15:37 | 04.05.2011
ROUNDUP 2: Fresenius setzt sich höhere Ziele – Geschäft der Sparte Kabi brummt
(Neu: Aussagen des Managements aus der Telefonkonferenz, neuer Kurs, weitere
Details)
BAD HOMBURG (dpa-AFX) – Glänzende Geschäfte der Infusions- und
Generikasparte Kabi haben dem Medizinkonzern Fresenius auch im ersten
Quartal einen kräftigen Gewinnanstieg beschert. “Das überraschend starke erste
Quartal schließt sich nahtlos an das hervorragende Geschäftsjahr 2010 an”, sagte
Fresenius-Chef Ulf M. Schneider am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Im
laufenden Jahr sollen Umsatz und Gewinn stärker zulegen als zu Jahresbeginn
erwartet. Im ersten Quartal stieg das um Sondereffekte aus der Übernahme des
US-Generikaherstellers APP Pharmaceuticals bereinigte Konzernergebnis um 43
Prozent auf 170 Millionen Euro. Damit strotzt der Konzern nach dem Rekordjahr
2010 weiter vor Gesundheit.
Schneider begründete die Zuversicht auch mit den Aussichten für den
ebenfalls im Dax gelisteten Dialysespezialisten Fresenius Medical Care
(FMC) und der Entwicklung der Krankenhaussparte Helios. Während der
Ausblick für Helios konkretisiert wurde, hob Fresenius die Prognose für FMC und
den Konzern an. Die Bad Homburger hatten schon im Vorjahr ihre Prognose zweimal
nach oben geschraubt.
KABI VERBUCHT ZWEISTELLIGE WACHSTUMSRATEN
An der Börse kamen die Zahlen gut an: Die Fresenius-Aktien legten in einem
schwächeren Markt um 0,83 Prozent auf 71,56 Euro zu. Seit dem Jahrestief bei
rund 60 Euro hat das Papier mehr als 15 Prozent gewonnen. Analystin Silke
Stegemann von der UniCredit sprach von einem starken Start. “Die
Prognoseanhebung war zudem eine positive Überraschung.” Auch FMC-Titel waren
gefragt.
Die Infusions- und Generikasparte Kabi – zu der APP gehört – stach in den
ersten drei Monaten wegen mehr Produktzulassungen und Lieferengpässen bei
Konkurrenten mit zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn hervor. Der
milliardenschwere Zukauf von APP zahlt sich weiter aus. APP konkurriert vor
allem mit dem US-Wettbewerber Hospira und dem weltgrößten Generikahersteller
Teva Pharmaceutical . Kabi steuert rund ein Viertel zum
Konzernumsatz bei und konnte den Umsatz um ein Fünftel auf 960 Millionen Euro
steigern. Das operative Ergebnis (EBIT) legte um mehr als ein Drittel zu. Die
Entwicklung bei Kabi habe im ersten Quartal über den eigenen Erwartungen
gelegen, sagte Finanzvorstand Stephan Sturm. Er warnte allerdings davor, die
Wachstumsraten auf den Rest des Jahres fortzuschreiben.
FMC UND FRESENIUS ZUVERSICHTLICHER
Auch der Chef der größten Sparte Fresenius Medical Care zeigte sich
zuversichtlich, denn die US-Regierung lässt FMC überraschend mehr Geld in der
Kasse. Auf Basis des ersten Quartals und der ab April wegfallenden Gebühr im
neuen Pauschalvergütungssystem in den USA schraubte Ben Lipps die Erwartungen
hoch. 2011 rechnet der weltweit führende Anbieter von Produkten und
Dienstleistungen rund um die Nierenwäsche mit einem Umsatz von mehr als 13
Milliarden US-Dollar (8,8 Mrd Euro). Der Überschuss soll auf 1,070 bis 1,090
Milliarden Dollar steigen. FMC, an der Fresenius rund 35 Prozent hält, steuert
56 Prozent zum Konzernumsatz bei.
Das drittgrößte Standbein Helios verbuchte im Quartal bei einem
Umsatzwachstum von sieben Prozent ein operatives Ergebnisplus von zwölf Prozent.
Für den Betreiber von 63 Krankenhäusern werde 2011 ein Ergebnis vor Zinsen und
Steuern (EBIT) am oberen Ende von 250 bis 260 Millionen Euro erwartet. 2010
waren Übernahmemöglichkeiten im Krankenhausgeschäft Mangelware. 2011 sollte es
zu einer Belebung kommen. “Wir rechnen aber nicht mit einer Übernahmewelle”,
unterstrich Schneider.
BIS 2014 EINE MILLIARDE EURO ANGEPEILT
Wegen wegbrechender Steuereinnahmen sind Kommunen immer weniger in der Lage,
Defizite ihrer Krankenhäuser auszugleichen. 2015 soll Helios einen Umsatz von
3,5 Milliarden Euro erwirtschaften (2010: 2,52). Helios gehört neben dem im MDax
notierten Konkurrenten Rhön-Klinikum und Asklepios zu den
drei großen privaten Krankenhausbetreibern in Deutschland.
Schneider stimmte die Anleger auf weiteres Wachstum ein: Die Erlöse der
Fresenius SE & Co KGaA sollen 2011 währungsbereinigt um 7 bis 8 Prozent und das
um Sonder- und Währungseffekte bereinigte Konzernergebnis um 12 bis 16 Prozent
wachsen. Bisher sollte der Umsatz um mehr als sieben der Gewinn um acht bis
zwölf Prozent zulegen. 2014 will der Arbeitgeber von 140.111 Mitarbeitern ein
Konzernergebnis von mehr als einer Milliarde Euro erreichen. Im Auftaktquartal
stieg das operative Ergebnis (EBIT) des Konzerns um 15 Prozent auf 575 Millionen
Euro. Der Umsatz legte um neun Prozent auf vier Milliarden Euro zu./ep/stb/tw
— Von Elke Pfeifer, dpa-AFX —
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