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18:10 | 31.10.2008
Großbanken halten sich zum Thema Rettungsschirm bedeckt

FRANKFURT (dpa-AFX) – Bei der Frage über ein mögliches abgestimmtes oder
gemeinsames Vorgehen der deutschen Großbanken in puncto staatlichem
Rettungsschirm halten sich die Institute weiterhin bedeckt. Nachdem die Münchner
Hypo Real Estate (HRE) als erste Privatbank von dem 500 Milliarden Euro schweren
Rettungspaket der Bundesregierung Gebrauch gemacht hat, wollten sich am Freitag
weder Deutsche Bank noch Commerzbank, Postbank oder
Dresdner Bank dazu äußern, ob sie Bürgschaften des Staates in Anspruch nehmen
wollen. “Kein Kommentar”, hieß es einheitlich aus den Instituten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte am Donnerstag deutlich
gemacht, dass er einen solchen Schritt begrüßen würde. Seinen Angaben zufolge
wächst inzwischen auch die Bereitschaft der Institute. Der “Financial Times
Deutschland” (FTD/Donnerstag) hatte Steinbrück gesagt, es werde in den nächsten
vier bis fünf Tagen eine ganze Reihe von Instituten geben, die die Hilfe in
Anspruch nehmen würden. Darunter seien auch Banken, die sich zuvor öffentlich
anders geäußert hätten.

Mehrere Zeitungen berichteten, es gehe dabei um einen gemeinsamen Antrag
führender Privatbanken auf Garantien. Nach einem Bericht der “Süddeutschen
Zeitung” sind alle vier oben genannten Banken an den Verhandlungen beteiligt.
Die “FTD” hatte geschrieben, der Antrag auf Kreditbürgschaften könnte nach
Börsenschluss an diesem Freitag und vor Öffnung der Börsen am Montag bei der
staatlichen Stabilisierungsanstalt (SoFFin) eingehen.

Unterdessen bekam der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate
(HRE) in der Nacht zum Freitag vom Rettungsfonds die beantragte
Garantie über 15 Milliarden Euro zugeteilt. Der Konzern stand Ende September
kurz vor dem Zusammenbruch und wurde durch Kreditzusagen in einem Gesamtvolumen
von 50 Milliarden Euro gerettet. Über die nun zusätzlich zu diesem Paket
bewilligten staatlichen Bürgschaften hinaus prüft die Hypo Real Estate, ob auch
ein Antrag auf Kapitalhilfen nötig ist.

Das innerhalb kürzester Zeit aufgelegte Rettungspaket des Bundes für die
Banken findet bislang nur wenig Anklang in der Branche. Bis auf einige
Landesbanken hat sich auf der privaten Seite nur die HRE aus der Deckung gewagt.
Der Aufsichtsrat der HSH Nordbank kommt am Montag (3.11.) zu einer Sitzung
zusammen, um über die Nutzung der angebotenen staatlichen Hilfen zu beraten. Der
Vorstand hatte nach Abschreibungen in Milliardenhöhe durch die Finanzkrise
bereits beschlossen, grundsätzlich vom Maßnahmenpaket der Bundesregierung
Gebrauch zu machen. Auch die WestLB plant eine Teilnahme an dem Rettungsfonds
der Bundesregierung. Der Vorstandschef der Bank, Heinz Hilgert, wolle dies den
Eigentümern auf der Aufsichtsratssitzung am kommenden Montag empfehlen.

Besonders bei den privaten Geschäftsbanken ist die Angst vor einer
Abstrafung in der Öffentlichkeit und an der Börse im Falle des Vorpreschens mit
einem Hilfeersuchen eines einzelnen Instituts groß. Die Deutsche Bank hatte
öffentlich mehrfach betont, sie benötige kein frisches Kapital vom Staat -
zuletzt am Donnerstag bei Vorlage der Quartalszahlen. Beim Thema Bürgschaften
des Bundes allerdings gab sich der Branchenprimus bedeckt: Finanzchef Stefan
Krause wollte sich dazu nicht äußern.

Die Bürgschaften sollen vor allen Dingen die Geschäfte zwischen den Banken
wieder in Schwung bringen. Aus mangelndem Vertrauen geben sich die Institute in
der Finanzkrise untereinander seit Wochen keine Kredite, der sogenannte
Geldmarkt ist nahezu ausgetrocknet.

Allerdings wächst mittlerweile auch der Druck auf die Banken, ihre eigene
Kapitaldecke weiter zu stärken. Immer mehr internationale Institute holen sich
über staatliche Pakete oder auf Druck der Regierungen von Investoren frisches
Kapital. Am Freitag gab die britische Barclays Bank bekannt, sich bei arabischen
Investoren mit 7,3 Milliarden Pfund neuem Kapital einzudecken.

Die Deutsche Bank sieht sich mit einer Kernkapitalquote von rund 10 Prozent
gut gerüstet. Bei der Commerzbank lag die Quote zum Ende des zweiten Quartals
bei 7,3 Prozent, bei der Postbank sackte sie bis Ende September auf nur noch 5,5
Prozent und soll nach einer Kapitalerhöhung bei international immer noch
niedrigen 6,9 Prozent liegen.

Bundesbankpräsident Axel Weber forderte die Institute am Donnerstagabend
auf, ihre Kapitalbasis auf ein im internationalen Wettbewerbskontext
angemessenes Niveau aufstocken. “Mit einem solchen Kapitalpuffer wären sie für
eventuelle weitere Abschwünge an den Finanzmärkten und der Realwirtschaft besser
gerüstet”, sagte Weber.

Deutsche Anleger können Hoffnung schöpfen im Fall der Kaupthing- Bank. Die
isländische Finanzaufsicht hat für die in Not geratene Bank den
Entschädigungsfall festgestellt. Damit haben geschädigte Anleger aus Deutschland
ab jetzt maximal zwei Monate Zeit, ihre Forderungen gegenüber dem isländischen
Entschädigungsfonds geltend zu machen. Die genaue First wird in der sog.
“Official Gazette” und anderen Zeitungen in Island veröffentlicht. Darauf
verwies der Frankfurter Rechtsanwalt Ralph Burgwald aus der Kanzlei Nieding &
Barth im Rahmen der Börsen-Berichterstattung im ARD- Mittagsmagazin. Nach
Angaben der Kanzlei muss jeder Betroffene möglichst schnell reagieren, um seine
Ansprüche gegenüber der isländischen Bank nicht zu verlieren./sb/jb/bb/wiz


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