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10:33 | 06.05.2010
ROUNDUP 2: Commerzbank nach zwei Jahren wieder mit Gewinn

(neu: Aussagen aus Analystenkonferenz, Analystenstimmen)

FRANKFURT (dpa-AFX) – Rege Geschäftskunden und die Erholung der Märkte haben
die Commerzbank nach zwei Jahren wieder in die Gewinnzone
zurückgetragen. Mit den am Donnerstag vorgelegten Zahlen für das erste Quartal
2010 übertraf der vom Staat gestützte Dax-Konzern die positiven
Erwartungen von Analysten sogar noch. Doch das Management dämpfte den Optimismus
für das Gesamtjahr: Noch ist die Mammutaufgabe, die Dresdner Bank zu
integrieren, nicht endgültig gestemmt. Noch ist der Markt voller Risiken – siehe
Griechenland.

Die Aktie legte am Vormittag deutlich zu und stieg zuletzt mehr als drei
Prozent auf knapp sechs Euro. Analyst Chintan Joshi von Nomura sprach von
“starken Zahlen”. Die jüngste Entwicklung habe gezeigt, dass die Ergebnisse
sehr volatil sein können. Eine Schwalbe mache noch keinen Sommer, schränkte auch
Equinet-Analyst Philipp Häßler ein.

Im kriselnden Griechenland ist die Bank mit 3,1 Milliarden Euro investiert.
Das ist allerdings nur ein Bruchteil des 26,5 Milliarden Euro schweren
Staatsfinanzierungsportfolios der Commerzbank in den so genannten PIIGS-Staaten
(Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien), die gigantische
Schuldenberge aufgehäuft haben. Allein in Italien sind es 10,7 Milliarden Euro,
in Spanien 9,8 Milliarden, in Portugal 1,9 Milliarden, in Irland 1,0 Milliarden.
Schuldner im Staatsfinanzierungsgeschäft sind Staaten, Bundesländer, Städte und
Gemeinden, aber zum Teil auch Banken.

‘UMFELD FRAGIL’

Das Umfeld sei weiter fragil, Rückschläge nicht auszuschließen. Das zeige
nicht zuletzt die aktuelle Krise in Griechenland. “Wir sind noch nicht am Ziel”,
räumte Vorstandschef Martin Blessing in einer Mitteilung ein. Doch das Ergebnis
zeige, dass das Institut auf dem richtigen Weg sei. Im Gesamtjahr 2010 erwartet
das Management nach wie vor nur Gewinn, wenn Konjunktur und Finanzmärkte
mitspielen. Spätestens 2011 will die Commerzbank in einem Gesamtjahr im Konzern
wieder Gewinn machen.

In den ersten drei Monaten – traditionell das stärkste Vierteljahr für
Banken – belief sich das Vorsteuerergebnis auf plus 771 (Vorjahresquartal: minus
884) Millionen Euro. Unter dem Strich standen 708 (minus 864) Millionen Euro.
Das letzte positive Quartal vor Steuern war nach pro-forma-Zahlen inklusive
Dresdner Bank das erste Quartal 2008 (plus 446 Mio Euro), den letzten Gewinn
nach Steuern auf Quartalsbasis verbuchte der Konzern von April bis Ende Juni
2008 (190 Mio Euro).

FIRMENKUNDEN UND INVESTMENTBANKING

Dazu beigetragen habe ein sehr starkes Firmenkundengeschäft und ein sehr
gutes Ergebnis im Investmentbanking, das Privatkundengeschäft sei solide
gelaufen, sagte Finanzvorstand Eric Strutz. “Insgesamt ist das erste Quartal
2010 besser gelaufen als ursprünglich angenommen”, stellte Strutz fest, warnte
aber zugleich: “Man kann ein gutes erstes Quartal nicht auf das Gesamtjahr
hochrechnen.” Zur Entwicklung in Gesamtjahr will der Finanzvorstand sich erst
bei den Halbjahreszahlen im August wieder äußern.

Die Kernsegmente Privatkunden, Mittelstandsbank, Osteuropageschäft und
Investmentbanking lieferten operativ positive Ergebnisse ab. Eine niedrigere
Risikovorsorge und ein positives Handelsergebnis trugen zu der positiven
Entwicklung bei. Der Provisionsüberschuss stieg um 16 Prozent auf 983 Millionen
Euro. Als wesentlicher Grund dafür nannte die Bank “zunehmende
Wertpapieraktivitäten der Commerzbank-Kunden”, wovon auch das Handelsergebnis
profitierte, das binnen Jahresfrist von minus 527 Millionen Euro auf plus 850
Millionen Euro schnellte. Auch der April sei ein “guter Monat” für das
Handelsgeschäft gewesen, sagte Strutz.

SCHIFFE UND IMMOBILIEN MACHEN WEITER PROBLEME

Probleme macht der Commerzbank weiterhin die Schiffsfinanzierung und das
gewerbliche Immobiliengeschäft, vor allem in den USA. In diesen Bereichen blieb
die Bank in der Verlustzone. Für faule Kredite wurden insgesamt 644
(Vorjahresquartal: 844) Millionen Euro zurückgelegt. Der Rückgang spiegele aber
die “verbesserte wirtschaftliche Situation vieler Commerzbank-Kunden”, erklärte
das Institut.

Außerdem gingen die Belastungen aus der Dresdner-Integration deutlich
zurück. Strutz rechnet vor, die Kostenersparnis aus der Fusion werde bis Ende
dieses Jahres mit gut 1,1 Milliarden Euro leicht über Plan liegen. Mit der
Eigenkapitalausstattung fühle sich die Commerzbank weiterhin wohl, sagte Strutz.
Analysten wollten wissen, ob es bereits Pläne gebe, wenn die neuen
Eigenkapitalregeln kein Hybridkapital mehr einbeziehen dürfen. Ende März belief
sich die Kernkapitalquote (Tier 1) auf 10,8 Prozent./gr/ben/zb
— Von Annika Graf, dpa-AFX und Jörn Bender, dpa —


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