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Experten: Kreditkrise nicht ausgestanden – weitere Hilfsaktionen

HAMBURG (dpa-AFX) – Finanzexperten erwarten eine weitere drastische
Verschärfung der internationalen Kreditkrise. Zudem mehren sich die Stimmen, die
negative Folgen auch für die deutsche Konjunktur befürchten. Derweil beraten die
wichtigen Notenbanken einem Bericht der “Financial Times” zufolge weiter über
umfassende Hilfsaktionen. So werde der massenhafte Ankauf der
hypothekengesicherten Wertpapiere diskutiert, die derzeit massiv an Wert
verlieren, berichtete die Zeitung am Samstag ohne Nennung von Quellen. Die Bank
of England unterstütze diese Idee, die US-Notenbank Fed könnte sich prinzipiell
solch ein Vorgehen vorstellen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sei allerdings
skeptisch.

Demnach könnten Papiere mit zweifelhafter Bonität aufgekauft und in einer
sogenannten “Bad Bank” gebündelt werden. Damit könnte das Misstrauen am Markt
verringert und die Kreditvergabe wieder in Schwung gebracht werden. Ein Sprecher
von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte der “Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung” dazu: “Das ist wohl noch sehr vage, auf uns ist bis
jetzt noch keiner zugekommen.”

BOFINGER: SCHLIMMSTE KRISE SEIT DEM ZWEITEN WELTKRIEG

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger betonte in einem Gastbeitrag für die
“Bild am Sonntag”, das internationale Finanzsystem befinde sich in der
schlimmsten Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Nötig sei eine Änderung der
Kreditvergabe und stärkeres Eingreifen des Staates. “Kredite müssen in Zukunft
wieder stärker über traditionelle Banken laufen und nicht über exotische
Zwischenhändler. Und der Staat muss mehr als bisher dafür sorgen, dass sich alle
Beteiligten an die Regeln halten”, sagte das Mitglied im Sachverständigenrat zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Den Banken warf Bofinger vor, für hohe Renditen große Risiken eingegangen zu
sein und fragwürdige Geschäftsmodelle gewählt zu haben. “Das geht eine Zeitlang
gut, aber früher oder später kommt der Crash.” Angst um Ersparnisse seien aber
unbegründet. “Die kranken Banken werden rund um die Uhr von den staatlichen
Notenbanken betreut, ähnlich wie die Patienten auf der Intensivstation. Die
Eingriffe erfolgen so professionell, dass Groß- und Kleinanleger keine Angst um
ihre Ersparnisse haben müssen.” In den schlimmsten Fällen helfe der Staat zudem
mit Steuergeldern aus.

REINHART: ‘WIR SEHEN ERST DIE SPITZE DES EISBERGS’

“Wir sehen erst die Spitze des Eisbergs”, sagte die amerikanische
Wirtschaftswissenschaftlerin Carmen Reinhart von der Universität Maryland der
“Welt am Sonntag”. Sie gehe davon aus, dass weitere Banken ins Trudeln geraten
werden. “Es gibt in jedem Fall noch viele angeschlagene Bilanzen”, sagte
Reinhart, die früher selbst bei der US-Investmentbank Bear Stearns tätig war.
“Die faulen Kredite müssen erst aus den Bilanzen raus, und das passiert nicht
über Nacht”. Bis dahin verliehen die Banken nur äußerst vorsichtig Geld, dies
habe Folgen für die Wirtschaft. “Es wird daher nicht im nächsten Monat alles
wieder im Reinen sein”, betonte Reinhart.

Auch Gerd Häusler vom Investmenthaus Lazard befürchtet, dass viele Banken in
den kommenden Wochen neue Verluste verkünden müssen. “Für eine Reihe von Banken
sieht das begonnene Jahr in puncto Wertberichtigungen schlechter aus als 2007″,
sagte Häusler der Zeitung. Investmentbanken haben in der Vergangenheit oft
Kredite eingesetzt, um Wertpapiergeschäfte zu finanzieren. “Jetzt wird sich die
Spreu vom Weizen trennen”, sagte Häusler. Geschäftsmodelle, die allein von hohen
Schulden abhängig seien, hätten keine Zukunft.

Bofinger sieht durch die internationale Finanzkrise klare Abwärtsrisiken für
die deutsche Konjunktur. “Die Bundesregierung darf darüber nicht einfach
hinweggehen”, sagte er der “Passauer Neuen Presse” (Samstag). Allerdings
unterscheide sich die Lage grundlegend von der in den USA. “Der Aufschwung in
Deutschland ist kein Aufschwung auf Pump gewesen. Wo es keine Kreditblase gibt,
kann auch keine platzen.”/gö/DP/he

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