13:28 | 27.10.2009
ROUNDUP: E-Plus hält sich in der Krise stabil – Mutter KPN spart weiter
(neu: Aussagen aus Telefon- und Analystenkonferenz.)
AMSTERDAM/DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf
den deutschen Mobilfunk-Markt halten sich nach den Worten von E-Plus-Chef
Thorsten Dirks nach wie vor in Grenzen. “Wir sehen die Telekombranche als robust
im Vergleich zu anderen Branchen, allerdings nicht komplett immun”, sagte Dirks
bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Dienstag. Der seit Jahren währende
Preisverfall habe sich in den vergangenen Monaten zwar abgeflacht Allerdings
drückten von den Regulierungsbehörden beschlossene niedrigere Entgelte auf den
Umsatz.
Zusammen mit seinen Tochtermarken wie Simyo, Blau.de oder Base kam E-Plus
Ende September auf 18,7 Millionen Kunden – rund eine halbe Million mehr als Ende
Juni. Der Mobilfunk-Betreiber setzt neben eigenen Marken auch auf zahlreiche
Kooperationspartner. Seit neuestem vermarktet auch die WAZ-Mediengruppe, der
Musiksender MTV und der Fußballverein Borussia Dortmund Mobilfunk-Anschlüsse von
E-Plus.
GEBÜHRENSENKUNGEN DRÜCKEN AUF UMSATZ
E-Plus leidet aber wie andere Anbieter unter den gesenkten
Terminierungsentgelten, die Mobilfunk-Betreiber einander für Gespräche in fremde
Netze bezahlen. Auch die Roaming-Einnahmen fielen wegen geringerer Gebühren
niedriger aus. Ohne diese Effekte hätten die Umsätze von E-Plus nach Aussagen
von Dirks im Vergleich zum Vorjahr leicht zugelegt, so stagnierten sie bei 779
Millionen Euro. Der durchschnittliche Umsatz je Kunde (ARPU) ging weiter zurück,
dabei verdiente E-Plus mit seinen Prepaid-Kunden im Durchschnitt genauso viel
wie im Vorjahr viel. Die Vertragskunden gaben allerdings im Schnitt deutlich
weniger aus als zuvor. Eine stärkere Nachfrage nach Datendiensten konnte den
Rückgang nicht auffangen.
Der E-Plus-Chef sieht sein Unternehmen bei Datentarifen inzwischen gut
aufgestellt, auch wenn er einräumt, dass sein Unternehmen bei der Aufrüstung der
Netze den Wettbewerbern immer noch hinterherhinkt. Der Mobilfunker hofft beim
Ausbau in der Fläche auf die anstehende Frequenzauktion im kommenden Jahr, sieht
sich von den nun beschlossenen Auktionsregeln aber benachteiligt. “Wir wollen
investieren und einen Beitrag zur Schließung der weißen Flecken leisten”, betont
Dirks. Deshalb will E-Plus eine Klage vor dem Verwaltungsgericht vorbereiten. Zu
den Möglichkeiten einer Kooperation mit dem zweiten deutschen E-Netzbetreiber
O2, die Analysten als Lösung für die Probleme von E-Plus sehen, wollte Dirks
sich nicht äußern.
KPN SPART WEITER
Auch der Chef des Mutterkonzerns KPN , Ad Scheepbouwer,
hatte sich am Dienstag in einer Analystenkonferenz bedeckt gehalten: Über
mögliche “Wenns und Abers”, falls E-Plus in der Auktion leer ausgehe, könne man
erst zu einem späteren Zeitpunkt sprechen. Den Niederländern verhalf ein
straffes Sparprogramm im dritten Quartal zu einem Gewinn von 395 Millionen Euro
nach 353 Millionen Euro im Vorjahr. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und
Abschreibungen (EBITDA) kletterte trotz gesunkener Umsätze um 4,4 Prozent auf
1,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis zeige, dass sich die Bemühungen auszahlten,
sagte Scheepbouwer. Mit seinen Sparanstrengungen steht KPN nicht allein da: Auch
andere europäische Telekomkonzerne setzen angesichts sinkender Umsätze den
Rotstift an.
Am Ausblick für das Gesamtjahr hielten die Niederländer aber fest. Bereits
zweimal hatte KPN in diesem Jahr seinen Umsatzausblick gesenkt und geht nun von
einem leichten Umsatzrückgang in diesem Jahr aus. Bei der EBITDA-Prognose wurde
KPN-Chef Scheepbouwer in einer Telefonkonferenz etwas genauer. War zuvor von
einem “bedeutsamen Schritt” hin zu den für 2010 geplanten 5,5 Milliarden Euro
die Rede, grenzte er die Spanne nun auf 5,15 bis 5,25 Milliarden Euro
ein./gr/das/tw
— Von Annika Graf, dpa-AFX —
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