13:29 | 14.04.2011
Nach Hamsterkäufen: Lebensmittelhändler rationieren Zucker in Ostdeutschland
KÖLN/BERLIN/GÖRLITZ (dpa-AFX) – Nach Zucker-Hamsterkäufen im
deutsch-polnischen Grenzgebiet haben mehrere Lebensmittelhändler dort den
Verkauf rationiert. “Wir beobachten seit mehreren Wochen, dass einige Kunden
teilweise mehrere Dutzend Pakete Zucker kauften”, sagte Rewe-Sprecher Andreas
Krämer am Donnerstag in Köln. Als Folge seien die Verkäufer in den Rewe- und
Penny-Märkten inzwischen angehalten, nur noch “handelsübliche Mengen” abzugeben.
Eine konkrete Mengenvorgabe gebe es bei Rewe nicht. “Der normale Kunde wird
aber keinen Unterschied merken”, betonte er. Grund für die verstärkte Nachfrage
sei offensichtlich, dass Zucker in Deutschland höchstens halb so teuer sei wie
in Polen.
Während ein Kilogramm Haushaltszucker in Deutschland ab 65 Cent zu haben
ist, müssen Verbraucher in Polen zwischen 1,25 und 1,70 Euro dafür bezahlen, wie
die “Heilbronner Stimme” berichtete. Auf diesen Preisunterschied reagierten
bereits die Discounter Lidl und Kaufland und rationierten den Zuckerverkauf in
der Grenzregion im Osten.
“Grundsätzlich verfügen wir über eine ausreichende Menge Zucker. Wir bitten
unsere Kunden jedoch, Zucker nur in haushaltsüblicher Anzahl einzukaufen”, sagte
eine Lidl-Sprecherin in Neckarsulm. Für Lidl stehe “die sichergestellte
Versorgung unserer Kunden im Fokus und nicht die Aktivitäten auf Drittmärkten”.
Die ebenfalls zur Schwarz-Gruppe gehörende Kette Kaufland verkauft nach eigenen
Angaben maximal fünf Pakete pro Kunde.
“Es gibt keine Versorgungsengpässe”, betonte Rewe-Sprecher Krämer. Die
Verkaufsbeschränkung solle vielmehr dazu dienen, logistische Probleme bei der
Lagerung und Ärger mit Kunden zu vermeiden. Denn wenn einzelne Personen
Riesenmengen Zucker kauften, seien die Kunden, die nichts mehr abbekommen,
unzufrieden. Profi-Käufer sollten im Großhandel kaufen, empfahl der
Rewe-Sprecher.
Laut Südzucker ist Zucker nicht grundsätzlich knapp geworden. “Der
Weltmarktpreis ist mit rund 700 Dollar (480 Euro) pro Tonne allerdings sehr
hoch”, sagte ein Firmensprecher. In Europa gebe es kein grundsätzliches Problem.
Der Zuckermarkt in der EU ist streng reguliert. Die hier produzierte Menge
darf insgesamt nur 85 Prozent des Versorgungsgrades erreichen, um Importe aus
dem Ausland zu fördern./pa/wag/DP/chs
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