AGENTURMELDUNGEN

14:23 | 08.07.2009
ROUNDUP 2: Infineon verschafft sich mit Segmentverkauf finanziell Luft

(Neu: Aussagen Telefonkonferenz, Aktueller Aktienkurs)

NEUBIBERG/MÜNCHEN (dpa-AFX) – Der finanziell unter Druck stehende
Halbleiter-Konzern Infineon Technologies hat sich mit dem Verkauf
seiner Breitbandsparte wieder etwas Luft verschafft. Der Bereich Wireline-
Communications (WLC) soll nach Angaben des Unternehmens bis zum Ende des
laufenden dritten Quartals für 250 Millionen Euro an den US- Finanzinvestor
Golden Gate Capital gehen. Infineon konzentriert sich damit künftig vor allem
auf Chips für die Autoindustrie, für Handys und auf Chipkarten. Der Verkauf
weiterer Geschäftsbereiche sei nicht geplant, sagte Vorstandschef Peter Bauer
bei einer Telefonkonferenz.

Das Unternehmen muss sich derzeit um die Refinanzierung auslaufender
Kreditlinien kümmern und braucht daher dringend Geld. “Die Veräußerung des
Segments WLC leistet einen wesentlichen Beitrag zur anstehenden Refinanzierung”,
sagte Bauer. “Wir haben den Verkauf gemacht, um unsere Finanzierung zu stützen.”
Infineon wolle so auch Vertrauen zurückgewinnen. “Es gab die Besorgnis am Markt,
dass Infineon nicht in der Lage sein könnte, seine Schulden zurückzuzahlen. Wir
glauben, dass ein Gutteil der Bedenken ausgeräumt sein sollte.”

KAUFPREIS WIRD WLC NICHT IN FORM VON SCHULDEN AUFGEBÜRDET

Nach Abschluss des Verkaufs dürften die Brutto-Barmittel des Konzerns bei
etwas über einer Milliarde Euro liegen, sagte Finanzvorstand Marco Schröter bei
der Konferenz. Dem stünden kurzfristige Verbindlichkeiten von 600 bis 700
Millionen Euro gegenüber. Am Markt wurden die Nachrichten positiv aufgenommen.
Die Infineon-Aktie reagierte am Mittwochmorgen zunächst mit einem Kursplus von
mehr als 10 Prozent. Am Mittag stand sie knapp 9 Prozent im Plus bei 2,68 Euro.

Der Kaufpreis werde WLC nicht in Form von Schulden aufgebürdet, betonte der
designierte Geschäftsführer der neuen Gesellschaft, Christian Wolff. “Dieser
Deal wird allein von Golden Gate finanziert. Wir starten unser neues Leben ganz
und gar schuldenfrei.” Die rund 600 Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz
zunächst behalten. Außerdem sollen 300 Mitarbeiter von Infineon in die neue
Gesellschaft wechseln. Über weitere Einzelheiten müsse noch verhandelt werden,
sagte Wolff. WLC hatte im ersten Geschäftshalbjahr einen Umsatz von 167
Millionen Euro und ein operative Ergebnis von 3,6 Millionen Euro erwirtschaftet.

AKTIE SPRINGT DEUTLICH AN – KURSGEWINNE AUSGEBAUT

Für die kommenden Monate gab sich Bauer vorsichtig optimistisch. Der
wirtschaftliche Abschwung in der Branche habe zumindest den Boden erreicht,
sagte er. Aus Asien kämen erste positive Signale. Nach einer Belebung auf dem
Halbleiter-Markt hatte Infineon seine Erwartungen für das dritte Quartal (Ende
Juni) des laufenden Geschäftsjahres zuletzt leicht angehoben. So soll der Umsatz
um mehr als zehn Prozent zulegen. Beim operativen Ergebnis peilt der Konzern die
Gewinnschwelle an. Noch im Vorquartal hatte Infineon auf dieser Basis ein Minus
von 110 Millionen Euro verbucht. Allerdings klammert das Unternehmen hier
Restrukturierungskosten aus.

Die Aktie legte am Mittwoch zeitweise um mehr als zehn Prozent zu und baute
damit ihre deutlichen Kursgewinne der vergangenen Wochen aus. Zuletzt gewann das
Papier 8,3 Prozent auf 2,66 Euro. Im März hatte die Aktie wegen der Sorgen vor
dem finanziellen Aus des Unternehmens um zum Teil weniger als 50 Cent gekostet.
Commerzbank-Analyst Thomas Becker hob in einer Studie sein Kursziel von 2,60 auf
2,70 Euro und beließ seine Einstufung auf “Hold”. Das Management habe erneut
Stärke bewiesen und Druck von der Bilanz genommen. Damit werde eine
Kapitalerhöhung weniger wahrscheinlich, schrieb Becker. Die Transaktion
erscheine attraktiv, da sie sich positiv auf Infineons Wachstums- und
Margenprofil auswirke./mf/DP/zb


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