8:56 | 17.03.2008
ROUNDUP 2: JP Morgan Chase übernimmt angeschlagene Konkurrentin Bear Stearns
(neu: Details zu CITIC-Einstieg)
NEW YORK/PEKING (dpa-AFX) – Die drittgrößte US-Bank JP Morgan
Chase übernimmt die ins Trudeln geratene Investmentbank Bear Stearns
. Der Kauf soll über einen Aktientausch erfolgen, teilte JP
Morgan Chase am Sonntagabend (Ortszeit) in New York mit. Die Verwaltungsräte
beider Unternehmen hätten dem Vorschlag zugestimmt. Man sei bereit,
Bear-Stearns-Anteile gegen 0,05473 eigene Aktien zu tauschen. Auf Basis des
Schlusskurses vom vergangenen Freitag ergebe dies einen Preis von rund zwei
Dollar pro Aktie. Die Aktionäre müssen dem Kauf noch zustimmen. Bear Stearns war
als bisher prominentestes Opfer der Finanzkrise in Not geraten.
Mit sofortiger Wirkung übernehme JP Morgan Chase die Handelsverpflichtungen
von Bear Stearns und ihrer Tochtergesellschaften sowie die Aufsicht über
sämtliche Operationen des Managements, hieß es in der Mitteilung des Bankhauses.
Die Transaktion solle bis Ende des zweiten Quartals 2008 abgeschlossen sein. Die
US-Zentralbank habe im Zusammenhang mit der Übernahme Sonderfinanzierungen
zugesagt und zugestimmt, Bear Stearns mit bis zu 30 Milliarden Dollar zur
Sicherung der Liquidität zu stützen.
‘J.P. MORGAN CHASE STEHT HINTER BEAR STEARNS’
“JP Morgan Chase steht hinter Bear Stearns”, sagte JP Morgan-Chef Jamie
Dimon. “Bear Stearns Kunden und Vertragspartner sollten sich sicher fühlen, dass
JP Morgan für Bear Stearns Vertragsrisiken garantiert. Wir heißen ihre Kunden,
Vertragspartner und Angestellten in unserer Firma willkommen, und wir sind froh,
ihr Partner zu sein.” JP Morgan beschäftigt rund 180.000 Menschen.
Bear Stearns war die Liquidität Ende vergangener Woche weitgehend
ausgegangen und sie musste eilig von JP Morgan Chase und der regionalen
Notenbank von New York gestützt werden. Die Aktien waren daraufhin am Freitag um
45,88 Prozent auf 30,85 Dollar eingebrochen. Bear Stearns ist die kleinste der
fünf großen New Yorker Investmentbanken.
CITIC-EINSTIEG DROHT ZU PLATZEN
Am Sonntag war zudem bekannt geworden, dass ein erst im vergangenen Jahr
vereinbarter milliardenschwerer Einstieg des größten chinesischen Brokerhauses
CITIC Securities zu platzen droht. Das Unternehmen könne ein Zustandekommen des
Geschäfts “nicht garantieren”, teilte CITIC in Peking mit. In Anbetracht der
jüngsten Ereignisse wollte die Chinesen die geplante Allianz nochmals komplett
auf den Prüfstand stellen. Bisher sei kein “formelles Abkommen” unterzeichnet
worden und auch noch kein Geld geflossen. Über zentrale Punkte der Vereinbarung
sei bisher keine Einigung erzielt worden.
Der chinesische Broker, der zur staatlichen China International Trust &
Investment Corp. gehört, hatte im Herbst seinen Einstieg mit sechs Prozent bei
Bear Stearns für eine Milliarde Dollar angekündigt. Im Gegenzug wollte sich Bear
Stearns für ebenfalls eine Milliarde Dollar mit zwei Prozent an dem Geschäft der
Chinesen beteiligen. Daneben wollte sich CITIC die Möglichkeit sichern, seinen
Anteil an Bear Stearns auf knapp zehn Prozent zu erhöhen.
Offensichtlich wurde die Krise bei Bear Stearns erstmals im vergangenen
Sommer, als zwei Hedge-Fonds der Bank im Zusammenhang mit dem Kollaps am
US-Hypothekenmarkt zusammenbrachen. Für das vierte Quartal musste die Bank
erstmals in ihrer Geschichte einen Verlust ausweisen. Wegen fauler Kreditpapiere
bereinigte Bear Stearns schließlich im gesamten Geschäftsjahr 2007 (30.
November) Wertverluste von 1,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn brach auf 233
Millionen Dollar ein, nach 2,1 Milliarden Dollar im Vorjahr./fi/DP/FX/fj/tw
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