17:11 | 14.12.2011
ROUNDUP 2: Thomas Cook mit mehr Verlust als erwartet – halbe Milliarde
LONDON/PETERBOROUGH (dpa-AFX) – Die Nordafrika-Unruhen und das schwache
Geschäft in Großbritannien haben Europas zweitgrößtem Reisekonzern Thomas Cook
einen Verlust in Millionenhöhe eingebrockt. Im Ende
September abgelaufenen Geschäftsjahr stand unter dem Strich ein Minus von 521
Millionen Pfund (616 Mio Euro), wie das Unternehmen mit Marken wie Neckermann
Reisen und der Fluglinie Condor am Mittwoch im britischen Peterborough
mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte das Minus noch knapp drei Millionen Pfund
betragen.
Grund für den hohen Verlust sind den Angaben zufolge vor allem
Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe auf die Geschäftsfelder in
Großbritannien und Kanada, von denen das Management künftig geringere Gewinne
erwartet. Die Nordafrika-Krise kostete das Unternehmen im operativen Geschäft 80
Millionen Pfund.
GEWINN EINGEBROCHEN
Selbst wenn man die Abschreibungen und andere Sondereffekte herausrechnet,
brach der Gewinn im Großbritannien-Geschäft um rund ein Drittel ein. Dort leidet
Thomas Cook unter der Wirtschaftskrise und dem Preiskampf mit der Konkurrenz,
während Konkurrent Tui Travelx in dem Land dank lukrativer
Exklusivangebote ein Rekordergebnis einfuhr. Der Umsatz legte bei Thomas Cook
konzernweit um ein Zehntel auf 9,8 Milliarden Pfund zu.
Besser lief es für Thomas Cook in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die Sparte Zentraleuropa steigerte ihren Umsatz dank der Übernahme des
Türkei-Spezialisten Öger Tours währungsbereinigt um 17 Prozent. Der um
Sondereffekte bereinigte operative Gewinn legte um 19 Prozent auf knapp 70
Millionen Pfund zu.
WEITERE HERAUSFORDERUNGEN
Thomas Cook betonte, auf dem richtigen Weg zur Erholung zu sein. “Wir hatten
ein schwieriges Jahr, und es warten weiter Herausforderungen auf uns”, sagte
Vorstandsmitglied Paul Hollingworth. Unter anderem wurden bereits Beteiligungen
an Hotels verkauft. Binnen drei Jahren soll die Profibilität um 110 Millionen
Pfund gesteigert werden. Die Buchungen für die kommende Sommersaison seien gut
angelaufen. “Es gibt noch viel zu tun, aber wir haben einen guten Anfang
gemacht.”
Der rund 170 Jahre alte Reiseanbieter steckt seit einiger Zeit in der Krise,
schlechte Zahlen waren erwartet worden. In der Heimat Großbritannien, wo Thomas
Cook die größten Probleme hat, sollen in den kommenden zwei Jahren 200 von mehr
als 1300 Filialen geschlossen werden. Die Vorstellung der Jahresbilanz war um
Wochen verschoben worden, weil man sich vorher noch frische Kredite besorgen
wollte. Daraufhin war der Kurs an nur einem Tag um 75 Prozent gefallen. Die
Banken griffen Thomas Cook schließlich unter die Arme.
STRATEGIE SOLL TEILWEISE GEÄNDERT WERDEN
In den kommenden Monaten soll die Strategie teilweise geändert werden. “Das
Online-Geschäft wächst weiter, deshalb müssen wir die Zahl unserer Filialen
überarbeiten” sagte Übergangs-Chef Sam Weihagen mit Blick auf Großbritannien.
“Solange die Läden profitabel sind, werden wir sie behalten.” Er sei aber
überzeugt, dass es trotz der Zunahme von Internet-Buchungen auch künftig
Reisebüros geben werde.
Indes bekundete der russische Mischkonzern AFK Sistema die Absicht, sich
2012 von seinem 1,95-Prozent-Anteil an Thomas Cook zu trennen. “Wir wollen Geld
statt Aktien”, sagte Sistema-Vizepräsident Alexej Bujanow am Mittwoch in Moskau.
Sistema werde die Papiere zum Ankaufspreis abstoßen – 35 Millionen US-Dollar für
das Gesamtpaket, hieß es./gür/stw/DP/jha/
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