AGENTURMELDUNGEN

14:48 | 08.08.2012
ROUNDUP 2: Düstere Prognose für Griechenland – S&P senkt Ausblick

LONDON/ATHEN (dpa-AFX) – Das pleitebedrohte Griechenland muss eine neue
Hiobsbotschaft wegstecken. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat dem
krisengeschüttelten Euroland eine weitere Herabstufung der bereits extrem
niedrigen Kreditwürdigkeit angedroht. Der Ausblick wurde auf “negativ” gesetzt,
die aktuelle Einstufung bleibt bei “CCC”. Bereits mit dieser Bewertung gelten
Anleihen aus Griechenland als hochspekulativ. Die aktuelle Note liegt nur vier
Stufen über einem Kreditausfall (“D”).

Auch bei den beiden anderen großen Ratingagenturen steht das Land schlecht
da: Bei Fitch hat Griechenland ebenfalls die Note “CCC”, bei Moody’s sogar nur
noch “C”.

GRIECHENLAND DÜRFTE WEITERE MITTEL BRAUCHEN

Die Bonitätswächter von S&P gehen davon aus, dass Griechenland über die
bisher vorgesehenen Mittel hinaus Hilfe aus dem Programm von EU und
Internationalem Währungsfonds (IWF) brauchen wird. Dafür seien die Verzögerungen
bei den Sparprogrammen verantwortlich. Hinzu komme ein sich weiter
verschlechternder wirtschaftlicher Ausblick, teilte die Ratingagentur am
Dienstagabend in London mit.

S&P erwartet in den Jahren 2012 bis 2013 ein Schrumpfen des
Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Griechenland um 10 bis 11 Prozent. Das Programm
von IWF und EU geht lediglich von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von
vier bis fünf Prozent aus.

FINANZMINISTERIUM WILL NICHT KOMMENTIEREN

Der griechischen Regierung dürfte es laut S&P schwer fallen, weitere
Kürzungsmöglichkeiten zu finden, um die Voraussetzungen für die nächste
Auszahlung aus dem Programm zu sichern. Griechenland wird daher für das Jahr
2012 zusätzliche Mittel in Höhe von sieben Milliarden Euro benötigen, heißt es
in der Mitteilung. Der negative Ausblick reflektiere eine mögliche Herabstufung,
falls es Griechenland nicht gelingen sollte, die nächste Auszahlung aus dem
EU/IWF-Programm zu sichern.

Das griechische Finanzministerium wollte den Schritt der Bonitätswächter am
Mittwoch zunächst nicht kommentieren. “Wir setzten ungeachtet dieser Bewertung
unsere Arbeit konsequent fort”, sagte ein hoher Funktionär des
Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa.

SPARPROGRAMM VORAUSSETZUNG FÜR WEITERE FINANZSPRITZEN

In Athen wird derzeit intensiv nach Wegen gesucht, das neue Sparprogramm
unter Dach und Fach zu bringen. Auf die Eckpunkte hatte sich die griechische
Regierung zuletzt mit ihren internationalen Kreditgebern geeinigt. Der Plan
sieht vor, dass 2013 und 2014 gut 11,5 Milliarden Euro eingespart werden. Unter
anderem sollen abermals Renten drastisch gekürzt werden. Die Details sollen der
griechischen Bevölkerung Anfang September präsentiert werden.

Das Sparprogramm ist Voraussetzung für weitere Finanzspritzen für Athen.
Anfang September will die Troika aus Experten von EU, Europäischer Zentralbank
(EZB) und IWF wieder ins Land kommen. Diese sollen feststellen, inwieweit Athen
seine Sparbemühungen tatsächlich umsetzt. Mit seinen älteren Zusagen ist Athen
noch immer weit im Rückstand.

SCHULDENSTAND SOLL DEUTLICH GESENKT WERDEN

Im Gegenzug für internationale Hilfen hat sich das krisengeplagte Land
verpflichtet, die Staatsverschuldung innerhalb der nächsten acht Jahre auf 120
Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Derzeit beträgt die
Staatsverschuldung Griechenlands nach Zahlen der EU-Kommission 160 Prozent der
Wirtschaftsleistung, fast doppelt so viel wie in Deutschland. Die Länder mit der
Euro-Währung haben eigentlich ein Schuldenziel von maximal 60 Prozent der
Wirtschaftsleistung./jsl/tt/sba/


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