17:15 | 15.10.2009
GESAMT-ROUNDUP/Schere bei US-Banken: Goldman top – Citigroup flop
NEW YORK (dpa-AFX) – Die Schere bei den US-Banken öffnet sich immer weiter:
Die für ihre Risikolust berüchtigte US-Investmentbank Goldman Sachs
strich im dritten Quartal unterm Strich 3,2 Milliarden Dollar (2,1 Mrd
Euro) ein, die im klassischen Kreditgeschäft starke Citigroup
verlor dagegen den gleichen Betrag. Der Grund: Immer mehr Schuldner können ihre
Raten nicht mehr zahlen. “Das Umfeld für Verbraucherkredite bleibt hart”, warnte
Citigroup-Chef Vikram Pandit am Donnerstag. Die Bank bleibt nur mit staatlicher
Hilfe auf den Beinen.
Der Rivale JP Morgan hatte am Vortag die Marschrichtung
vorgegeben: Der Finanzkonzern konnte die Löcher im Kreditgeschäft mit einem
blendend laufenden Investmentbanking stopfen. Mit einem Gewinn von letztlich 3,6
Milliarden Dollar untermauerte JP Morgen wieder einmal seine Spitzenstellung in
den USA. Goldman Sachs ist wesentlich kleiner, konnte aber dank der
Konzentration auf das einträgliche Investmentbanking nahezu so viel verdienen.
Das gut Ergebnis verdankte das Haus vor allem dem blühenden Handel mit
Währungen, Rohstoffen und Anleihen. Vor einem Jahr hatte die Krise den Gewinn
der Bank noch auf 845 Millionen Dollar gedrückt.
WELTWIRTSCHAFT STABILISIERT SICH
Bankchef Lloyd Blankfein sprach davon, dass sich die Weltwirtschaft
stabilisiere und in einigen Branchen sogar zu Wachstum zurückkehre. Die Aktie
büßte trotzdem gut zwei Prozent ein. Börsianer hätten nach der starken
Zwischenbilanz von JP Morgan mit “Fantasie-Zahlen” gerechnet, kritisierte
Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. “Wenn man sich aber vor
Augen führt, wo Banken vor einem Jahr gestanden haben, gibt es kaum Grund zur
Klage.”
Die Papiere der Citigroup knallten sogar mehr als 5 Prozent in den Keller.
Die Bank musste weitere 8 Milliarden Dollar an Krediten abschreiben und ihre
Vorsorge um nochmals 800 Millionen Dollar aufstocken. Damit bleibt die Citigroup
eines der großen Sorgenkinder der US-Bankenbranche. Im Gegenzug für
milliardenschwere Hilfen ist der Staat inzwischen mit rund einem Drittel an der
Bank beteiligt. Das Geld für die Rückzahlung fehlt. Immer wieder kochen deshalb
Spekulationen über Pandits Zukunft an der Spitze der Bank hoch.
INVESTMENTBANK VERDIENT HERVORRAGEND
Ganz anders die Situation bei Goldman Sachs. Die Investmentbank kam glänzend
durch die Krise. Sie schrieb in nur einem einzigen Quartal Verlust und hat ihre
gesamten Staatshilfen bereits zurückgezahlt. Sie hatte den Zusammenbruch des
US-Häusermarktes früher als andere kommen sehen und selbst im Krisenjahr 2008
noch hohe Boni gezahlt, was ihr viel Kritik einbrachte. “Ich würde erwarten,
dass wir dieses Jahr mehr als letztes Jahr zahlen”, sagte Finanzchef David
Viniar mit Blick auf den guten Lauf der Bank.
Goldman Sachs entlohnt seine Mitarbeiter königlich: Bankchef Blankfein
selbst ist einer der Spitzenverdiener der Branche. Vor zwei Jahren kassierte er
die damalige Rekordsumme von knapp 68 Millionen Dollar, für das Krisenjahr 2008
verzichtete er allerdings gemeinsam mit anderen Führungskräften freiwillig auf
seine Prämie. “Über Boni wird am Ende des Jahres entschieden”, sagte Finanzchef
Viniar.
Die deutschen Großbanken legen ihre Zahlen Ende des Monats beziehungsweise
Anfang November vor. Den Anfang macht die Deutsche Bank . Auch hier
erwarten Experten wieder glänzende Ergebnisse dank der Investmentbanking-Sparte.
Dagegen dürfte die Commerzbank unter der Last der übernommenen
Dresdner Bank abermals mit roten Zahlen zu kämpfen haben. Sie rechnet frühestens
im kommenden Jahr mit einer Rückkehr in die Gewinnzone./das/fd/DP/dct
—Von Daniel Schnettler, dpa-AFX und Roland Freund, dpa—
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