15:23 | 09.10.2011
Medwedew kritisiert Investitionsklima in Russland
MOSKAU (dpa-AFX) – Kremlchef Dmitri Medwedew hat nach einem Kapitalabfluss
von mehr als 36 Milliarden Euro für das laufende Jahr eine schnelle Besserung
des Geschäftsklimas in Russland gefordert. Beinahe alle Versuche, die vielen
Hürden für Investoren abzuschaffen, seien in den vergangenen zehn Jahren
fehlgeschlagen, sagte Medwedew am Samstag bei einem Treffen der Regierungspartei
Geeintes Russland in der Stadt Krasnodar. Russland brauche “gute Beamte und
brauchbare Standards wie in zivilisierten Ländern”, sagte der Staatschef nach
Angaben der Agentur Interfax. “Gute Gesetze allein genügen nicht, das ist eine
Illusion.”
Investoren hätten allein seit Jahresbeginn umgerechnet 36,8 Milliarden Euro
aus Russland abgezogen, hatte die Zentralbank in Moskau vor wenigen Tagen
mitgeteilt. Dies sei bereits jetzt dreimal so viel wie im gesamten Vorjahr, hieß
es. Investitionen seien aber ein ausschlaggebender Faktor bei der erfolgreichen
Modernisierung der Wirtschaft, sagte Medwedew. Er hatte bereits mehrfach eine
große Rückständigkeit vieler Unternehmen in Russland beklagt. Investoren aus dem
Westen kritisieren immer wieder Rechtsunsicherheit, Korruption und
Vetternwirtschaft in dem Riesenreich.
Nach Angaben des russischen Radiosenders Echo Moskwy schätzen Experten, dass
2011 bis zu 60 Milliarden US-Dollar (45 Mrd Euro) abfließen könnten. Dies wirke
sich zunehmend negativ auf den Rubel aus. Die Zentralbank in Moskau habe zwar
betont, dass sie die Währung nicht künstlich stützen würde, berichtete der
Sender am Sonntag. Allerdings habe Zentralbank-Vizechef Alexej Uljukajew
Interventionen in Höhe von 400 Millionen Dollar eingeräumt./wo/DP/he
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