14:10 | 29.07.2009
ROUNDUP: Daimler im zweiten Quartal erneut mit Milliardenverlust
STUTTGART (dpa-AFX) – Der Autokonzern Daimler hat im zweiten
Quartal erneut einen Milliardenverlust eingefahren. Sowohl bei den Pkw als auch
bei den Nutzfahrzeugen fielen Verluste an, wie aus der Unternehmensmitteilung
vom Mittwoch hervorgeht. Konzernweit stürzte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern
(EBIT) von plus zwei Milliarden Euro im Vorjahr auf ein Minus von 1,005
Milliarden Euro. Trotzdem reagierte die Börse erleichtert: Die Analysten hatten
sich auf noch höhere Verluste eingestellt.
Auf dem Ergebnis lasteten Sonderausgaben in Höhe von gut 600 Millionen Euro
für die Verkleinerung des Lkw-Geschäfts in Nordamerika und Asien sowie die
endgültige Trennung von der ehemaligen US-Tochter Chrysler. Unterm Strich betrug
der Verlust 1,062 Milliarden Euro, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Gewinn von
fast 1,4 Milliarden Euro in den Büchern gestanden hatte. Der Konzernumsatz von
April bis Juni ging um ein Viertel auf 19,612 Milliarden Euro zurück. Die
weltweiten Verkäufe sanken um 31 Prozent auf 391.500 Fahrzeuge.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management nun, dass der Absatz deutlich
hinter dem Vorjahreswert von 2,1 Millionen Pkw, Transportern, Lastwagen und
Bussen zurückbleibt. Auch beim Umsatz wird nach 95,9 Milliarden Euro im Vorjahr
ein deutlicher Rückgang erwartet. Für den Rest des Jahres hofft die
Konzernführung beim operativen Ergebnis jedoch auf eine schrittweise
Verbesserung.
AKTIENMARKT REAGIERT POSITIV
Nach den Nachrichten sprang die Daimler-Aktie zeitweise um mehr als sechs
Prozent nach oben. Händler und Analysten äußerten sich positiv zum
Quartalsbericht, machten aber zum Teil Einschränkungen. “Nach den insgesamt
besser als erwartet ausgefallen Zahlen reagiert der Markt zunächst einmal
erleichtert”, sagte ein Händler. Am frühen Nachmittag stieg der Kurs um 4,99
Prozent aus und notierte bei 31,59 Euro.
In der Pkw-Sparte konnte der Verlust im Vergleich zum ersten Quartal
eingedämmt werden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum schmolz das EBIT jedoch
von einem Gewinn von 1,212 Milliarden Euro auf einen Verlust von 340 Millionen
Euro. Der Umsatz lag mit 10,568 Milliarden Euro um 18 Prozent unter dem
Vorjahreszeitraum. Im Auftaktquartal hatte die Sparte mit den Marken
Mercedes-Benz, smart, Maybach und AMG allein mehr als eine Milliarde Euro
Verlust eingefahren. Daimler hofft, dass sich die Nachfrage in der zweiten
Jahreshälfte belebt und so auf operativer Ebene ein Gewinn erzielt werden kann.
NUTZFAHRZEUGSPARTE BLEIBT SCHWACH
Bei den Nutzfahrzeugen stellt sich der Vorstand auch für den Rest des Jahres
auf eine schwache Nachfrage auf dem Niveau der ersten sechs Monate ein. In
dieser Zeit haben sich die Verkäufe der Truck-Sparte auf 119.539 Lkw und Busse
fast halbiert. Ziel für das Gesamtjahr sei jedoch, die Marktanteile stabil zu
halten. Eine Entspannung der Lage erwartet Daimler nicht vor 2010. Im laufenden
Jahr kommen durch die Umstrukturierungen in Asien und Nordamerika weitere
Belastungen auf die Sparte zu.
Auch der Bereich Finanzdienstleistungen bereitet den Stuttgartern wegen sich
häufender Kreditausfälle und hoher Refinanzierungskosten Sorgen. Das Ergebnis
soll im zweiten Halbjahr die Gewinnschwelle erreichen. Nach sechs Monaten
verzeichnete der Geschäftsbereich ein operatives Minus von 88 Millionen Euro.
ZETSCHE SIEHT FORTSCHRITTE
Daimler-Chef Dieter Zetsche verwies auf Fortschritte, die in den
Geschäftsbereichen Mercedes-Benz Cars, bei den Transportern und
Finanzdienstleistungen erzielt worden seien. “Das zeigt, dass wir auf dem
richtigen Weg sind und unsere Maßnahmen greifen. Ein Vergleich mit dem sehr
guten Vorjahresquartal macht aber deutlich, welche Hausaufgaben noch vor uns
liegen”, räumte Zetsche ein.
Insgesamt will der Konzern in diesem Jahr die Kosten um vier Milliarden Euro
drücken. Rund die Hälfte soll durch Arbeitszeitverkürzungen mit Lohneinbußen
erzielt werden. Im ersten Halbjahr wurden den Angaben zufolge bereits
Einsparungen von insgesamt 1,9 Milliarden Euro erreicht. Durch den Abbau von
Lagerbeständen stieg der Barmittelzufluss auf 1,4 Milliarden Euro. Das
Industriegeschäft verfügte dem Konzern zufolge Ende Juni über eine
Netto-Liquidität von 4,6 Milliarden Euro./dct/stw/tw
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