16:52 | 19.10.2010
GESAMT-ROUNDUP: Bank of America und Goldman Sachs müssen einstecken
CHARLOTTE (dpa-AFX) – Dieser Megaverlust weckt böse Erinnerungen an die
Finanzkrise: Im dritten Quartal verlor die Bank of America unterm Strich 7,6
Milliarden Dollar (5,2 Mrd Euro). Selbst im krisengeschüttelten
Vorjahreszeitraum hatte das Minus “nur” bei 2,2 Milliarden Dollar gelegen. Grund
für den Absturz war eine gigantische Wertberichtigung im Kreditkarten-Geschäft.
Die Sparte wird durch die im Sommer verabschiedeten Finanzmarkt- Gesetze
ausgebremst. So hat es US-Präsident Barack Obama den Banken erschwert, die
Zinsen im Nachhinein klammheimlich anzuheben. Auch müssen sich die
Finanzunternehmen bescheiden, was Strafgebühren angeht, wenn ein Kunde etwa
seine Rechnung zu spät bezahlt. Die Bank of America gehört zu den größten
Kreditkarten-Anbietern der USA mit Filialen im ganzen Land. Die Aktie rutschte
am Dienstag 2 Prozent ins Minus. Schon seit Tagen steht das Papier unter Druck:
US- Staatsanwälte gehen dem Verdacht nach, dass das Institut und einige
Wettbewerber bei den Zwangsvollstreckungen säumiger Schuldner zu weit gegangen
sind. Der Vorwurf lautet, die Banken hätten ohne gültige Dokumente und
ausreichende Prüfung Tausende Häuser gepfändet.
Gut jeder zehnte Hausbesitzer in den Staaten ist mit seinen Raten im
Rückstand. Die Lage entspannt sich aber langsam. Die Bank of America konnte die
Rückstellungen für faule Kredite mehr als halbieren.
Die Bank of America gehört zu den Verlieren der Finanzkrise, Goldman Sachs
ist dagegen einer der Gewinner. Die reine Investmentbank hatte den fallenden
Markt vor rund drei Jahren vorausgesehen und mit riskanten Finanzwetten das
große Geld gemacht. Ausgerechnet jetzt, wo sich die Lage entspannt, muss Goldman
aber den Gürtel enger schnallen. Das einst so lukrative Geschäft mit
Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen läuft anhaltend schleppend.
Der Goldman-Gewinn im dritten Quartal brach binnen Jahresfrist von 3,0
Milliarden auf 1,7 Milliarden Dollar ein. Die Aktie stieg dennoch um ein knappes
Prozent – Analysten hatten mit einem noch stärkeren Abrutschen gerechnet. In den
vergangenen Monaten waren die Umsätze an den Börsen allgemein schwach, nicht nur
Goldman litt darunter.
Das durchwachsene Abschneiden schlägt direkt auf die Bezahlung der
Mitarbeiter durch, die einen guten Teil ihres Gehalts in Form von Boni erhalten.
Für die ersten neun Monate legte die Bank 13,1 Milliarden Dollar und damit ein
Fünftel weniger als im Vorjahr beiseite. Abgerechnet wird am Jahresende. 2009
bekam jeder Goldman- Mitarbeiter eine knappe halbe Million Dollar – das ist
selbst für die Bankbranche ein Spitzenverdienst.
Goldman gilt als die profitabelste Wall-Street-Bank überhaupt und muss immer
wieder als Prügelknabe herhalten, wenn Politiker die Auswüchse der Finanzbranche
anprangern. Die Goldmänner selbst empfinden das als ungerecht, waren sie in der
Krise doch nicht auf Staatshilfe angewiesen. Dagegen musste der Steuerzahler bei
der Bank of America einspringen. Das Haus hatte sich mit der spektakulären
Milliardenübernahme der Investmentbank Merrill Lynch verhoben.
Insgesamt haben sich die großen US-Banken nach den Krise wieder schnell
berappelt – während die Pleiten bei den Regionalbanken auf einen neuen
Rekordwert zusteuern. Branchenprimus JPMorgan verdiente im
dritten Quartal 4,4 Milliarden Dollar, die Citigroup 2,2
Milliarden Dollar. Ihnen kam vor allem zugute, dass die Kreditnehmer ihre Raten
wieder zuverlässiger zahlen. An diesem Mittwoch verraten Morgan Stanley
und Wells Fargo ihre Zahlen./das/DP/fn
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