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16:09 | 09.02.2009
GESAMT-ROUNDUP: Wirtschaftsflaute trifft deutschen Außenhandel

WIESBADEN (dpa-AFX) – Die weltweite Wirtschaftsflaute hat dem deutschen
Außenhandel im Dezember 2008 erneut ein kräftiges Minus beschert. Die Ausfuhren
des langjährigen Exportweltmeisters Deutschland sanken im Vergleich zum
Vorjahresmonat um 7,7 Prozent auf 67,4 Milliarden Euro, teilte das Statistische
Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Die Einfuhren gingen um 3,3 Prozent auf
60,4 Milliarden Euro zurück. Im November 2008 war der Export sogar um 11,8
Prozent eingebrochen. Das war der stärkste Einbruch für Produkte “Made in
Germany” seit rund 15 Jahren. Schlechte Nachrichten lieferte das Bundesamt am
Montag auch zur deutschen Industrie: Demnach sind die Industrieumsätze Ende 2008
in bislang beispielloser Weise eingebrochen.

Im Gesamtjahr 2008 stiegen die deutschen Exporte leicht um 2,8 Prozent auf
992,7 Milliarden Euro, die Importe um 5,8 Prozent auf 814,5 Milliarden Euro. Das
Plus ist auf teilweise deutliche monatliche Zuwächse in den ersten drei
Quartalen zurückzuführen.

Zusammen mit den Dienstleistungen und anderen Transfers schloss die
Leistungsbilanz 2008 nach vorläufigen Berechnungen der Bundesbank mit einem
Überschuss von 162,5 Milliarden Euro ab. Im Vorjahr waren es noch 180,8
Milliarden Euro gewesen.

FINANZMARKTKRISE VERHAGELT JAHRESBILANZ

Nach Ansicht des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen
(BGA) verhagelte die internationale Finanzmarktkrise die Jahresbilanz im
Außenhandel. “Nach einem großartigen Start mit Wachstumsraten im zweistelligen
Bereich brach der deutsche Außenhandel zum Jahresende ein”, sagte BGA-Präsident
Anton F. Börner am Dienstag in Berlin. Die Finanzmarktkrise sei nun endgültig im
deutschen Außenhandel angelangt. Dennoch hätten sich die deutschen Aus- und
Einfuhren lange als robust erwiesen: “Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die
deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich gut aufgestellt sind”, sagte
Börner.

Wie das Statistische Bundesamt ebenfalls berichtete, gingen die Umsätze der
deutschen Industrie im Dezember 2008 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,6
Prozent zurück. Einen derartigen Einbruch habe es seit der Wiedervereinigung
noch nicht gegeben. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte bereits im Oktober
(-3,2 Prozent) und November (- 6,5 Prozent) für einen deutlichen Rückgang der
Umsätze gesorgt. Der bisherige Spitzenwert war nach dem Ende des
Vereinigungsbooms im Februar 1993 mit einem Minus von 9,8 Prozent registriert
worden.

PRODUZENTEN VON KRAFTWAGEN BESONDERS BETROFFEN

Besonders hart getroffen wurden die Produzenten von Kraftwagen und ihre
Zulieferer. Die realen Umsätze der Autoindustrie sanken im Dezember fast um ein
Drittel (- 32,7 Prozent). Auch der relativ stabile Maschinenbau musste ein Minus
von 4 Prozent hinnehmen. Erstmals seit fünf Jahren ging auch im Gesamtjahr 2008
der arbeitstagbereinigte Umsatz der Industrie zurück, und zwar um 0,2 Prozent
gegenüber 2007.

Die deutschen Ausfuhren sanken im Dezember im direkten Vergleich zum
November kalender- und saisonbereinigt um 3,7 Prozent, die Einfuhren um 4,1
Prozent. Damit hat sich das Export-Minus im Monatsvergleich deutlich verringert,
nachdem im November noch 10,8 Prozent weniger Waren aus Deutschland im Ausland
nachgefragt worden waren als im Oktober – dies war nach früheren Angaben des
Bundesamtes der stärkste Einbruch seit Beginn der Erhebung 1991.

Besonders stark gingen im Dezember die Ausfuhren in Länder der Europäischen
Union (EU) mit 12,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. In Länder
des Euro-Raums wurde 10,8 Prozent weniger exportiert, in andere EU-Länder 16,6
Prozent weniger. Die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU stiegen im Dezember
hingegen leicht um 1,1 Prozent. Knapp zwei Drittel der deutschen Exporte gehen
in die EU.

AUSSENHANDEL ERNEUT MIT NEGATIVEM BEITRAG

Nach Berechnungen der Commerzbank sind die deutschen Warenausfuhren im
vierten Quartal 2008 um 8,4 Prozent gegenüber dem dritten Quartal eingebrochen.
Damit dürfte der Außenhandel erneut einen negativen Beitrag zum deutschen
Wirtschaftswachstum geleistet haben, schrieb der Chefvolkswirt der Commerzbank,
Jörg Krämer, in einer Kurzanalyse. Die Zahlen vom Montag stünden im Einklang mit
der Erwartung der Bank, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2008 um
2 Prozent geschrumpft ist. Das Statistische Bundesamt will die Daten an diesem
Freitag veröffentlichen.

Die Commerzbank sieht wegen der stockenden Konjunktur in vielen
Abnehmerländern noch keine Anzeichen für eine baldige Besserung der
Auslandsnachfrage. Krämer ist überzeugt: “Der Außenhandel wird auch im ersten
Halbjahr 2009 die Konjunktur deutlich belasten.” /hs/ce/DP/js


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