13:46 | 15.09.2008
ROUNDUP 2: BASF legt milliardenschwere Offerte für Schweizer Ciba vor
LUDWIGSHAFEN/ZÜRICH (dpa-AFX) – Der Chemiekonzern BASF hat für den
Schweizer Konkurrenten Ciba eine milliardenschwere Offerte vorgelegt.
Die Ludwigshafener wollen Ciba für insgesamt 6,1 Milliarden Franken oder 3,8
Milliarden Euro in bar übernehmen. Das sei das beste, aber auch letzte Angebot
der BASF für Ciba, sagte BASF-Chef Jürgen Hambrecht am Montag während einer
Telefonkonferenz mit Analysten. Im Kaufpreis sind Ciba-Schulden von 2,2
Milliarden Franken enthalten.
Der Ciba-Verwaltungsrat und die Konzernleitung unterstützen die
BASF-Offerte. “Diese Transaktion basiert auf einem fairen Preis für unsere
Aktionäre, offeriert von einem bevorzugten Eigentümer, um die zunehmenden
Herausforderungen unserer Industrie zu bewältigen”, sagte
Ciba-Verwaltungsratspräsident Armin Meyer. Pro Aktie bietet BASF 50 Schweizer
Franken, was einem Zuschlag von knapp einem Drittel gegenüber dem Schlusskurs
vom vergangenen Freitag darstellt.
AKTIE GIBT IN SCHWACHEM UMFELD NACH
Für BASF wäre die Ciba-Übernahme nach der Akquisition des
US-Katalysatoren-Herstellers Engelhard in 2006 die größte Übernahme in ihrer
Firmengeschichte. Auch damals legte die im DAX notierte Gesellschaft rund 3,8
Milliarden Euro hin. Börsianer bewerteten jedoch das Gebot für Ciba als zu hoch
und schickten die BASF-Aktien auf Talfahrt. BASF-Papiere verloren bis zum Mittag
in einem sehr schwachen Gesamtmarkt 3,76 Prozent auf 36,39 Euro.
UniCredit-Analyst Andreas Heine kalkuliert für Ciba alleine mit einem fairen
Wert von 32 Franken. Die Offerte erscheine demnach ziemlich hoch und lasse sich
nur durch große Synergien rechtfertigen.
AUSBAU DES SPEZIALCHEMIEGESCHÄFTS
Mit einer Übernahme von Ciba würde BASF sein Spezialchemiegeschäft weiter
ausbauen und sich damit von der Konjunktur unabhängiger machen. So würde BASF
mit Ciba bei den Kunststoff-Additiven und bei Papierchemikalien zur Nummer Eins
aufsteigen, sagte Hambrecht. Auch beim Geschäft mit Lackzusätzen könnten sich
die Ludwigshafener auf Platz zwei verbessern. Zur Zeit rangiert BASF nach
eigenen Angaben auf Platz vier bei allen drei Geschäften. Die Ludwigshafener
sind der größte Chemiekonzern der Welt und bieten Lacke über Dämmstoffe bis hin
zu Düngemitteln an. Die Gewinne kamen jüngst aber vor allem aus dem Öl- und
Gasgeschäft.
Für Ciba hingegen wäre BASF ein Rettungsanker. Das Schweizer Unternehmen
steckt seit Jahren schon wegen verfehlter Einkaufstouren und den hohen
Rohstoffkosten in der Krise. Mitte August schockte das Unternehmen die Börse mit
einer Abschreibung von rund 600 Millionen Franken und erwog, ein Drittel der
Firma verkaufen zu wollen. Bis Ende 2009 will der Konzern 2.500 Stellen abgebaut
haben. BASF-Chef Hambrecht kündigte an, die Restrukturierung bei Ciba im
Geschäft mit Papierchemikalien weiter voranbringen zu wollen. Dadurch würden die
Ciba-Aktivitäten gestärkt und erhielten eine langfristige Perspektive. Zu
Stellenabbau, Restrukturierungskosten und Werksschließungen wollte er aber
nichts sagen. BASF befinde sich erst am Anfang der Übernahme, erklärte er. Der
Standort Basel soll aber auch künftig ein wichtiger Standort für Teile des
kombinierten Geschäfts sein.
ABSCHLUSS IM ERSTEN QUARTAL 2009 ERWARTET
Das Übernahmeangebot soll am 1. Oktober starten und bis zu 30 Tage lang
laufen. BASF will die Transaktion spätestens im ersten Quartal kommenden Jahres
unter Dach und Fach haben. “Wir erwarten, dass sie im zweiten Jahr positiv zum
Ergebnis pro Aktie beitragen wird”, sagte Hambrecht. Die Ciba-Übernahme will
BASF ohne den Verkauf seines Anteils an dem Düngemittelhersteller K+S
finanzieren. BASF hält derzeit gut 10 Prozent an dem Unternehmen aus Kassel.
Ciba kam den Angaben zufolge im vergangenen Jahr mit 13.000 Mitarbeitern auf
einen Umsatz von vier Milliarden Euro. BASF setzte 57,9 Milliarden Euro um und
beschäftigte zuletzt 95.000 Menschen./ne/das/tw
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