Der genaue Umfang wird so bemessen sein, dass nach beiden Kapitalmaßnahmen insgesamt 11 Mrd EUR für die Rückführung der Stillen Einlage zur Verfügung stehen.

Laut Commerzbank ist ihr Großaktionär Allianz bereit, an dieser Kapitalerhöhung in “nennenswertem” Umfang teilzunehmen. Auch beim zweiten Schritt wird der Bund einen Teil der Stillen Einlage in Aktien wandeln, um seine Sperrminorität zu sichern. Inwiefern der Großaktionär Generali bei der Kapitalerhöhung mitzieht, konnten CEO Blessing und CFO Strutz am Mittwoch noch nicht sagen.

Ob mit oder ohne die Generali: Die Kapitalerhöhung ist so gut wie in trockenen Tüchern. So hat sich ein Bankenkonsortium um J.P. Morgan, die Citigroup und Deutsche Bank zum Underwriting bereit erklärt. Sie nehmen die neuen Aktien damit auf die eigenen Bücher und werden sie je nach Nachfrage an Investoren weiterreichen. Dass die Aktionäre die Maßnahmen auf der Hauptversammlung kippen, ist nicht zu erwarten.

Unter dem Strich kommen damit 8,25 Mrd der insgesamt 11 Mrd EUR vom Kapitalmarkt; die restlichen 2,75 Mrd EUR stammen aus den Stillen Einlagen des Bankenrettungsfonds SoFFin. Weitere 3,27 Mrd EUR zahlt die Bank aus ihrer Substanz. Einen solchen Schritt hatte Vorstandsvorsitzender Martin Blessing schon im Februar angekündigt.

Für die vorzeitige Rückführung der Stillen Einlage erhält der SoFFin einmalig 1,03 Mrd EUR. Damit spart die Commerzbank 260 Mio EUR, weil für die abgelösten 14,3 Mrd EUR keine Zinsen mehr anfallen. Regulär hätte die Bank 1,46 Mrd EUR Zinsen zahlen müssen. Die verbliebene Stille Einlage des Bundes will die Commerzbank bis 2014 ablösen und zwar aus freiem Kapital.

Durch die angekündigte Transaktion seien derweil keinerlei negative Auswirkungen auf die Bonität des Instituts zu erwarten, versicherte Finanzvorstand Strutz. Dies hätten die Rating-Agenturen bereits durchblicken lassen. Im Gegenteil: Die Commerzbank sei dadurch schon 2011 fit für die strengeren Eigenkapitalvorschriften unter dem Basel-III-Regime, so Blessing. Die harte Kernkapitalquote liege nach der nun angekündigten Transaktion bei 8,8%.


Webseite: www.commerzbank.de 

-Von Eyk Henning, Olaf Ridder, Ulrike Dauer, Beate Preuschoff und Andreas Kißler,
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April 06, 2011 12:07 ET (16:07 GMT)

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