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15:40 | 29.10.2008
ROUNDUP 2:Datenmissbrauch bei Telekom: Neuer Vorstand greift durch

BONN (dpa-AFX) – Der neue Telekom-Vorstand für Datensicherheit,
Manfred Balz, ergreift nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt wegen des
spektakulären Diebstahls von Millionen von Handydaten erste personelle
Konsequenzen. Fünf Mitarbeiter und Manager des Unternehmens, die bei der Suche
nach den Tätern des Datenklaus Verbindungsdaten missbräuchlich abgeglichen
hatten, wurden bis auf weiteres beurlaubt. Bis zur endgültigen Klärung der
Vorwürfe seien sie “nach Hause geschickt” worden, sagte Balz am Mittwoch in
Bonn.

Die Beschuldigten sollen Verbindungsdaten von 20 Personen abgeglichen und
dabei auch Daten von einem inländischen Mobilfunkbetreiber und einem
ausländischen Unternehmen beschafft haben. Um welchen Wettbewerber es ging,
wollte Balz nicht sagen. Der gesamte Sachverhalt liege inzwischen bei der
Staatsanwaltschaft in Bonn. Ein Hauptverdächtiger für den Datendiebstahl sei
außerdem “dingfest” gemacht worden und Gegenstand eines staatsanwaltschaftlichen
Ermittlungsverfahren.

Bei den Datenpannen im Vertrieb, die das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel”
Mitte Oktober aufgedeckt hatte, seien inzwischen energische Maßnahmen ergriffen
worden. “Wir müssen nun im Einzelfall prüfen, wie unsere Partner mit Kundendaten
umgehen”, sagte Balz.

Die Telekom war erst im April in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt
geworden war, dass das Unternehmen Journalisten und Aufsichtsräte ausspioniert
hatte. Auf der Suche nach undichten Stellen im Aufsichtsrat wurden
Verbindungsdaten zwischen Arbeitnehmervertretern in dem Kontrollgremium und
Journalisten abgeglichen. In dem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft unter
anderem gegen den früheren Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und den Ex-
Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel. Dieser Fall sei aber ungleich
schwerwiegender zu beurteilen als die illegalen Aktionen der jetzt beurlaubten
Mitarbeiter im Zusammenhang des Datendiebstahls, betonte Balz.

Er kündigte an, er werde in seiner neuen Funktion im Telekom-Vorstand neue
Standards für Datensicherheit setzen. Es werde eine kritische Bestandsaufnahme
in der Konzernsicherheit geben, und Mängel und Lücken würden schonungslos
benannt werden. Dabei soll es nach seinen Worten auch keine “Bauernopfer” geben.
Der Vorstand werde darüber hinaus die Verantwortung von Führungskräften
einfordern.

Der bisherige Chefjustiziar Balz war vergangene Woche vom Aufsichtsrat in
den Vorstand berufen worden. Das Thema Datenschutz wird bei der Telekom in
Zukunft auf Vorstandsebene angesiedelt und auf zwei Ebenen angegangen. So werden
Balz zufolge operatives Geschäft und Vorgaben getrennt und auf zwei Köpfe
verteilt. Der neue Vorstand soll dabei mit Informations- und Kontrollrechten
ausgestattet werden. Außerdem besitzt er ein Vetorecht bei allen
Geschäftsentscheidungen, die Kundendaten betreffen. T-Home-Vorstand Timotheus
Höttges wird sich wie bisher um das operative Geschäft der Datensicherheit
kümmern.

Neben dem neuen Vorstand will sich die Telekom beim Thema Datenschutz auch
verstärkt einer externen Überprüfung stellen. So soll ein externer
Datenschutzrat gebildet werden, zu dem neben Fachleuten der Aufsichtsbehörden
auch Wissenschaftler angehören sollen. Außerdem will die Telekom künftig
jährlich einen Datenschutzbericht veröffentlichen und die Sicherheitssysteme vom
TÜV zertifizieren lassen. Um künftig über datenschutzrelevante Vorgänge zu
berichten, hat die Telekom ein Internetportal eingerichtet.

Von Kundenseite her hielten sich die Reaktionen nach Angaben der Telekom
bislang in Grenzen. Rund 640 Kunden hätten inzwischen neue Rufnummern beantragt.
Mit dem Versand der Dezember-Rechnung sollen alle Kunden über die neuen
Maßnahmen zum Datenschutz informiert werden. ls/gr/


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