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Kein Merger ohne Führungszeugnis? / Deloitte-Befragung zeigt: Relevanz
von Integrity Due Diligence seitens Investoren erkannt – aber noch
nicht Standard
Düsseldorf/München (ots) – Die Integrity Due Diligence gewinnt bei
Mergers & Acquisitions zunehmend an Bedeutung – aber ein
entsprechender Standard hat sich bei der Investorenmehrheit noch
nicht etabliert. Knapp ein Drittel konstatieren in den letzten fünf
Jahren eine Steigerung von rechtlichen Auseinandersetzungen nach
M&As und knapp drei Viertel sind der Meinung, dass diese weiter
zunehmen werden – insbesondere aufgrund der aktuellen
Wirtschaftslage. Eine Integrity Due Diligence wird bisher im Vorfeld
der Investition von weniger als zehn Prozent durchgeführt. Fast die
Hälfte der Investoren verlässt sich derzeit auf reaktive
Untersuchungen bei begründetem Verdacht, ein Fünftel hat sich dieses
Instruments noch nie bedient. Für den Private Equity Survey mit dem
Meinungsbild zu Post-Merger-Dispute befragte Deloitte rund 100 in-
und ausländische Private-Equity-Experten, Investmentbanker und
M&A-Spezialisten.
“In Zeiten medienwirksam aufbereiteter Korruptions- und
Bilanzfälschungsskandale ist Wirtschaftskriminalität ein viel
beachtetes Thema. Weniger offensichtlich, aber nicht minder relevant
für einen Investor ist bei M&A-Transaktionen das Risiko eines
‘Einkaufs’ von dolosen oder korrupten Strukturen in übernommenen
Unternehmen. Eine sorgfältige Prüfung der Integrität sämtlicher
wesentlicher Protagonisten beim Zielunternehmen ist durchaus
empfehlenswert – und zwar vor einer Investition”, erklärt Karsten
Hollasch, Partner Transaction Services bei Deloitte.
Vorbeugen statt heilen
Oft können entstandene Schäden durch Wirtschaftskriminalität nach
einer Fusion oder Übernahme nur noch ressourcenaufwändig behoben
werden – mithilfe einer prophylaktischen Integrity Due Diligence kann
dies verhindert werden. Dazu gehören Hintergrundrecherchen über
Mitarbeiter und Gesellschafter, Kunden und Lieferanten, den Vertrieb
und externe Berater sowie die Analyse der Verbindungen zu Lobbys,
Verbänden und Politikern. Auch Kundenstruktur, Vergütungssysteme,
Spesenkultur und interne Kontrollmechanismen müssen auf den
Prüfstand.
Ermittlungen nur im Verdachtsfall
Da es sich um eine vergleichsweise neue Ausprägung der
obligatorischen Chancen-Risiken-Analyse handelt, ist die Integrity
Due Diligence noch nicht fest im Kanon der Pre-Merger-Aktivitäten
etabliert. Nur neun Prozent der Befragten führen diese Analyse
vollständig und regelmäßig bei jeder Transaktion durch. In
unregelmäßigen Abständen tun das immerhin 27 Prozent, während ein
Fünftel generell darauf verzichtet. Der mit 44 Prozent größte Teil
der befragten Private-Equity-Experten entscheidet sich nur bei
begründetem Verdacht zu einer solchen Maßnahme.
Kriminalität spielt eher geringe Rolle
Grundsätzlich soll eine Integrity Due Diligence das Risiko von
verdeckten kriminellen Handlungen oder sonstigen unethischen
Missständen im Übernahmeobjekt mindern. Von einer generell hohen
Wahrscheinlichkeit echter Kriminalität gehen jedoch nur sieben
Prozent der Befragten aus. Für 46 Prozent hängt dies vorwiegend vom
Land (Entwicklungs- und Schwellenländer) sowie der Branche
(Anlagenbau, Entsorgung, Energie und Baubranche) ab. Tatsächlich
zeigen die Fälle nachträglicher rechtlicher Auseinandersetzungen,
dass es sich zumeist um Haftungs- und Gewährleistungsstreitigkeiten
handelt, ferner um Informationszurückhaltung sowie Höhe des
Kaufpreises und Qualität des Business-Plans. Strafrechtlich relevante
Tatbestände sind nur in neun Prozent der Fälle Grund der
Auseinandersetzungen. Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen
Finanz- und Wirtschaftskrise erwartet die Mehrheit der Befragten,
dass die Anzahl von rechtlichen Auseinandersetzungen im Nachgang zu
Unternehmenstransaktionen zukünftig steigen wird.
Recherchen zumeist über Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten
Diejenigen Investoren, die eine Integrity Due Diligence durchführen,
lassen dies zumeist von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (42
Prozent) oder einer Anwaltskanzlei (35 Prozent) erledigen. Detekteien
und vergleichbare Anbieter werden nur von sechs Prozent mit dieser
Aufgabe betraut. Am häufigsten lassen Investoren dabei über wichtige
Mitarbeiter sowie über strategische Kunden und Lieferanten
recherchieren – mehrheitlich aber erst dann, wenn ein konkreter
Zweifel an deren Integrität besteht. 17 bzw. 12 Prozent lassen solche
Recherchen bei jeder Transaktion grundsätzlich durchführen, 22
Prozent nur bei bestimmten Stakeholdern. Eine noch untergeordnete
Rolle spielen Hintergrundrecherchen zu externen Vertriebsbeauftragten
oder Business Consultants, obwohl gerade diese Stakeholder im
internationalen Geschäftsverkehr ein hohes Risiko darstellen, als
Vehikel für Schmiergeldzahlungen zu dienen.
Derzeit befindet sich die Integrity Due Diligence somit in einer
Art Zwischenstadium. Die Möglichkeit und die Sinnhaftigkeit einer
ethischen Integritätsprüfung sind den Investoren durchaus bewusst,
als feste vierte Säule neben der Legal, Financial und Tax Due
Diligence hat sie sich jedoch noch nicht etabliert. Nach Ansicht der
Hälfte der befragten M&A-Experten wird deren Bedeutung zukünftig
jedoch steigen. “Diese Einschätzung deckt sich in der Tat mit unseren
Erwartungen, zumal weltweit die gesetzlichen Maßnahmen zur Bekämpfung
von Wirtschaftskriminalität – insbesondere von Korruption – zunehmen
und damit einhergehend auch die Sanktionen gegen betroffene
Unternehmen härter werden”, resümiert Klaus Fischer, Partner und
Leiter Forensic & Dispute Services bei Deloitte.
Die vollständige Studie finden Sie unter
http://www.deloitte.com/dtt/research/0,1015,cid%253D245601,00.html
zum Download.
Ende
Über Deloitte
Deloitte erbringt Dienstleistungen aus den Bereichen
Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance
für Unternehmen und Institutionen aus allen Wirtschaftszweigen. Mit
einem Netzwerk von Mitgliedsgesellschaften in 140 Ländern verbindet
Deloitte erstklassige Leistungen mit umfassender regionaler
Marktkompetenz und verhilft so Kunden in aller Welt zum Erfolg. “To
be the Standard of Excellence” – für die 165.000 Mitarbeiter von
Deloitte ist dies gemeinsame Vision und individueller Anspruch
zugleich.
Die Mitarbeiter von Deloitte haben sich einer Unternehmenskultur
verpflichtet, die auf vier Grundwerten basiert: erstklassige
Leistung, gegenseitige Unterstützung, absolute Integrität und
kreatives Zusammenwirken. Sie arbeiten in einem Umfeld, das
herausfordernde Aufgaben und umfassende Entwicklungsmöglichkeiten
bietet und in dem jeder Mitarbeiter aktiv und verantwortungsvoll dazu
beiträgt, dem Vertrauen von Kunden und Öffentlichkeit gerecht zu
werden.