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10:57 | 11.04.2012
IW Köln: Euro-Sorgenkinder legen bei Exporten kräftig zu

KÖLN (dpa-AFX) – Die Euro-Sorgenkinder Griechenland, Spanien, Portugal und
Italien haben zuletzt deutlich mehr Waren exportiert und damit international
Boden gutgemacht. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln
(IW) sind die Handelsbilanzdefizite seit den Höchstständen im Jahr 2008 bis 2011
zum Teil deutlich geschrumpft. So verringerte etwa Spanien sein Minus im
Außenhandel mit Waren und Dienstleistungen von 5,8 Prozent auf noch 0,5 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts, wie das IW am Mittwoch mitteilte. Griechenland und
Portugal konnten ihre Defizite in der Handelsbilanz demnach immerhin um mehr als
die Hälfte abbauen.

Zu dieser Entwicklung hat nach Einschätzung der Konjunkturexperten vor allem
das dynamische Exportwachstum seit 2009 beigetragen. Allein im Jahr 2011 seien
die Ausfuhren in Portugal, Griechenland und Spanien um schätzungsweise 7 bis 9
Prozent gestiegen – und damit in etwa so stark wie in Deutschland. Zudem konnten
die Länder auf ihren Absatzmärkten Marktanteile hinzugewinnen.

“Bemerkenswert ist diese positive Entwicklung umso mehr, als sich an der
Preis- und Kostensituation der Euro-Krisenländer im vergangenen Jahr meist nur
wenig geändert hat”, analysiert das IW. Vor diesem Hintergrund sei es
zweifelhaft, ob diese Staaten wirklich weitere drastische Lohnsenkungen
vornehmen müssen, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Auch der US-Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz warnte
die Regierungschefs in Europa davor, die Krisenstaaten zu noch größeren
Sparbemühungen zu drängen. Der harte Sparkurs in vielen Ländern verstärke den
Abschwung, Europa drohe deshalb die zweite Rezession in kurzer Zeit, sagte der
frühere Chefökonom der Weltbank der “Süddeutschen Zeitung” (Mittwoch) und fügte
hinzu: “Eine Überdosis Sparen macht alles nur schlimmer.” Weltweit gebe es kein
Beispiel dafür, dass Kürzungen von Löhnen, Renten und Sozialleistungen ein
krankes Land genesen ließen. “Demokratien können nur ein begrenztes Maß an
Einschnitten vertragen, ohne dafür Erfolge zu sehen.”

Der Euroraum brauche stattdessen eine gemeinsame Haushaltsbehörde, die
regionale Unterschiede in der Wirtschaftskraft ausgleichen könne. Die Behörde
solle etwa Staaten, in denen hohe Arbeitslosigkeit herrscht, zusätzliche
Finanzmittel bereitstellen. Trotz aller Schwierigkeiten bescheinigt der
Wissenschaftler Europa eine “große Zukunft”. Infolge der Krise würde sich aber
die Macht in der Weltwirtschaft von Europa und den USA in Richtung China und
Indien verschieben./rad/DP/jkr


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