AGENTURMELDUNGEN

13:34 | 02.11.2011
ROUNDUP 2: Berggruen wirbt um Metro-Tochter Kaufhof – Angebot vorgelegt

DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Die Metro-Tochter Galeria Kaufhof ist ins
Visier von Karstadt-Eigentümer Nicolas Bergruen geraten. Am Mittwoch bestätigte
der größte deutsche Handelskonzern, dass der Unternehmer ein Angebot vorgelegt
habe. Mit einem möglichen Zusammenschluss der Konkurrenten Karstadt und Kaufhof
käme die Bildung einer “Deutschen Warenhaus AG” erneut auf die Tagesordnung.
Ziel sei es, Kaufhof und Karstadt unter einem Dach zu vereinen, erfuhr die
Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen.

Ein Berggruen-Sprecher wollte sich zu einem möglichen Angebot für Galeria
Kaufhof nicht äußern. Er sagte am Mittwoch auf Anfrage, Berggruen habe das
Investment bei Karstadt immer als langfristig angesehen. “Wir glauben an das
Geschäftsmodell Warenhaus.” Berggruen hatte die insolvente Kette mit insgesamt
115 Häusern in Deutschland 2010 nach einer monatelangen Zitterpartie übernommen.
Der Kaufhof ist an knapp 140 Standorten vertreten.

VERDI SKEPTISCH GEGENÜBER DEUTSCHEN WARENHAUS AG

Ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi äußerte sich dagegen
kritisch zu diesen Überlegungen: “Unsere Skepsis gegenüber einer deutschen
Warenhaus AG ist seit langem bekannt”, sagte ein Sprecher und wies auf mögliche
Auswirkungen eines solchen Plans auf die Arbeitsplätze hin.

Interessiert an einer Übernahme des Kaufhof ist neben Berggruen angeblich
auch die österreichische Immobilienfirma Signa. Nach einem Bericht des
“Handelsblatts” will das Unternehmen, hinter dem der griechische Reeder und
Milliardär George Economou steht, mindestens 2,4 Milliarden Euro, einschließlich
der Immobilien für die Warenhäuser auf den Tisch legen.

Der Aufsichtsrat der Metro wollte am Nachmittag in Düsseldorf
zusammenkommen. Nach Angaben von Verdi gab es für die Sitzung des
Kontrollgremiums aber keine Vorlagen zum Thema Verkauf. Die Gewerkschaft ist auf
Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat vertreten. Am Donnerstag legt der scheidende
Konzernchef Eckhard Cordes die Geschäftszahlen für die ersten neun Monate vor.

OFFERTE FÜR IMMOBILIEN UND OPERATIVES GESCHÄFT

Wie es Metro-Unternehmenskreisen weiter hieß, habe Berggruen für das
operative Geschäft von Galeria Kaufhof alleine und für die Immobilien mit
anderen Investoren Offerten abgegeben. Jeder zweite Standort des Warenhauses,
das seit 1986 mehrheitlich zum Metro-Konzern gehört, befindet sich im eigenen
Besitz. Mit einer Trennung von Immobilien und operativem Geschäft sei Metro
immer sehr vorsichtig gewesen und es sei fraglich, ob sie sinnvoll sei, hieß es
weiter.

Die Metro hatte Kaufhof 2008 offiziell auf die Verkaufsliste gesetzt, weil
sich das Warenhausgeschäft nicht so leicht auf das Ausland übertragen lässt. Mit
seinen anderen Töchtern Cash & Carry, Media-Saturn oder Real, ist der
Handelskonzern hingegen stark im Ausland unterwegs und erwirtschaftet so
inzwischen mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes außerhalb Deutschlands. Das
Warenhaus-Geschäft hat zudem den Nachteil, dass es viel Kapital bindet.

Cordes steht seit einigen Wochen zudem enorm unter Druck: Nachdem monatelang
öffentlich über seine Zukunft im Konzern spekuliert worden war, hatte der
60-Jährige Manager vor wenigen Wochen verkündet, dass er für eine Verlängerung
seines noch bis Ende Oktober 2012 laufenden Vertrages nicht mehr zur Verfügung
steht. Seitdem wird nach einem Nachfolger gesucht. Cordes wird unter anderem
angelastet, mit dem geplanten Verkauf von Galeria Kaufhof nicht vorangekommen zu
sein./ls/she


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