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16:27 | 21.07.2010
GESAMT-ROUNDUP/Verkehrte Welt: Morgan Stanley toppt Goldman Sachs

NEW YORK (dpa-AFX) – Die Bilanzsaison der US-Banken endet mit einer dicken
Überraschung. Nach dem Gewinneinbruch bei der erfolgsverwöhnten Investmentbank
Goldman Sachs konnte Morgan Stanley am
Mittwoch mit ihren Zahlen am Erzrivalen vorbeiziehen und alle Erwartungen
übertreffen. Beim Kreditspezialisten Wells Fargo ging überdies die Zahl der
säumigen Schuldner zurück. Die Börse war angetan.

Morgan Stanley verdiente im zweiten Quartal unterm Strich 1,6 Milliarden
Dollar (1,24 Mrd Euro) nach einem Milliardenverlust im Vorjahr. Dabei
profitierte die US-Bank von einer Steuerrückerstattung nach dem Verkauf ihres
Privatkundengeschäfts, aber auch von der Zusammenarbeit mit der Citigroup
im Investmentbanking. Die Aktie sprang im frühen Handel um
satte 8 Prozent hoch.

Der Milliardengewinn stand im krassen Gegensatz zu den mageren 453 Millionen
Dollar Überschuss, den Goldman Sachs am Vortag präsentiert hatte. Eine Strafe
der Börsenaufsicht SEC und die britische Bonussteuer hatten das Ergebnis der
Goldmänner geschmälert. Vor allem aber litt die Bank, die als die profitabelste
an der Wall Street gilt, unter einem schleppend laufenden Geschäft mit Anleihen,
Rohstoffen und Währungen.

Auch alle anderen US-Banken musste im zweiten Quartal Einbrüche im
Investmentbanking verkraften. Nicht so Morgan Stanley – ausgerechnet jenes Haus,
das lange mit der Krise kämpfen musste. Das Institut hatte im vergangenen Jahr
sein Handelsgeschäft mit dem der Citigroup zusammengelegt. Es entstand der
größte Broker der Welt unter dem Namen Morgan Stanley Smith Barney. Diese
Zusammenarbeit beginnt sich jetzt auszuzahlen. Die Integration laufe nach Plan,
sagte Unternehmenschef James Gorman. Es gebe aber noch alle Hände voll zu tun.
Er gehe davon aus, dass das Marktumfeld in den kommenden Monaten schwierig
bleiben werde.

Bei Wells Fargo, die ihr Geld hauptsächlich mit dem klassischen
Kreditgeschäft macht, klingt das alles viel positiver. Die viertgrößte US-Bank
schaffte dank der verbesserten Zahlungsmoral ihrer Schuldner einen Rekordgewinn
im zweiten Quartal von unterm Strich 2,9 Milliarden Dollar – ein Plus gegenüber
dem Vorjahreszeitraum von 12 Prozent.

“Die Kreditqualität hat sich schneller und stärker verbessert als wir
erwartet haben”, sagte Risikochef Mike Loughlin am Mittwoch in San Francisco.
Bereits zu Jahresbeginn hatte Wells Fargo davon gesprochen, dass das Schlimmste
in der Kreditkrise überstanden sei. Die Erwartungen hätten sich erfüllt, sagte
Finanzchef Howard Atkins. Der Kurs stieg um 6 Prozent.

In der Rezession hatten viele Schuldner ihre Raten nicht mehr zahlen können.
Firmen waren pleitegegangen, die Menschen verloren ihre Arbeit. Erschwerend
hinzu kam der Preisverfall bei den Eigenheimen und Gewerbe-Immobilien, die in
der Regel über Pump finanziert sind. Wells Fargo musste zwar unterm Strich immer
noch 4,0 Milliarden Dollar für faule Kredite beiseite legen. Doch im ersten
Quartal waren es noch 5,3 Milliarden Dollar gewesen. Und der positive Trend soll
anhalten: “Wenn sich die Wirtschaft nicht merklich verschlechtert, erwarten wir
für die Zukunft, dass wir für Kreditausfälle weniger zurücklegen müssen”, sagte
Risikochef Loughlin.

Auch die Konkurrenz hatte jüngst von einer besseren Zahlungsmoral ihrer
Kundschaft berichtet. Wells Fargo ist einer der größten Kreditgeber des Landes.
Die Bank unterhält mit aktuell noch mehr als 9000 Standorten eines der größten
Filialnetze des Landes. Die Bank hatte in den Wirren der Finanzkrise vor zwei
Jahren den Rivalen Wachovia geschluckt. /ang/das/she


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