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13:48 | 01.12.2011
ROUNDUP: Creditreform rechnet 2012 mit mehr Firmenpleiten

FRANKFURT (dpa-AFX) – Nach einer Entspannung in diesem Jahr rechnet
Creditreform 2012 wieder mit mehr Firmenpleiten in Deutschland. “Die Tendenz
wird sein, dass wir mindestens das sehen werden, was wir dieses Jahr gesehen
haben – mit vielleicht einem minimalen Anstieg”, sagte der Vorstand der
Wirtschaftsauskunftei (Neuss), Helmut Rödl, am Donnerstag in Frankfurt. “Es gibt
keine Wirtschaftskatastrophe in Europa, das ist Voraussetzung dafür, dass wir
weiterhin in relativ ruhigem Fahrwasser operieren können.”

Im zu Ende gehenden Jahr drückte die gute wirtschaftliche Lage die Zahl der
Firmen- und Verbraucherpleiten. Creditreform rechnet für das Gesamtjahr mit
30.200 (Vorjahr: 32.060) Unternehmensinsolvenzen. Bisher größter Fall: Der
Druckmaschinenhersteller Manroland mit 6.500 Mitarbeitern, der vor einer Woche
Insolvenzantrag gestellt hatte. Mit rund 750.000 Gläubigern zählt der
Billigstromanbieter Teldafax zu den zehn größten Insolvenzfällen.
Überdurchschnittlich stark sanken die Pleitezahlen im Verarbeitenden Gewerbe und
auf dem Bau.

2012 könnten das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum und mögliche
Engpässe bei der Kreditvergabe Firmen in Finanznöte stürzen. Rödl betonte
jedoch, viele Unternehmen seien deutlich besser aufgestellt als in der
Finanzkrise 2008/2009.

Bei den Verbrauchern erwartet Creditreform 2012 einen Rückgang auf 101.000
Insolvenzfälle. Für dieses Jahr wird ein Wert von 103.200 veranschlagt – trotz
kräftigen Wirtschaftswachstums und eines stabilen Arbeitsmarktes der
dritthöchste seit dem Jahr 1999. Nur 2010 (109.960 Fälle) und 2007 (105.300)
wurden mehr Verbraucherpleiten registriert. Verbraucherinsolvenz sei in
Deutschland mittlerweile “ein Massenphänomen”, befand Creditreform.

“Wir haben 6,4 Millionen Menschen, die überschuldet sind. 10 von 100
Erwachsenen sind überschuldet”, sagte Rödl. Dass Menschen ihren täglichen
Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können, gilt als Vorstufe zur Insolvenz.
“Der Anteil junger Menschen, die in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen
leben, ist besorgniserregend.”

Die Gesamtschäden durch Unternehmensinsolvenzen 2011 bezifferte Creditreform
auf voraussichtlich 23,3 (32,1) Milliarden Euro. 236.000 (240 000) Jobs gingen
verloren. Die Zahlen spiegeln die Verlagerung des Schwerpunktes von Pleiten auf
kleinere und mittlere Unternehmen.

Zumindest per saldo abgefedert werden konnte das durch Neugründungen. Zwar
sanken die Gewerbeanmeldungen mit 804.000 (863.000) auf den niedrigsten Stand
seit zehn Jahren. Hauptgrund: Viele Existenzgründer verschoben ihre
Gründungsvorhaben wegen guter Einkommens- und Jobperspektiven als Angestellter.
Dennoch entstanden dank neuer Firmen gut 458.000 (500.000) Arbeitsplätze in
Deutschland./ben/DP/jkr


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