AGENTURMELDUNGEN

14:22 | 16.01.2012
EU: Entzug der Bestnote für Euro-Länder ist nicht gerechtfertigt

BRÜSSEL (dpa-AFX) – Nach der Herabstufung von neun Euro-Ländern hat die
EU-Kommission den Ratingagenturen in harschen Worten schlechtes Timing und
fehlendes Wissen vorgeworfen. “Ich denke, die Ratingagenturen sollten die
beispiellosen Maßnahmen der Regierungen besser miteinrechnen”, kritisierte
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Montag in einer Rede in Hongkong. Er
sei erstaunt über das Timing von Standard & Poor’s (S&P).

Ein Sprecher der EU-Kommission monierte in Brüssel, der Entzug der Bestnote
sei zu einem “eigenartigen” Zeitpunkt erfolgt, da es in der vergangenen Woche
gute Nachrichten gegeben habe. So seien die Zinsen für italienische und
spanische Anleihen zuletzt gefallen. Zudem hätten viele Länder der Euro-Zone wie
Frankreich, Italien und Spanien in den vergangenen Monaten weitgehende Spar- und
Reformschritte eingeleitet. Der Entzug der Bestnote sei daher ungerechtfertigt.
“Die EU-Kommission hat mehr Informationen aus den Mitgliedsstaaten als
Investoren oder Ratingagenturen”, betonte er – deshalb könne sie die Lage besser
beurteilen als andere.

In der Schuldenkrise haben solche Ratings zum Veröffentlichungszeitpunkt an
den Märkten immer wieder für neue Verunsicherung gesorgt, obwohl sie häufig auf
schon bekannten Daten basieren. Aus diesem Grund wollte Kommissar Barnier im
vergangenen Herbst die Bewertungen von Euro-Krisenländern unter bestimmten
Umständen vorübergehend verbieten. In diesem Punkt konnte Barnier sich aber
innerhalb der EU-Kommission nicht durchsetzen.

Nun überdenkt die EU-Behörde diese Idee erneut. Der Kommissionssprecher
sagte, die Regierungen und das Europaparlament sollten in der laufenden Debatte
darüber beraten. “Dieser Vorschlag ist sinnvoll, wenn wir uns die aktuelle
Situation seit Freitag ansehen”, sagte der Sprecher. Derzeit verhandeln
EU-Parlament und Ministerrat, die zustimmen müssen, über das Papier der
EU-Kommission zu Ratingagenturen. Es sieht unter anderem eine schärfere
Kontrolle und eine transparentere Preispolitik der Unternehmen vor./mt/DP/jsl


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