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17:47 | 25.07.2010
GESAMT-ROUNDUP/Medien: BP-Chef Tony Hayward vor dem Rücktritt

WASHINGTON/LONDON (dpa-AFX) – Schlechtes Krisenmanagement, verbale
Ausrutscher, horrende Kosten: Der wegen der Ölpest im Golf von Mexiko heftig
kritisierte BP-Chef Tony Hayward nimmt Medienberichten
zufolge gut drei Monate nach Beginn der Katastrophe seinen Hut. Der 53- Jährige
habe mit dem Ölkonzern bereits die Bedingungen für seinen Weggang ausgehandelt,
berichtete der Sender BBC am Sonntag. Der Kampf am Unglücksort vor der
US-Südküste geht derweil nach tagelangem Stillstand weiter.

Eine offizielle Erklärung zu Haywards Rücktritt solle es innerhalb von 24
Stunden geben, hieß es bei BBC unter Berufung auf Unternehmenskreise. Die
Fachagentur Bloomberg meldete, dass die Ankündigung auch am Dienstag bei der
Vorlage der Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2010 gemacht werden könnte.
BP wollte die Berichte weder bestätigen noch dementieren. “Hayward hat weiterhin
das Vertrauen des Aufsichtsrats”, sagte Konzernsprecher Toby Odone der
Nachrichtenagentur dpa.

US-AMERIKANER BOB DUDLEY WIRD ALS NACHFOLGER GEHANDELT

Als Haywards Nachfolger wird der US-Amerikaner Bob Dudley gehandelt. Er
hatte von dem BP-Chef bereits Ende Juni die operative Leitung bei der Eindämmung
der Ölpest übernommen. Damals hieß es aus dem Konzern noch, Hayward solle sich
wieder stärker dem regulären Geschäft widmen. Beobachter empfanden dies als
Degradierung.

Der Vorstandschef, der seine Karriere bei BP vor 28 Jahren begonnen hatte,
war vor allem in den USA heftig für seinen Umgang mit der schwersten
Umweltkatastrophe in der Geschichte des Landes gerügt worden. Beißende Kritik
zog er mit seinem Kommentar auf sich, er wolle einfach nur sein Leben wieder
haben. Kurz darauf geriet er ins Schussfeuer der Medien, als er mit seiner
Segelyacht “Bob” an einer Regatta im Ärmelkanal teilnahm.

AUFSICHTSRAT TRIFFT SICH AM MONTAG

Der Aufsichtsrat des Energiekonzerns trifft sich an diesem Montag, um über
die Zukunft Haywards abzustimmen. Dabei solle lediglich Haywards Entscheidung
abgesegnet werden, sagte der BP-Sprecher. Am Wochenende wurde den Berichten
zufolge über eine Abfindung verhandelt. Sein Gehalt und Bonus betrug laut BP im
vergangenen Jahr 3,1 Millionen Pfund (3,7 Mio Euro).

Analysten erwarten, dass BP trotz der Ölpest im ersten Halbjahr dieses
Jahres 10 Milliarden Dollar (7,7 Mrd Euro) Gewinn gemacht hat. Gleichzeitig
erwarten Branchenexperten, dass sich im zweiten Quartal unter dem Strich ein
Verlust anhäuft – der erste seit mehreren Jahrzehnten.

WECHSELHAFTES WETTER AN ÖLQUELLE

Die teure Schlacht an der Ölpest-Front ist für BP wegen des wechselhaften
Wetters noch längst nicht geschlagen. Zwar konnten die Arbeiten am Sonntag
wieder aufgenommen werden, nachdem sich das Sturmtief “Bonnie” deutlich
abschwächte. Doch die gerade begonnene Hurrikan-Saison in der Region nimmt Fahrt
auf. “Wir werden die restliche Saison über Katz und Maus spielen müssen”, sagte
der Einsatzleiter der US-Regierung, Admiral Thad Allen.

Sobald sich der nächste große Sturm ankündigt, müssten die Arbeiten erneut
unterbrochen werden. Allein die Evakuierung an diesem Wochenende hätte die
BP-Pläne, die defekte Ölquelle mit Hilfe von Parallelbohrungen endgültig zu
verschließen, mindestens um eine Woche verzögert. Das Unterfangen dürfte laut
Allen nicht von Mitte August abgeschlossen sein. Eine provisorische Kappe auf
dem Bohrloch hält aber wie schon seit rund zehn Tagen das Öl vom Ausströmen ins
Meer ab – für BP ein Erfolg.

NEUES BOHRVORHABEN VOR LIBYSCHER KÜSTE SOLL GESTARTET WERDEN

Während im Golf von Mexiko wegen der Ölpest derzeit ein Verbot neuer
Tiefseebohrungen besteht, will BP ein solches Vorhaben nun im Mittelmeer vor der
Küste Libyens starten. “Die Bohrungen werden in wenigen Wochen beginnen”, sagte
BP-Sprecher David Nicholas der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit einen
Bericht der “Financial Times” vom Samstag. Die Bohrung gilt als politisch und
ökologisch heikel.

Die Quelle solle spätestens in einem halben Jahr erschlossen sein, sagte der
Sprecher weiter. Der Konzern wies Sicherheitsbedenken über die neue
Tiefseebohrung zurück. In der Schublade liegen allerdings schon “detaillierte
Störfallpläne”.

Die Bohrung erfolgt in der Mittelmeerbucht “Große Syrte”. Die Quelle liegt
etwa 200 Kilometer westlich der Hafenstadt Bengasi in rund 1750 Metern Tiefe.
Damit wird dort 250 Meter tiefer nach Öl und Gas gebohrt als bei der
Tiefseebohrung im Golf von Mexiko./mcm/DP/he


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