16:04 | 07.04.2010
ROUNDUP: Griechische Regierung stattet Banken mit Geld für Kredite aus
ATHEN (dpa-AFX) – Die griechische Regierung stellt den Banken des Landes 15
Milliarden Euro als zinslosen Kredit zur Verfügung. Die Geldhäuser sollen damit
den Kreditfluss an Unternehmen wieder in Gang bringen. Damit reagierte Athen auf
Gerüchte, die Griechen hätten rund acht Milliarden Euro an privaten Geldanlagen
ins Ausland geschafft und den Banken damit Liquidität entzogen.
Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou betonte am Mittwoch,
die Regierung werde “genau verfolgen”, wohin die Kredite fließen würden. Sie
seien nur zur Stärkung der Märkte gedacht. Nach den Angaben sollen die Gelder zu
marktüblichen Zinsen an griechische Firmen fließen.
KLARHEIT ÜBER GENAUES AUSMAß DER GRIECHISCHEN SCHULDEN
Die Renditen griechischer Staatsanleihen stabilisierten sich nach ihrem
Höhenflug am Vortag auf hohem Niveau. Zehnjährige Papiere notierten mit 7,12
Prozent. Gerüchte, dass die griechische Regierung über eine Veränderung des
Hilfspakets verhandeln wolle, hatte die Rendite am Dienstag in der Spitze bis
auf 7,17 Prozent steigen lassen. Dies war der höchste Wert seit dem Beitritt
Griechenlands zur Eurozone. Nach den Spekulationen vom Vortag wollen die
Griechen die strengen Bedingungen des Internationalen Währungsfonds (IWF)
umgehen. Der griechische Finanzminister hatte die Gerüchte allerdings
dementiert. Zudem habe man sich auch nicht bemüht, den Hilfsmechanismus von
Europäischer Union (EU) und IWF in Anspruch zu nehmen.
Klarheit über das genaue Ausmaß der griechischen Schulden will die
europäische Statistikbehörde Eurostat am 22. April geben. Dann sollen die
Defizit- und Schuldenwerte der EU-Länder für 2009 veröffentlicht werden,
kündigte eine Sprecherin der EU-Kommission an. Sie reagierte nicht auf Gerüchte,
nach denen das griechische Defizit im vergangenen Jahr bei rund 14 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts gelegen haben soll – und damit deutlich höher als die
bisher gemeldeten 12,7 Prozent. “Selbst wenn dies stimmen sollte, dann bleibt
unser Ziel, das Defizit bis Ende 2010 um vier Prozent zu drücken,” sagte der
griechische Finanzminister im Fernsehen.
BUNDESREGIERUNG STÄRKT ATHEN RÜCKEN
Die Bundesregierung stärkt Athen in der Schuldenkrise den Rücken. Man habe
keine Zweifel, dass die Griechen ihr Sparprogramm umsetzen. “Die Bundesregierung
hat Vertrauen in die beschlossenen Maßnahmen”, sagte Vize- Regierungssprecher
Christoph Steegmans.
Sachverständige des IWF begannen unterdessen in der griechischen Hauptstadt
damit, die Steuergesetze des Landes und auch staatliche Unternehmen unter die
Lupe zu nehmen. Sie sollen während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes die Regierung
beraten, wie sie Steuern besser eintreiben und staatliche Ausgaben sparen kann.
Schuldensünder Griechenland wird derzeit von der EU besonders überwacht und
muss regelmäßig über die drastische Sanierung seiner Staatsfinanzen nach Brüssel
berichten./cb/tb/tt/js/DP/jha
|