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11:51 | 09.11.2017
ROUNDUP 2: Starker Euro und Flüssigkristalle machen Merck zurückhaltend

(neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Aktienkurs aktualisiert.)

DARMSTADT (dpa-AFX) – Ein starker Euro und die anhaltende Konkurrenz im Flüssigkristallgeschäft machen dem Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck das Leben schwer. Dabei wachsen gleichzeitig im Gesundheitsgeschäft wie erwartet die Kosten für Forschung und Vertrieb der neuen Medikamente. Der Dax -Konzern hält zwar an seinen Zielen für das laufende Jahr fest, visiert nun aber das untere Ende der angepeilten Spanne an, wie Merck am Donnerstag in Darmstadt mitteilte.

An der Börse reagierten die Investoren entspannt, da Analysten auch eine Senkung der Prognose für möglich gehalten hatten. Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff sprach von insgesamt guten Resultaten. Merck-Aktien standen zuletzt mit rund einem halben Prozent im Plus. Die Papiere hinken aber seit einiger Zeit dem Dax hinterher. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste auf knapp 7 Prozent. Damit ist Merck einer der schwächsten deutschen Standardwerte.

Das Unternehmen steht im Geschäft mit Flüssigkristallen etwa für Displays von Smartphones unter starkem Konkurrenzdruck. Der Wettbewerb vor allem mit chinesischen Anbietern kostet den Konzern Marktanteile. Deshalb hatte das Management bereits zur Halbjahresbilanz seine Umsatzprognose gesenkt. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern seither Erlöse zwischen 15,3 und 15,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) soll ohne Berücksichtigung von Sondereinflüssen 4,4 bis 4,6 Milliarden Euro erreichen – nach knapp 4,5 Milliarden Euro vor einem Jahr.

“Wir gehen das Problem an und gehen gesund und voller Dynamik in den Schlussspurt”, sagte Vorstandschef Stefan Oschmann. In den übrigen Geschäften der Materialsparte, zu der die Flüssigkristalle gehören, sei Merck gut aufgestellt. Auch die neue Displaytechnologie UB FFS wachse stark.

Merck muss sich allerdings lang strecken, um selbst das untere Ende seiner Umsatzprognose noch zu erreichen. Bis Ende September sind knapp 11,5 Milliarden Euro erreicht. Das lag vor allem am abgeschwächten Wachstumstempo im dritten Quartal: Von Juli bis September stiegen die Erlöse nur leicht um 0,1 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro.

Geschuldet war dies insbesondere negativen Währungseffekten durch den im Vergleich zum Euro geschwächten Dollar sowie Umsatzeinbußen im Flüssigkristallgeschäft. Dies dürfte sich kaum bessern: Auch im vierten Quartal sei mit wesentlichem Gegenwind von der Währungsseite zu rechnen, stellte Finanzchef Markus Kuhnert klar.

In seiner Laborsparte konnte der Konzern trotz negativer Wechselkurseffekte leicht wachsen. Die Pharmasparte legte ebenfalls moderat zu, trotz Umsatzeinbußen mit den drei derzeit wichtigsten Kassenschlagern Erbitux (Krebs), Rebif (Multiple Sklerose) und dem Fruchtbarkeitsmittel Gonal-F.

Weil diese Mittel in die Jahre gekommen sind und zunehmend weniger abwerfen, investiert der Konzern viel Geld in seine neuen Hoffnungsträger – eine neue Krebstherapie mit dem Mittel Bavencio (Wirkstoff Avelumab) und die Multiple-Sklerose-Tablette Mavenclad (Cladribin). Die Forschungs- und Entwicklungskosten steigen deshalb stark an, ebenso kletterten zuletzt die Vermarktungs- und Vertriebskosten für die neuen Mittel. Mavenclad ist bereits in der EU zugelassen, Bavencio in den USA und Europa vorerst für kleinere Indikationen.

Die höheren Aufwendungen und die Schwäche im Tagesgeschäft schlugen auf das Ergebnis durch: Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sank um mehr als 8 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Merck dank des Verkaufs des Biosimilar-Geschäfts 645 Millionen Euro – das waren rund 41 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Konzern hatte das Geschäft mit biopharmazeutisch hergestellten Arzneien im Frühjahr an den Fresenius-Konzern veräußert. Im dritten Quartal brachte dies inklusive Anzahlungen auf weitere Dienstleistungen rund 200 Millionen Euro ein.

Im September wurde ein weiterer Bereich zur Disposition gestellt: das Geschäft mit der Selbstmedikation. Mit prozentual zweistelligen Erlöszuwächsen erwies sich der “Consumer Health” genannte Bereich im dritten Quartal als Leuchtturm in der Pharmasparte. Doch inzwischen deutet alles auf einen Verkauf hin. “Dort spielt Größe eine Rolle, bei uns alleine wäre das Geschäft nicht richtig für die Zukunft aufgestellt”, sagte Oschmann. Die Angebotsunterlagen seien verschickt, der Prozess verlaufe nach dem vorgeschrieben Plan. Weitere Details – etwa zu möglichen Interessenten oder Preisvorstellungen – gab der Merck-Chef nicht./tav/als/men/stk


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