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13:47 | 25.02.2009
ROUNDUP 2: Henkel will mit Kurzarbeit gegen Krise ansteuern – Kleber leiden

(neu: Kommentare)

DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Der Konsumgüterkonzern Henkel steuert
angesichts des Produktionsabschwungs der Industrie mit Kurzarbeit gegen. Henkel
will zwei Kleberwerke auf Kurzarbeit setzen. Die deutschen Fabriken, die Kleber
für die Autobranche produzieren, sollen im ersten und zweiten Quartal auf
Kurzarbeit gehen. Betroffen sind davon 500 Mitarbeiter. Derzeit laufen die
Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern. Zudem erwägt Henkel angesichts des
Nachfrageeinbruchs seitens der Industrie eventuell Kleber-Fabriken zeitweilig zu
schließen. Wichtig sei die Anpassung der Produktionskapazitäten an verringerte
Abnahmemengen, sagte Henkel-Chef Kasper Rorsted bei der Bilanzpressekonferenz am
Mittwoch. „Dazu zählt je nach Markterfordernissen die zeitweise Schließung
einzelner Klebstoff-Produktionsstätten und die Möglichkeit der Kurzarbeit.“

Hintergrund ist, dass Henkel in diesem Jahr mit einem schrumpfenden
Klebermarkt rechnet. Damit ist ausgerechnet die Sparte, die Henkel in den
vergangenen Jahren stark ausgebaut hat, in der Bredouille. Ziel der Düsseldorfer
ist es, besser als der Markt abzuschneiden. Ob sie Wachstum erreichen, konnten
sie noch nicht sagen.

AKTIE LEGT STARK ZU

An der Börse zählte die Henkel-Aktie am Nachmittag mit einem Plus von 7,5
Prozent auf 19,19 Euro zu den Tagesgewinnern, während der DAX um
lediglich 0,5 Prozent vorne lag. Händler zeigten sich positiv überrascht von den
Zahlen. “Zu verdanken ist das insbesondere dem starken EBIT”, sagte ein
Börsianer. Als positive Zugabe wertete er die unveränderte Dividende und die
über dem Marktwachstum erwartete organische Umsatzentwicklung.

Auch bei den Investitionen fährt Henkel zurück, und schraubt die für dieses
Jahr geplanten Ausgaben um mehr als 30 Prozent auf rund 300 Millionen Euro
zurück. Der Etat für Zukäufe wurde auf Null gesenkt. Dagegen erzielen die
Düsseldorfer mit der Integration der Klebermarken von National Starch mehr
Synergien als geplant. Die Einsparungen beliefen sich im vergangenen Jahr auf 33
Millionen Euro und lagen damit 13 Millionen Euro über dem Planziel. Henkel
peilt auch in diesem Jahr mehr Synergien mit National Starch an als bisher
geplant. Statt 100 Millionen Euro sollen 125 Millionen Euro an Synergien erzielt
werden, sagte Finanzvorstand Lothar Steinebach.

2008 DANK ECOLAB-VERKAUF UND NATIONAL STARCH-ZUKAUF OHNE EINBRUCH

Der Umsatz legte wegen der zugekauften Klebermarken um 8,1 Prozent auf 14,1
Milliarden Euro zu. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern vor Einmalkosten stieg um
9,1 Prozent auf 1,495 Milliarden Euro und erreichte damit das firmeneigene Ziel
eines Anstiegs um rund 10 Prozent, wie der Konzern am Mittwoch in Düsseldorf
mitteilte. Die Düsseldorfer halten an ihrer Dividendenpolitik fest und wollen
für 2008 wie im vergangenen Jahr für Vorzüge 53 Cent und für Stämme 51 Cent
ausschütten. Damit bleibt sich Henkel treu, mindestens 25 Prozent des
Nettogewinns an die Aktionäre abzugeben. Eine Prognose für 2009 wagte
Henkel-Chef Kasper Rorsted nicht. Der Konzern will sich aber besser schlagen als
die Märkte.

Dank des Verkaufs der Ecolab-Beteiligung verbuchte Henkel 2008 einen
kräftigen Gewinnanstieg. Unterm Strich verdienten die Düsseldorfer 1,233
Milliarden Euro nach 941 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Verkauf der
Ecolab-Beteiligung brachte Henkel 1,7 Milliarden Euro ein. Mit diesem Geld will
Henkel nach dem milliardenschweren Kauf der National Starch-Kleber wieder
finanziellen Spielraum haben. Ohne diesen Sondererlös hätte der Überschuss bei
945 Millionen Euro praktisch stagniert – 4 Millionen Euro mehr als ein Jahr
zuvor. Die Marge des bereinigten EBIT sank zwar nur geringfügig auf 10,3
Prozent, die reguläre EBIT-Marge lag aber bei 5,5 Prozent.

HENKEL SCHRUMPFT ORGANISCH IM 4. QUARTAL

Lässt man den Ecolab-Verkauf und den Schub durch die zugekauften
Klebermarken beiseite, verfinsterte sich das operative Geschäft im vierten
Quartal. Die organische Umsatzentwicklung, der wichtigste Indikator für den Lauf
der Geschäfte, schrumpfte zwischen Oktober und Ende Dezember zum ersten Mal seit
mehr als sieben Jahren. Grund für den Rückgang um 1,2 Prozent war die
Klebersparte, die wegen des Einbruchs der Nachfrage im Autobranche sowie der
Metallverarbeitung und dem Elektronikgeschäft 9,2 Prozent organisch weniger
umsetzte. Dagegen konnte die Sparte Wasch- und Reinigungsmittel in der Krise um
5,4 Prozent zulegen, Kosmetik/Körperpflege um 3,3 Prozent wachsen.

In den alten Stammmärkten Westeuropas ging der Umsatz zurück, macht aber
noch knapp zwei Drittel des Geschäftes aus. Auch in Nordamerika ging es leicht
abwärts. Zulegen konnte Henkel weiterhin in den Wachstumsmärkten Lateinamerikas
und an erster Stelle Asien/Pazifik. In Asien gaben die Klebermarken von National
Starch einen besonders großen Schub. Jeden zehnten Euro setzen die Düsseldorfer
nun in dieser Region um. Auch in Osteuropa, Afrika und Nahost konnte Henkel in
allen Sparten zulegen./fn/edh

— Von Frederik Nissen, dpa-AFX —


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