14:01 | 02.08.2010
ROUNDUP 2: Metro beschleunigt Umbau und peilt Vorkrisenniveau an
DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Der Handelskonzern Metro will mit einem
beschleunigten Umbau zur alten Ertragsstärke zurück. Bereits in diesem Jahr soll
das operative Ergebnis vor Sondereffekten auf das Vorkrisenniveau von 2008
steigen. Auch bei der Expansion nimmt Metro Geschwindigkeit auf. Knapp 100 neue
Märkte sollen 2010 weltweit öffnen. Eine Schlüsselrolle beim geplanten Wachstum
kommt den Elektronikketten Media Markt und Saturn zu. Sie sollen mit Eigenmarken
und Online-Angeboten neue Kunden gewinnen, zudem steht ihr Markteintritt in
China an. Weiter in der Schwebe ist hingegen der geplante Verkauf der
Kaufhof-Warenhäuser.
Mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal verfehlte der Konzern allerdings die
Erwartungen der meisten Analysten. Insbesondere das Nettoergebnis enttäuschte.
Nach Minderheiten sank es aufgrund höherer Aufwendungen von 52 Millionen auf 44
Millionen Euro. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (EBIT) legte
von 316 Millionen auf 334 Millionen Euro zu. Dabei wirkten sich vor allem die
durch den laufenden Konzernumbau erzielten Einsparungen positiv aus. Der Umsatz
stieg von April bis Juni konzernweit um 2,4 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro.
Die Metro-Aktie fiel bis zum frühen Nachmittag als einer der schlechtesten Werte
im Dax um mehr als ein Prozent.
EBIT AUF VORKRISENNIVEAU ANGEPEILT
Metro-Chef Eckhard Cordes zog dennoch eine positive Bilanz: Wir sind auf
einem guten Weg und mit dem bislang Erreichten zufrieden. Sollten sich die
wirtschaftlichen Bedingungen nicht signifikant verschlechtern, wovon auszugehen
sei, dann könnte das bereinigte EBIT in diesem Jahr wieder das Vorkrisenniveau
von 2,2 Milliarden Euro erreichen. Im vergangenen Jahr war es im Zuge der Krise
auf 2,02 Milliarden Euro geschrumpft. Das Investitionsbudget hob der Konzern um
200 Millionen Euro auf 2,1 Milliarden Euro an.
Metro hatte im vergangenen Jahr ein Umbauprogramm mit Namen Shape
gestartet. Bis 2012 sollen durch Einsparungen und bessere Produktivität 1,5
Milliarden Euro beim Ergebnis gehoben werden. Dazu will Metro weltweit auch bis
zu 17.000 Stellen streichen. Kernstück des Umbaus ist der Großhandel für
Gewerbetreibende (Cash&Carry), der mit Abstand den größten Anteil an Umsatz und
Ergebnis im Konzern hat. Im zweiten Quartal hielten sich die Verbraucher
weiterhin mit Anschaffungen zurück. Zudem fiel das für die Händler wichtige
Ostergeschäft in diesem Jahr bereits in das erste Quartal. Nur dank positiver
Währungseffekte hielt die Sparte ihren Umsatz mit 7,7 Milliarden Euro stabil.
Das Ergebnis verbesserte sich hingegen. Ein ähnliches Bild zeigte die
Lebensmitteltochter Real, die besonders von dem Preiskampf im deutschen
Lebensmitteleinzelhandel betroffen ist.
FUSSBALL-WM KURBELT UMSATZ AN
Die Fußball-WM kurbelte bei Media Markt und Saturn den Verkauf von
TV-Geräten an. Die Elektronikketten legten beim Umsatz um über neun Prozent auf
4,4 Milliarden Euro zu und retteten dem Konzern damit das Quartal. Die kühle
Witterung im April und Mai setzte den zum Verkauf stehenden Kaufhof-Warenhäusern
zu. Die Sommermode blieb lange in den Regalen liegen.
Vorstandschef Cordes sucht derzeit nach Käufern für den Kaufhof, will aber
erstmal den Ausgang des Überlebenskampfes vom Konkurrenten Karstadt abwarten.
Die Düsseldorfer hatten immer wieder Interesse an Teilen von Karstadt bekundet,
die den Kaufhof aufwerten würden. Metro kann aber nur zum Zuge kommen, wenn die
Rettungsversuche zum Erhalt von Karstadt scheitern. Der Kaufvertrag mit dem
Karstadt-Investor Berggruen ist wegen der Uneinigkeit über die Höhe der Mieten
immer noch nicht rechtlich wirksam. Am Wochenende tat sich zudem eine weitere
Option auf: Der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti hat Interesse
an Karstadt angemeldet./she/juw/nmu
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