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16:41 | 20.01.2010
GESAMT-ROUNDUP: US-Banken ächzen unter faulen Krediten und Staatsabgaben

CHARLOTTE/NEW YORK (dpa-AFX) – Die US-Banken bekommen weiterhin die
Spätfolgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu spüren. Faule Kredite und hohe
Abgaben für die erhaltenen Staatshilfen haben den Instituten im Schlussquartal
2009 die Bilanzen verhagelt. Die Bank of America musste am
Mittwoch einen Verlust von unterm Strich 5,2 Milliarden Dollar vermelden. Damit
bleibt die Großbank einer der Verlierer der Finanzkrise. Andere Institute wie
Morgan Stanley und Wells Fargo schafften es – teils mit Mühe
- in die schwarzen Zahlen.

Wie die Citigroup litt die Bank of America vor allem unter
den hohen Kosten für die Staatshilfen, die der Konzern erst gegen Ende des
Jahres zurückgezahlt hatte. Außerdem musste die Bank 10,1 Milliarden Dollar für
säumige Schuldner zurücklegen. Die Lage stabilisiere sich aber, sagte der neue
Bankchef Brian Moynihan. “Wenn wir auf 2010 blicken, ermutigen uns die Zeichen
der wirtschaftlichen Erholung.”

Auch der Risikovorstand von Wells Fargo, einer der größten Kreditgeber des
Landes, machte Hoffnung auf Besserung. Die wirtschaftlichen Aussichten hätten
sich verbessert, sagte Mike Loughlin. Im letzten Jahresviertel musste Wells
Fargo aber noch einmal 4,9 Milliarden Dollar für säumige Schuldner zurücklegen.
Dennoch verdiente das Unternehmen überraschend 2,8 Milliarden Dollar.

Branchenweites Problem

Das Kreditproblem betrifft die gesamte Branche: Auch Konkurrenten wie die
Citigroup oder JP Morgan Chase mussten jüngst hohe Ausfälle vermelden. In der
Wirtschaftskrise waren viele Unternehmen pleite gegangen, Menschen wurden
arbeitslos. Ihnen fehlt jetzt das Geld, ihre Schulden abzustottern. Branchenweit
platzt im Schnitt jeder 20. bis 25. Kredit.

Aus dem Schneider sind jene Institute, die sich auf ihre lukratives
Investmentbanking verlassen konnten. Branchenprimus JPMorgan Chase schaffte dank
dieses hochspekulativen Kapitalmarktgeschäfts einen Quartalsgewinn von 3,3
Milliarden Dollar. Experten trauen der reinen Investmentbank Goldman Sachs
, die an diesem Donnerstag ihre Zahlen vorlegt, einen Gewinn
in ähnlicher Größenordnung zu.

Morgan Stanley, die zweite verbliebene US-Investmentbank, blieb ebenfalls
profitabel. Der Überschuss summierte sich im vierten Quartal aber auf
überschaubare 376 Millionen Dollar. Besonders das Geschäft mit Staats- und
Unternehmensanleihen verlief enttäuschend. Die von der Finanzkrise noch
mitgenommene Morgan Stanley leidet unter ihren starken Konkurrenten – wie der
Deutschen Bank.

Image aufpolieren

Auch die Bank of America ist im Investmentbanking aktiv und konnte hier
einen Gewinn vorweisen. Sie hatte vor gut einem Jahr, zum Höhepunkt der
Finanzkrise, die Investmentbank Merrill Lynch übernommen – und sich dabei
verhoben. Der Staat musste den Konzern mit 45 Milliarden Dollar stützen. Erst
vor rund einem Monat konnte die Bank of America die Hilfen zurückzahlen, was
Milliarden kostete.

Erschwerend kamen die roten Zahlen im Privatkundengeschäft mit seinen
Kreditkarten und Hypothekenkrediten hinzu. Der Rivale Citigroup, der seine
Zahlen am Dienstag vorgelegt hatte, erlitt das gleiche Schicksal. Hier fiel
sogar ein Verlust von 7,6 Milliarden Dollar an. Die Rufe nach der Ablösung von
Citigroup-Chef Vikram Pandit wurden wieder lauter.

Bank-of-America-Chef Kenneth Lewis hat bereits unter dem Druck von Politik
und Öffentlichkeit seinen Stuhl geräumt. Seitdem führt Moynihan, der bisherige
Leiter der Privatkunden-Sparte, das Geldhaus. Sein erklärtes Ziel ist es, das
ramponierte Image wieder aufzupolieren. Besonders die satten Boni für Top-Banker
hatten zuletzt für Unverständnis gesorgt.

Von Daniel Schnettler, dpa und Annika Graf, dpa-AFX/das/gr/DP/tw


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