AGENTURMELDUNGEN

14:53 | 02.08.2009
‘Focus’: Gutachten wirft HSH Nordbank Versäumnisse vor

HAMBURG (dpa-AFX) – Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG hat in einem
Gutachten einem Pressebericht zufolge der HSH Nordbank und den Aufsichtsgremien
schwere Versäumnisse vorgeworfen. Die Experten listeten etliche Fälle auf, in
denen die Banker gegen die “Mindestanforderungen an das Risikomanagement”
verstießen, wie das Nachrichtenmagazin “Focus” berichtete. Der Aufsichtsrat habe
keine “kritische Auseinandersetzung mit der Strategie” der Bank geleistet. Neben
dem Aufsichtsrat versagte dem Bericht zufolge offensichtlich auch die interne
Revision. Diese sollte das Alltagsgeschäft der Bank überprüfen, habe jedoch wohl
keinerlei Fehler gefunden.

“Es ist richtig, dass KPMG auf Schwächen im Risikomanagement hingewiesen
hat”, bestätigte eine Sprecherin der Deutschen Presse- Agentur dpa am Samstag.
Diese Schwächen seien aber bereits im Vorfeld vom Vorstand erkannt worden.
“Diese Schwächen zu beseitigen, dafür haben wir diverse Projekte mittlerweile
aufgesetzt”, sagte die Sprecherin. Zu den einzelnen Vorwürfen wollte sie sich
nicht äußern.

MAGAZIN: STEGNER NAHM NUR AN DER HÄLFTE DER AUFSICHTSRATSSITZUNGEN TEIL

Als Beispiele für die Versäumnisse im Risikomanagement führten die
KPMG-Prüfer laut “Focus” Geschäfte der Londoner Filiale mit der “Omega Capital
Funding Ltd” in Höhe von 600 Millionen Euro an, bei denen die HSH Nordbank
enorme Kreditrisiken übernahm. Seit 2004 habe die HSH Nordbank in komplizierte
Anlageprodukte investiert, die Jahre später die weltweite Finanzkrise auslösten.

Der damalige schleswig-holsteinische Finanzminister Ralf Stegner (SPD) saß
zu der Zeit im Aufsichtsrat der Bank, fehlte aber laut “Focus” bei drei von
sechs Sitzungen des Kontrollgremiums. “Ich werde keine Angaben machen zu unserem
Aufsichtsrat, wer wie oft woran teilgenommen hat”, sagte die Sprecherin.

‘WAMS’: KUNDEN WENDEN SICH VON BANK AB

Angaben, wonach die Luxemburger Tochter der HSH Nordbank, die “HSH Nordbank
Securities”, Ende 2008 nur knapp einer Insolvenz entgangen ist, wollte die
Sprecherin nicht bestätigen. “Luxemburg war immer schon eine konsolidierte
Tochter. (…) Die Tochter stand nicht vor der Insolvenz”, sagte sie. Dem
Magazin zufolge verzichtete die Zentrale auf Forderungen von 400 Millionen Euro.
Außerdem übernahm sie 270 Millionen Euro an Wertberichtigungen für
Schuldverschreibungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. “Wir hatten keine Wahl”,
sagte ein Banker. “Sonst hätten wir für die Insolvenz haften müssen, was noch
teurer geworden wäre.”

Nach dem Ärger um die 2,9 Millionen Euro Halteprämie für den Chef der HSH
Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, wenden sich laut “Welt am Sonntag” Kunden von
dem Geldhaus ab. “Mir ist völlig unverständlich, wie ein Vorstandsmitglied Ihres
Hauses in der momentanen Situation den Weitblick und mögliche Konsequenzen
aufgrund der öffentlichen Wirkung vermissen lässt”, schreibt Andreas Foidl, Chef
des Berliner Großmarkts, in einem Brief an die Bank. Auch bei der Schuh-Kette
Görtz ist man dem Bericht zufolge verärgert. Derweil soll Nonnenmacher die
Manager der Bank aufgefordert haben, die Mitarbeiter von einem Verzicht auf
ihren Bonus zu überzeugen. “Nonnenmacher misst mit zweierlei Maß”, sagte eine
Führungskraft. “Was ihm recht ist, steht seinen Angestellten längst nicht
zu.”/gw/DP/he


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