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17:17 | 07.07.2008
ROUNDUP 2: Piloten bei Lufthansa-Töchtern streiken – 641 Flüge annulliert

NEU-ISENBURG (dpa-AFX) – Ausgefallene Flüge, Verspätungen und Umsteigen auf
die Bahn: Ein überraschender Streik der Pilotenvereinigung Cockpit hat am Montag
den Kurzstrecken-Verkehr bei Deutschlands größter Fluggesellschaft Lufthansa
teilweise lahmgelegt. Bei den Lufthansa-Töchtern Cityline und
Eurowings fielen bis zum späten Abend 641 Flüge aus – das war rund ein Drittel
des gesamten Angebots, teilte das Unternehmen in Frankfurt mit. Viele Flüge
starteten mit Verspätungen. Tausende Passagiere mussten bei innerdeutschen
Strecken auf die Bahn umsteigen oder umbuchen.

Der bundesweite Streik führte zu den größten Behinderungen an den Flughäfen
in Düsseldorf, München und Frankfurt/Main. Die meisten der rund 1000 Piloten der
beiden Fluggesellschaften waren um Mitternacht in einen 24-Stunden-Streik
getreten. Cockpit fordert im festgefahrenen Tarifkonflikt mit CityLine und
Eurowings für die Piloten beider Fluglinien mehr Geld.

FÜR DIENSTAG NORMALER VERKEHR ERWARTET

Für Dienstag rechnete Lufthansa wieder mit einem normalen Flugverkehr.
“Vereinzelt kann es noch zu Verspätungen kommen”, sagte eine
Lufthansa-Sprecherin. Am Montag waren Flüge innerhalb Deutschlands und zu Zielen
in Europa betroffen. Die Zahl der Passagiere ermittelte die Lufthansa nicht. Die
Piloten bestreikten sämtliche Standorte der Regionaltöchter CityLine und
Eurowings in Deutschland. Passagiere konnten innerdeutsche Tickets an den
Flughäfen kostenlos in Bahnfahrkarten eintauschen.

In dem seit Monaten festgefahrenen Tarifkonflikt hatte Cockpit ihre
Mitglieder kurzfristig zu einem Streik an diesem Montag aufgerufen. “Wir sind
sehr überrascht über den Streik in dieser Masse”, sagte der Lufthansa-Sprecher.
“Wir haben ein Angebot vorgelegt und warten auf eine Reaktion von Cockpit.”
Dagegen teilte Cockpit mit, in den jeweils seit mehreren Monaten laufenden
Tarifverhandlungen hätten die Arbeitgeber “keine verhandlungsfähigen Angebote”
vorgelegt. Darauf erklärte Cockpit die Verhandlungen für gescheitert. In
Urabstimmungen hätten jeweils 99 Prozent aller stimmberechtigten Mitglieder für
unbefristete Streiks votiert.

WENIGER GEHALT ALS BEI LUFTHANSA

Schon im Mai und Juni hatten Warnstreiks die Flugpläne von CityLine und
Eurowings durcheinandergewirbelt. “Wir fordern für die Piloten von Eurowings
eine Angleichung der Vergütungsbedingungen an den unmittelbaren Wettbewerber
CityLine”, sagte Cockpit- Verhandlungsführer Markus Germann in Neu-Isenburg.
Aber auch bei CityLine habe es in den vergangenen Jahren keine Gehaltserhöhung
für das Cockpit-Personal gegeben, kritisierte Germann. Die Piloten von Eurowings
und Cityline verdienten deutlich weniger als ihre Kollegen bei Lufthansa. Die
Vereinigung Cockpit ist der Berufsverband des Cockpitpersonals in Deutschland
und vertritt derzeit rund 8200 Mitgliedern.

Die Gespräche über die Tarife der Piloten laufen unabhängig von den
Verhandlungen für das Kabinen- und Bodenpersonal der Lufthansa. Dabei hatte die
Gewerkschaft ver.di in der vergangenen Woche mit bundesweiten Warnstreiks
versucht, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, was zu Flugausfällen und
Verspätungen führte./mt/DP/stw


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