11:44 | 23.02.2010
ROUNDUP 2: Dresdner lastet schwer auf Commerzbank – 2009 Milliardenverlust
(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, Marktreaktion)
FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Commerzbank hat den Kauf der Dresdner
Bank noch nicht verkraftet und ist 2009 tiefer in die roten Zahlen gestürzt als
erwartet. Unter dem Strich häufte Deutschlands zweitgrößte Bank 4,5 Milliarden
Euro Verlust an, wie das Institut am Dienstag überraschend mitteilte. Für das
laufende Jahr ist der vom Staat gestützte Dax-Konzern trotz eines guten Starts
eher vorsichtig. “Auch für 2010 ist ein Verlust durchaus realistisch”, sagte
Finanzvorstand Eric Strutz in einer Telefonkonferenz. An der Börse sackte die
Aktie am Mittag um 4,76 Prozent auf 5,743 Euro ab. Der Verlust war weitaus höher
ausgefallen als von Analysten erwartet.
“2009 war für uns auch ein Jahr, wo wir eine ganze Menge verarbeitet haben,
verarbeiten mussten, der Start in 2010 stimmt uns aber optimistisch”, sagte
Strutz. Nach seinen Angaben verdiente die Bank im Januar 2010 vor allem in ihren
Kerngeschäftsfeldern operativ insgesamt 300 Millionen Euro. Unter anderem das
Geschäft mit Firmen- und Privatkunden sei gut gelaufen. “Von einem guten
Monatsergebnis kann man nicht auf das ganze Jahr schließen.” Strutz bekräftigte:
“Aber spätestens 2011 werden wir wieder Gewinne erzielen.”
DRESDNER LASTET SCHWER
In dem Milliardenverlust des Jahres 2009 sind nach Angaben der Bank 1,9
Milliarden Euro Aufwendungen für die Integration der Ende August 2008 gekauften
Dresdner Bank sowie Abschreibungen auf die Immobilientochter Eurohypo enthalten.
Auf Basis von Pro-Forma-Zahlen inklusive der Dresdner betrug der Verlust im
Vorjahr 6,5 Milliarden Euro. Ohne Dresdner Bank war der Commerzbank 2008 unter
dem Strich gerade noch ein Mini-Gewinn von drei Millionen Euro geblieben – dank
eines Steuereffekts und gestrichener Boni für die Belegschaft.
Im vierten Quartal 2009 drückten Bewertungsanpassungen bei durch
Anleiheversicherer (Monolinern) versicherten Papieren auf das Handelsergebnis.
Hinzu kamen Abschreibungen unter anderem auf forderungsbesicherte Wertpapiere
(ABS). Von Oktober bis Ende Dezember türmten sich unterm Strich 1,9 Milliarden
Euro Verlust auf.
COMMERZBANK-CHEF UNZUFRIEDEN
Commerzbank-Chef Blessing bezeichnete das Ergebnis in einer Mitteilung als
unbefriedigend. Die Krise sei “noch nicht vorüber, auch wenn das Jahr 2010
operativ erfreulich angelaufen ist”. Für dieses Jahr stellte Blessing für den
Konzern nur dann schwarze Zahlen in Aussicht, wenn “die Entwicklung der
Konjunktur und der Finanzmärkte in 2010 sehr positiv verlaufen”.
Das Management geht zumindest davon aus, dass in diesem Jahr die Kernbank
mit Privatkundengeschäft, Mittelstandsbank, Osteuropageschäft und
Investmentbanking insgesamt einen operativen Gewinn erwirtschaften wird. Schon
2009 waren die Segmente Mittelstand und Privatkunden trotz des schwierigen
Umfelds profitabel – auch wenn die Ergebnisse deutlich unter dem Vorjahr lagen.
Problembereiche blieben etwa die Schiffsfinanzierung und der Markt für
Gewerbeimmobilien in den USA. Von der aktuellen Schuldenkrise Griechenlands
könnte die Commerzbank über ein Portfolio von 3,1 Milliarden Euro – überwiegend
griechische Staatsanleihen – bei ihrer Tochter Eurohypo betroffen sein. Für
faule Kredite legte die Bank im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden Euro zurück. Für
2010 ist eine Verringerung der Risikovorsorge auf 3,8 Milliarden Euro
angestrebt.
SYNERGIEN VON 1 MRD EUR ERWARTET
Bereits im laufenden Jahr will die Commerzbank Kostensynergien von einer
Milliarde Euro aus der Dresdner-Übernahme heben, 2009 waren es 661 Millionen
Euro. Gleichzeitig fielen im vergangenen Jahr Integrationskosten von 316
Millionen Euro an, in diesem Jahr wird mit weiteren 300 Millionen Euro
kalkuliert. Der mit Milliarden vom Staat gestützte Konzern wies Ende 2009 eine
Kernkapitalquote von 10,5 Prozent aus. Zur Rückzahlung der Staatshilfe sagte
Strutz: “Wir haben gesagt, dass wir spätestens 2012 mit der Rückzahlung
beginnen, da bleiben wir auch dabei. Was nicht ausschließt, dass wir 2011 damit
beginnen.” Die kleinere Aareal Bank hatte am Morgen die teilweise
Rückzahlung ihrer Staatshilfen bis spätestens Anfang 2011 angekündigt./jb/gr/tw
|