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13:20 | 06.05.2010
ROUNDUP 3: Commerzbank nach zwei Jahren wieder mit Gewinn

(neu: Aussagen Pressekonferenz)

FRANKFURT (dpa-AFX) – Nach zwei verlustreichen Jahren ist die Commerzbank
zurück in der Gewinnzone – doch Entwarnung mag das Management des vom
Staats gestützten Dax-Konzerns noch nicht geben. Mit den am Donnerstag
vorgelegten Zahlen für das erste Quartal 2010 übertraf die zweitgrößte deutsche
Bank die positiven Erwartungen von Analysten. Die Aktie legte am frühen
Nachmittag an der Dax-Spitze mehr als drei Prozent auf 5,94 Euro zu. Doch die
Führungsspitze dämpfte den Optimismus für das Gesamtjahr: Noch ist die
Mammutaufgabe, die Dresdner Bank zu integrieren, nicht gestemmt, noch ist der
Markt voller Risiken – wie das Beispiel Griechenland zeigt.

Die Erklärung des deutschen Finanzsektors zum griechischen Hilfspaket trage
das Frankfurter Institut “ohne Wenn und Aber” mit, sagte Finanzvorstand Eric
Strutz in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. “Wo immer sinnvoll, werden
wir uns beteiligen.” An ihn seien aber bislang noch keine konkreten Vorschläge
herangetragen worden. Die deutschen Banken und Versicherer hatten am Dienstag
ihre Hilfe für Griechenland zugesagt. Die Banken wollen den Angaben zufolge nach
Möglichkeit bestehende Kreditlinien gegenüber Athen und griechischen Banken
aufrechterhalten. Griechische Anleihen wollen sie zunächst nicht veräußern,
sondern behalten.

KEINE BELASTUNGEN AUS GRIECHENLAND-ENGAGEMENT

Zwar erwartet der Finanzvorstand Strutz im zweiten Quartal keine Belastungen
durch Griechenland-Staatsanleihen, die die Commerzbank in ihren Büchern hat. Im
kriselnden Griechenland ist die Bank mit 3,1 Milliarden Euro investiert, dabei
handelt es sich größtenteils um langlaufende Staatsanleihen. Das ist nur ein
Bruchteil des Staatsfinanzierungsportfolios der Commerzbank in den sogenannten
PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien), die
gigantische Schuldenberge aufgehäuft haben: In Italien sind es 10,7 Milliarden
Euro, in Spanien 9,8 Milliarden, in Portugal 1,9 Milliarden, in Irland 1,0
Milliarden.

Dabei hat die Commerzbank genug andere Baustellen. “Insgesamt ist das erste
Quartal 2010 besser gelaufen als ursprünglich angenommen”, stellte Strutz fest,
warnte aber: “Man kann ein gutes erstes Quartal nicht auf das Gesamtjahr
hochrechnen.” Eine präzisere Prognose für 2010 will Strutz mit den
Halbjahreszahlen im August geben. Im Gesamtjahr erwartet das Management nach wie
vor nur Gewinn, wenn Konjunktur und Finanzmärkte mitspielen. Spätestens 2011
will die Commerzbank in einem Gesamtjahr im Konzern wieder schwarze Zahlen
schreiben.

In den ersten drei Monaten – traditionell das stärkste Vierteljahr für
Banken – belief sich das Vorsteuerergebnis auf plus 771 (Vorjahresquartal: minus
884) Millionen Euro. Dazu beigetragen haben ein sehr starkes
Firmenkundengeschäft und ein sehr gutes Ergebnis im Investmentbanking. Das
Privatkundengeschäft sei solide gelaufen. Unter dem Strich standen 708 Millionen
Euro nach minus 864 Millionen ein Jahr zuvor. Das letzte positive Quartal vor
Steuern war nach Pro-forma-Zahlen inklusive Dresdner Bank das erste Quartal 2008
(plus 446 Mio Euro). Den letzten Gewinn nach Steuern auf Quartalsbasis verbuchte
der Konzern von April bis Ende Juni 2008 (190 Mio Euro).

KERNSEGMENTE PROFITABEL

Die Kernsegmente Privatkunden, Mittelstandsbank, Osteuropageschäft und
Investmentbanking präsentierten sich zum Jahresauftakt operativ profitabel.
Besonders eine niedrigere Risikovorsorge und ein positives Handelsergebnis
trugen zu der positiven Entwicklung bei. Der Provisionsüberschuss stieg um 16
Prozent auf 983 Millionen Euro. Wesentlicher Grund seien “zunehmende
Wertpapieraktivitäten der Commerzbank-Kunden”. Davon habe auch das
Handelsergebnis profitiert, das binnen Jahresfrist von minus 527 Millionen Euro
auf plus 850 Millionen Euro schnellte.

Probleme macht der Commerzbank weiterhin die Schiffsfinanzierung und das
gewerbliche Immobiliengeschäft, vor allem in den USA. In diesen Segmenten blieb
die Bank in der Verlustzone. In der Schiffsfinanzierung sieht Finanzvorstand
Strutz aber “Licht am Ende des Tunnels.” Für faule Kredite wurden insgesamt 644
(Vorjahresquartal: 844) Millionen Euro zurückgelegt. Der Rückgang spiegele aber
die “verbesserte wirtschaftliche Situation vieler Commerzbank-Kunden”. Wenn sich
die Schuldenkrise weiter ausweite, werde dies aber auch Auswirkungen auf
deutsche Märkte haben.

BELASTUNGEN AUS MARKENMIGRATION

Die Kosten für die Dresdner-Integration gingen unterdessen deutlich zurück.
Strutz rechnete vor, dass die Kostenersparnis bis Ende des Jahres mit gut 1,1
Milliarden Euro etwas höher ausfallen werde als geplant. Gerade im
Privatkundengeschäft könnten die Belastungen wegen der anstehenden
Markenmigration aber noch einmal wachsen. Gleichzeitig laufe vor allem das
Geschäft mit Privatkunden noch immer nicht ganz rund: “Der deutsche Anleger ist
noch zurückhaltend im Vergleich zu normalen Jahren”, sagte Strutz.

Mit der Eigenkapitalausstattung fühle sich die Commerzbank weiterhin wohl,
sagte Strutz. Ende März belief sich die Kernkapitalquote (Tier 1) auf 10,8
Prozent. Die Rückzahlung der Stillen Einlage des Staates sei nach wie vor
spätestens ab 2012 geplant. Ob die Commerzbank in diesem Jahr Zinsen für die
Staatshilfen zahlen muss, werde sich erst am Ende des Jahres zeigen. Solange das
Institut nach den Regeln des Handelsgesetzbuchs (HGB) keinen Überschuss
erwirtschaftet, kostet sie die Staatsstütze nichts./gr/ben/stw/zb
— Von Annika Graf, dpa-AFX und Jörn Bender, dpa —


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