AGENTURMELDUNGEN

15:57 | 15.09.2008
ROUNDUP 2: Rettung von Lehman Brothers gescheitert – Erste US-Großbank vor Aus

(neu: Details, Kurs, Hintergrund)

NEW YORk (dpa-AFX) – Die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers
hat ihren Überlebenskampf verloren. Trotz dramatischer
Rettungsverhandlungen der US-Regierung und anderer Wall-Street-Banken muss das
158 Jahre Traditionshaus mit deutschen Wurzeln Gläubigerschutz anmelden. Die
Bank betonte am Montag in New York zwar, dass der Wertpapierhandel und die
Vermögensverwaltung von dem Insolenzantrag ausgenommen seien. Am Markt wurden
die Aussichten für Lehman und seine 25.000 Mitarbeiter jedoch düster gesehen.

Die Aktie wurde zum Handelsstart in New York zunächst nicht gehandelt. Der
Taxkurs lag bei 0,32 US-Dollar und damit um 91,23 Prozent unter dem Schlusskurs
vom Freitag. Bereits zuvor hatten die Börsen rund um den Globus teils kräftig
nachgegeben. Die Furcht vor weiteren Pleiten geht um. Die Geschäfte der
deutschen Tochter Lehman Brothers Bankhaus AG wurden von der Finanzaufsicht
BaFin am Montag blockiert, um einen Abfluss von Vermögen zu verhindern.
Hierzulande existieren Verbindlichkeiten von rund 14,3 Milliarden Dollar.

EXPERTE: ‘LEHMAN IST PLEITE’

Der Vertrauensverlust sei für Lehman so groß, dass er eine erfolgreiche
Sanierung ausschließe, sagte der Professor an der Frankfurt School of Finance,
Martin Faust. Das Verfahren unter Gläubigerschutz nach Kapitel elf des
US-Insolvenzrechts sieht zwar vor, dass sich ein Unternehmen unter Aufsicht
sanieren kann. Lehman betont auch, den Verkauf von Vermögensverwaltung und
Aktienhandel voranzutreiben. Es liefen bereits “fortgeschrittene Gespräche” mit
“mehreren potenziellen Käufern”. Faust urteilte dagegen: “Lehman ist pleite. Der
Name ist ruiniert.”

Es wäre der erste Bankrott einer US-Großbank, nachdem bereits mehrere kleine
Institute haben aufgeben müssen. Als Wackelkandidat gilt derzeit auch die größte
US-Sparkasse Washington Mutual . Beim Versicherer AIG
kursieren Gerüchte, er müsse sich von Konzernteilen trennen,
um zu überleben.

FIEBERHAFTE VERHANDLUNGEN

Über das ganze Wochenende wurde in fieberhaften Verhandlungen in New York
versucht, einen Zusammenbruch von Lehman Brothers abzuwenden. Angestrebt war
zunächst ein Notverkauf, später eine Zerschlagung, um wenigstens den gesunden
Teil des Finanzhauses zu retten. Die Gespräche scheiterten aber letztlich daran,
dass US-Finanzminister Henry Paulson hart blieb und alle Forderungen nach
finanzieller Unterstützung seitens der Regierung ausschlug.

Washington war bei dem Notverkauf des kleineren Lehman-Konkurrenten Bear
Stearns im März und zur Rettung der Immobilienfinanzierer
Fannie Mae und Freddie Mac noch
eingesprungen. Unter den von der Finanzmarktkrise selbst getroffenen Banken
wollte jedoch niemand für die milliardenschweren Risiken von Lehman einstehen.
So scheiterte das Rettungskonzept, das die Abtrennung von 85 Milliarden Dollar
an vom Ausfall bedrohten Papieren in eine “schlechte Bank” vorsah, schlicht
daran, dass die Branche ihre Unterstützung verweigerte.

VON FÜNFEN SIND ZWEI ÜBER

Lehman war in der vergangenen Woche immer schneller in den Abgrund
geschlittert. Am Mittwoch gab die Bank einen Quartalsverlust von 3,9 Milliarden
Dollar bekannt. Zugleich kündigte sie eine Aufspaltung an, um mit dem Verkauf
von Unternehmensteilen dringend benötigtes frisches Kapital zu besorgen. Die
Anleger überzeugte das jedoch nicht. Die Aktie fiel weiter und verlor innerhalb
einer Woche mehr als 80 Prozent an Wert. Das brach dem Traditionshaus
schließlich das Genick.

Der ebenfalls notleidende Wettbewerber Merrill Lynch kam
dagegen bei der Bank of America unter, die die
Investmentbank für 50 Milliarden Dollar schlucken will. Bereits vor Monaten Bear
Stearns bei JPMorgan untergeschlüpft.
Damit sind noch zwei der ehemals fünf großen Investmentbanken der USA übrig:
Neben JPMorgan ist das Goldman Sachs . Die beiden Unternehmen
legen in den kommenden beiden Tagen ihre Bilanzen für das dritte Quartal vor.
Die Zahlen werden mit Spannung erwartet./so/fd/das/he


Weitere Meldungen
15.09.2008 WDH/ROUNDUP 2: Rettung von Lehman gescheitert – Erste US-Großbank vor dem Aus
15.09.2008 WDH/ROUNDUP 2: Rettung von Lehman gescheitert – Erste US-Großbank vor dem Aus
12.09.2008 ROUNDUP/Medien: Lehman Brothers vor Verkauf – US-Regierung hilft bei Rettung

 

NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt unseren
aktuellen Newsletter

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

19:09 Uhr | 24.05.2012
Wowereit bestreitet Versagen im ...


19:05 Uhr | 24.05.2012
Odersun-Beschäftigte erhalten ...


17:57 Uhr | 24.05.2012
Berggruen bietet angeblich für ...


17:16 Uhr | 24.05.2012
Flugzeugsitzhersteller Recaro will ...


17:14 Uhr | 24.05.2012
Chemie-Tarifkompromiss sorgt für ...