16:58 | 29.08.2008
Experten sehen Verkauf von Dresdner Bank an Coba als zweitbeste Lösung an
FRANKFURT (dpa-AFX) – Analysten und Experten bewerten den offenbar
anstehenden Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank für die
Allianz nur als die zweitbeste Lösung. “Die Allianz hätte das Geld
lieber bar in der Hand gehabt, was bei einem Verkauf an die China Development
Bank der Fall gewesen wäre” sagte Fidel Helmer von Hauck und Aufhäuser am
Freitag.
Nach monatelangen Verhandlungen hat der Übernahmepoker um die Dresdner Bank
offenbar ein Ende gefunden. Wie die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Freitag
aus Finanzkreisen erfuhr, wird die Dresdner Bank voraussichtlich an die
Commerzbank gehen. Der Allianz-Vorstand habe dies in der Nacht zum Freitag
beschlossen. Die Münchner Versicherung bestätigte am Nachmittag lediglich die
fortgeschrittenen Verhandlungen über den Verkauf der Dresdner Bank, deren Ende
noch offen sei. Am Sonntag werden sich die Aufsichtsräte der Commerzbank und der
Allianz unabhängig voneinander treffen. Alternativ wurde bis zuletzt auch immer
über einen Verkauf an die China Development Bank spekuliert.
Die “deutsche Lösung” entspricht auch den Erwartungen vieler Analysten, die
mehrheitlich davon ausgehen, dass es hierzu kommt. Analyst Christian Hamann von
der Hamburger Sparkasse sagte: “Wie gut die Lösung mit der Commerzbank ist, muss
sich allerdings noch zeigen”, sagte der Experte. Spannend ist für die Analysten
nun vor allem die detaillierte Ausarbeitung des Vertrags.
BUCHVERLUST BEI KOMPLETTÜBERNAHME
“Bei einer Komplettübernahme ist die Allianz ihr Sorgenkind zwar los, muss
aber einen hohen Buchverlust ausweisen”, ergänzte Robert Halver von der Baader
Bank. Eine Beteiligung des Versicherers an dem fusionierten Konzern hält er
ebenfalls für möglich. Als wahrscheinlichste Variante gilt derzeit, dass die
Commerzbank erst 51 Prozent und ein Jahr später die restlichen 49 Prozent an der
Dresdner Bank übernimmt. Wie genau die Commerzbank den immer noch unbekannten
Kaufpreis stemmen will, gibt ebenfalls Anlass zu Spekulationen. “Da die
Commerzbank die Übernahme nicht alleine stemmen kann, ist es möglich, dass sich
die Allianz noch mit 20 bis 30 Prozent an der Fusion beteiligt”, sagte Helmer.
Die Commerzbank müsste Hamann zufolge auf jeden Fall die bereits genehmigte
Kapitalerhöhung zur Finanzierung durchführen. “Als Entlastung könnte auch die
Tochter cominvest mit einem Wert von rund 1,5 Milliarden Euro der Allianz als
Asset-Tausch angeboten werden.” Auch Beteiligungsverkäufe böten
Finanzierungsmöglichkeiten. Händler rechnen auf jeden Fall mit einem Verkauf der
Linde-Beteiligung. Aber auch Anteile an Hochtief, AMB Generali, Roth & Rau und
der Jaxx AG seien potenzielle Geldquellen.
“Unterdessen könnte die Commerzbank ihrerseits eine Risikoabschirmung des
Versicherers für die Dresdner Bank fordern – das wäre wiederum leicht negativ
für die Allianz”, so Hamann weiter. Auch Details, die nicht direkt mit der
Finanzierung zu tun haben, sind von Interesse. “Wenn die Commerzbank
beispielsweise teilweise in Aktien zahlt, wie lange verpflichtet sich dann die
Allianz, diese zu halten?”/hoscg/dr/sk/wiz
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