20:31 | 07.04.2009
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Börsen-Zeitung: Grube muss Zähne zeigen, Kommentar von Ulli Gericke
zum ersten öffentlichen Auftritt des desgnierten Bahn-Chefs Rüdiger
Grube
Frankfurt (ots) – Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt zeigte
Rüdiger Grube Zähne. Der designierte Bahn-Chef weigert sich, das von
den Bahn-Gewerkschaften ausgearbeitete Memorandum, das den
integrierten Konzern aus Schienennetz und Bahnbetrieb fixieren
wollte, zu unterschreiben. Trotz grundsätzlicher Einigkeit mit den
Gewerkschaftszielen – “für mich gilt das gesprochene Wort”. Er nehme
das Memorandum “zur Kenntnis”, stehe inhaltlich dazu und brauche
deshalb keinen Vertrag.
Zugegeben, wenn ein neuer Bahn-Chef die Vorgaben des Eigentümers
Bund bekräftigt, aber das gleich lautende Memorandum der Gewerkschaft
nicht explizit absegnen will, zeigt er damit weniger Zähne als
Milchzähnchen. Doch die Episode zeigt, wie die Dinge im größten
Bundesunternehmen derzeit stehen. Ein zuständiger Minister, der
nachträglich noch einmal betonen muss, er sei es gewesen, der den
Namen Grube in die Runde bei Kanzlerin Angela Merkel geworfen habe.
Gewerkschaften, die den Eindruck erwecken, sie bestimmten, wer an die
Spitze des Staatskonzerns rücken darf, und deshalb den designierten
Mann zum Rapport bestellen. Und das nur Tage nach dem Entzug des
Vertrauens für Grubes Vorgänger – womit die Gewerkschaften Hartmut
Mehdorn zum Rücktritt zwangen.
Diese Gewichtsverlagerung von der Eigentümer- zur
Gewerkschaftsseite widerspricht nicht nur den
Corporate-Governance-Grundsätzen. Sie ist auch für den neuen
Bahn-Chef Grube brandgefährlich. Weil er erpressbar wird und zum
Spielball der Arbeitnehmervertreter. Kein Zweifel, ein gutes
Auskommen mit den Mitarbeitern und deren Gewerkschaftsvertretern ist
ein Pfund, mit dem die Bahn wuchern kann – wenngleich der anhaltende
Konflikt zwischen Mehrheits- und Spartengewerkschaft eher das
Gegenteil vermuten lässt. Doch die Unternehmensziele werden nicht bei
den Lokführern der GDL oder der großen Transnet erkoren, sondern beim
Eigentümer und dem Vorstand. Wenn der Bund nun im Vorwahlkampf
gelähmt ist, muss der neue Mann an der Spitze umso zielstrebiger
agieren. Ein reines Weiter-so des Kurses seines “großen Vorbilds”
Mehdorn wird angesichts massiv rückläufiger Auftragseingänge im
Güterverkehr und wegbrechender Marktanteile im Regionalverkehr nicht
reichen. Grube muss jetzt Zähne zeigen, nicht nur gegenüber den
Gewerkschaften.
(Börsen-Zeitung, 8.4.2009)
Originaltext: Börsen-Zeitung
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