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11:43 | 22.07.2008
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Booz & Company-Untersuchung: Islamic Finance verspricht großes
Wachstumspotenzial für deutsche Banken
München (ots) –

Marktpotenzial in Deutschland von 1,2 Milliarden Euro jährlich /
International Wachstumsraten von 15 – 20% pro Jahr / Mehrheit der
deutschen Muslime wünschen sich islamische Bau- und
Konsumentenfinanzierung sowie Versicherungen / Bisher nutzen nicht
einmal 5% der Muslime in Deutschland islamkonforme Bankprodukte /
Deutsche Finanzdienstleister zögerlich

Finanzprodukte, die den Vorschriften des Islam entsprechen
(Islamic Finance), sind ein äußerst attraktiver Wachstumsmarkt. Die
Bilanzsumme islamischer Banken wird Ende 2008 weltweit rund 500
Milliarden US$ erreichen. Mit Wachstumsraten von durchschnittlich
15-20% per annum in den letzten fünf Jahren bilden sie international
einen der am schnellsten wachsenden Sektoren der Finanzbranche. Das
Marktpotenzial für islamkonforme Bankprodukte in Deutschland beträgt
rund 1,2 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle
Untersuchung der Strategieberatung Booz & Company. Deutsche
Finanzdienstleister haben die Möglichkeiten im deutschsprachigen Raum
bislang nur zögerlich aufgegriffen und bieten lediglich wenige
spezielle Finanzprodukte, um diesen attraktiven Nischenmarkt zu
erschließen.

“Wenn bei deutschen Banken die Beratung für Muslime in der
Muttersprache des Kunden erfolgt, ist das schon viel. Dabei würden
laut unserer Studie alleine in Deutschland mehr als eine halbe
Million Menschen Shari´ah-konforme, also den religiösen Vorschriften
des Islam entsprechende, Produkte kaufen”, so Dr. Klaus-Peter
Gushurst, Seniorpartner und Bankenexperte von Booz & Company. “Wir
sehen in diesem Bereich ein enormes Potenzial, das noch weitgehend
brachliegt. In anderen Ländern, etwa in Großbritannien, ist der Markt
bereits viel weiter entwickelt.”

Chancen auch für den deutschsprachigen Raum

Diese abwartende Haltung hat unterschiedliche Ursachen. “Bisher
konzentrieren sich die deutschen Finanzdienstleister vor allem auf
typisch muslimische Märkte wie Indonesien oder Saudi Arabien – mit
beachtlichem Erfolg”, erklärt Dr. Philipp Wackerbeck, Islamic Finance
Experte bei Booz & Company. Diese Märkte sind schon allein durch den
hohen Anteil an Muslimen sehr viel leichter zu erschließen. Doch auch
für Deutschland sieht Wackerbeck gute Chancen. “Allerdings muss
hierzulande der Markt praktisch von Grund aufgebaut werden. Denn
bislang nutzen nur knapp 5% der Muslime diese speziellen Produkte.
Einige haben darüber hinaus schlechte Erfahrung mit vermeintlich
islamkonformen Investments gemacht.” Allerdings haben über 60% der in
Deutschland befragten Muslime erklärt, dass sie beispielsweise an
islamkonformen Baufinanzierungen interessiert sind.

Einen weiteren Hinderungsgrund sehen die Experten von Booz &
Company in den gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Durch
die Grunderwerbsteuer beispielsweise laufen Muslime in Deutschland
Gefahr, bei islamkonformen Baufinanzierungen doppelt Steuern zu
bezahlen. Nur wenn diese gesetzlichen Regelungen angepasst sind,
können Islamic Finance Produkte mit klassischen konkurrieren. In
Ländern wie Großbritannien ist dagegen längst Chancengleichheit
hergestellt.

Islamic Finance – ein System mit eigenen Regeln

Islamic Finance funktioniert nach Regeln, die für Bankmanager aus
westlichen Finanzsystemen zunächst nur schwer verständlich sind. Die
Haupthürde: Der Islam verbietet Geldzinsen. Damit entfallen Produkte
wie Sparkonten und Termingelder ebenso wie zinstragende Kredite. Die
Problematik liegt auf der Hand: So darf etwa ein muslimischer Kunde
für die Finanzierung eines Hausbaus oder den Kauf einer
Eigentumswohnung keinen Kredit aufnehmen. Bei Kapitalanlagen, etwa
bei Aktien oder Fonds, ist darüber hinaus das Investieren in Branchen
wie Alkohol- und Tabakindustrie aber auch Banken und Versicherungen
nicht zulässig. Entsprechen die Finanzprodukte diesen Vorgaben,
müssen sie zudem noch von einem Shari´ah Board, einer Art
Aufsichtsgremium aus islamischen Geistlichen, zertifiziert werden.
Mittlerweile existieren in der Praxis eine Reihe erprobter,
islamkonformer Lösungsmodelle, etwa eine Finanzierung über das so
genannte “Murabahah-Modell”. Dabei kauft die Bank die gewünschte
Immobilie im Auftrag des Kunden und verkauft sie ihm mit einem
entsprechenden Aufpreis gegen Ratenzahlung. Auf diese Weise entstehen
keine Kreditzinsen.

Islamic Finance stellt an Banken und Versicherungen, die dieses
Segment erschließen möchten, eine Reihe spezifischer Anforderungen.
Sie müssen unter anderem ein Shari´ah Board aufbauen und dies
frühzeitig in die Produktentwicklung einbinden. Außerdem ist es
notwendig, Vertriebspersonal für die spezifischen Anforderungen des
Islamic Finance auszubilden und zu trainieren. Denn: Muslimische
Kunden, die islamkonforme Produkte nachfragen, möchten nicht nur
finanzielle Eckdaten kennen, sondern den Aufbau eines Produktes
transparent nachvollziehen können.

Banken, die diese Hausaufgaben erledigen, haben gute Perspektiven.
In Großbritannien können Muslime bereits seit einigen Jahren
Geldgeschäfte religiös korrekt abwickeln. So bietet die Islamic Bank
of Britain seit 2004 eine breite Produktpalette an. Gegenüber dem
Vorjahr konnte sie 2007 ihre Kundenzahl um 40% steigern und
verwaltete ein Vermögen von 135 Millionen Pfund (+60% ggü. 2006). Und
sie ist längst nicht mehr Monopolist. Alleine vier Neugründungen von
vollständig islamischen Banken zeigen, dass das Zeitfenster, an
diesem attraktiven Markt teilzuhaben, für zögerliche Banken bald eng
werden könnte. Erfahrene Finanzinstitute aus dem arabischen Raum
signalisieren bereits Interesse, muslimische Kundenkreise in Europa
vor Ort zu erschließen. Der Wettbewerb wird also deutlich zunehmen,
sind sich die Experten von Booz & Company sicher.

Über Booz & Company:

Booz & Company ist mit 3300 Mitarbeitern in 57 Büros auf allen
Kontinenten eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Zu den
Klienten gehören erfolgreiche Unternehmen sowie Regierungen und
Organisationen. Unser Gründer Edwin Booz formulierte bereits 1914 die
Grundlagen der Unternehmensberatung. Heute arbeiten wir weltweit eng
mit unseren Klienten zusammen, um die Herausforderungen globaler
Märkte zu meistern und nachhaltiges Wachstum zu schaffen. Dazu
kombinieren wir einzigartiges Marktwissen sowie tiefe funktionale
Expertise mit einem praxisnahen Ansatz. Unser einziges Ziel: unseren
Klienten jederzeit den entscheidenden Vorteil zu schaffen. Daher
lautet unser Mission Statement: Essential Advantage. Informationen zu
unserem Management Magazin strategy+business finden Sie unter:
www.strategy-business.com .

Originaltext: Booz & Company
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/44015
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_44015.rss2

Rückfragen und weitere Informationen:

Robert Ardelt
Manager Marketing & Communications
Tel.: 089 / 54 52 5 529 oder 0170 / 22 38 529
Fax: 089 / 54 52 5 602
Email: Robert.Ardelt@booz.com
Internet: www.booz.com/de


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