15:51 | 28.11.2008
ROUNDUP 2/Commerzbank: Dresdner-Übernahme schon Anfang 2009 – Kursgewinne
(Neu: Weitere Zahlen und Reaktionen)
FRANKFURT/MÜNCHEN (dpa-AFX) – Die Commerzbank zieht die Übernahme
der Dresdner Bank wegen der anhaltenden Unsicherheit an den Finanzmärkten um ein
halbes Jahr auf Anfang 2009 vor. Zudem kostet der seit Jahren größte Deal in der
deutschen Finanzindustrie die Commerzbank mit gut 5,1 Milliarden Euro nur etwas
mehr als die Hälfte der zunächst kalkulierten rund 9,8 Milliarden Euro. Der
Münchner Versicherungskonzern Allianz , der die Dresdner 2001 für rund
23 Milliarden Euro übernommen hatte, muss wegen des beschleunigen Verkaufs
seiner angeschlagenen Banktochter im vierten Quartal zusätzliche 600 Millionen
Euro abschreiben.
Die Börse reagierte am Freitag mit zeitweise kräftigen Kursgewinnen auf den
beschleunigten Fahrplan, den die Vorstände von Commerzbank und Allianz
vereinbarten. Zwischenzeitlich legten Commerzbank-Aktien um mehr als 19 Prozent
zu, Allianz-Papiere gewannen fast 12 Prozent. Beide Werte setzten sich an die
DAX-Spitze.
Analysten werteten den Schritt als Beruhigung der Märkte. Zuletzt war
häufiger spekuliert worden, dass das Geschäft platzen könnte nachdem sich die
Finanzmarktkrise im Zuge der Pleite der US- Investmentbank Lehman Brothers Mitte
September nochmals dramatisch verschärft hatte. Beide Seiten hatten jedoch
wiederholt betont, der Übernahmeprozess laufe nach Plan. Auch von den
Mitarbeitern der Dresdner Bank war Positives zu hören: Es sei gut, dass das
Geschäft nun schon im März und nicht erst Ende 2009 abgeschlossen werden soll.
Am Zeitplan für den angekündigten Abbau von weltweit 9000 der insgesamt
67 000 Vollzeitstellen ändert sich nach Angaben eines Commerzbank-Sprechers
nichts. “Es bleibt wie vereinbart beim Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen
bis Ende 2011″, sagte der Sprecher am Freitag in Frankfurt. In Deutschland
sollen im Zuge der Übernahme 6500 Stellen wegfallen. Auch die traditionsreiche
Marke Dresdner Bank soll wie geplant zunächst erhalten bleiben, “ab 2010 soll
dann nur noch Commerzbank stehen”, sagte der Sprecher.
Die Commerzbank und der Münchner Versicherungskonzern Allianz hatten sich
Ende August auf einen Verkauf der angeschlagenen Dresdner Bank in zwei Schritten
geeinigt. Zunächst wollte die Commerzbank gut 60 Prozent der Dresdner
übernehmen, die in der Finanzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht war. Der
Rest sollte bis Ende 2009 folgen.
Für den 40-prozentigen Restanteil zahlt die Commerzbank 1,4 Milliarden Euro
in bar. Dieses Geld nehme Deutschlands zweitgrößte Bank aus ihrer vorhandenen
Liquidität, sagte ein Sprecher. Der im August vereinbarte Risikoschirm für
ausfallgefährdete Papiere in einer Gesamthöhe von 1,25 Milliarden Euro entfällt
nach der neuen Vereinbarung. Die Allianz erhält von der Commerzbank eine
Kompensationszahlung von 250 Millionen Euro in bar.
Insgesamt zahlt die Commerzbank den Großteil der Dresdner Bank in bar (3,215
Mrd Euro). Die Allianz erhält zudem 163,5 Millionen Aktien der Commerzbank und
wird künftig dementsprechend einen geringeren Anteil an dem fusionierten
Institut halten als zunächst geplant: 18,4 Prozent statt knapp 30 Prozent. Zudem
bekommt die Allianz die Fondsgesellschaft cominvest, die unverändert mit 700
Millionen Euro bewertet wird. In einer Präsentation für Investoren nennt die
Commerzbank entsprechend als Gesamtkaufpreis 5,124 Milliarden Euro statt
ursprünglich 9,792 Milliarden Euro. Der Verkauf der Dresdner werde nach Rechnung
der Allianz nun mit 7,2 Milliarden Euro bewertet statt mit 7,8 Milliarden Ende
September. Daraus resultierten die zusätzlichen Abschreibungen, erläuterte ein
Allianz-Sprecher.
“Wir beschleunigen die Übernahme und sichern eine schnelle Integration”,
erklärte Commerzbank-Chef Martin Blessing in einer Mitteilung am späten
Donnerstagabend. “In den nach wie vor nervösen Finanzmärkten stellen wir so
frühzeitig die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit her.” Allianz-Chef Michael
Diekmann sagte laut Mitteilung: “In der aktuellen Situation an den Finanzmärkten
ist eine beschleunigte Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank
vorteilhaft für alle Beteiligten.”
Das neue Institut aus Commerzbank und Dresdner Bank wird mit einer
Bilanzsumme von knapp 1,1 Billionen Euro deutliche Nummer Zwei in der heimischen
Bankenbranche hinter der Deutschen Bank mit einer Bilanzsumme von fast 2
Billionen Euro. Zusammen haben Dresdner und Commerzbank in Deutschland nach
früheren Angaben 12,3 Millionen Kunden./jb/stw/kf/DP/wiz
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