13:30 | 26.03.2008
ROUNDUP: HOCHTIEF gibt nach Rekordjahr vorsichtigen Ausblick – Aktie im Minus
DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Der Bau- und Dienstleistungskonzern HOCHTIEF
blickt nach einem Rekordjahr etwas vorsichtiger in die Zukunft. So
erwarten die Essener beim Auftragseingang und -bestand wegen des starken Euro
einen Wert unter dem Vorjahr. Der Vorsteuergewinn soll auf dem Niveau von 2007
verharren. “Das Geschäftsjahr 2007 war in Summe ein gutes Jahr für HOCHTIEF”,
sagte Unternehmenschef Herbert Lütkestratkötter am Mittwoch in Düsseldorf bei
der Jahrespressekonferenz.
Die Verluste im deutschen Hochbaugeschäft konnte die im MDAX
notierte Gesellschaft vor allem durch das florierende Geschäft bei seiner
australischen Tochter Leighton mehr als wettmachen. Der Konzerngewinn sprang
2007 um knapp 58 Prozent auf 140,7 Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn stieg um
fast 50 Prozent auf 501,3 Millionen Euro. Die Aktie gab bis am Nachmittag in
einem leicht positiven Gesamtmarkt um 3,20 Prozent auf 59,88 Euro nach. “Die
endgültigen Zahlen lagen weitgehend im Rahmen der Erwartungen, auch mit Blick
auf die Sparten”, schrieb Analyst Ingbert Faust von equinet. Die Prognosen für
2008 sähen allerdings “sehr bescheiden” aus, fügte er an.
DIVIDENDENERHÖHUNG
Der Auftragseingang erhöhte sich auf 23,5 (Vorjahr: 20,6) Milliarden Euro.
Der Auftragsbestand betrug 29,9 (Vorjahr: 25,1) Milliarden Euro. Rechnerisch
verfüge HOCHTIEF über eine Auftragsweite von mehr als eineinhalb Jahre, hieß es.
Der Umsatz kletterte um 6,4 Prozent auf 16,45 Milliarden Euro.
Aufgrund des Gewinnsprungs will HOCHTIEF die Dividende für 2007 auf 1,30
(Vorjahr: 1,10) Euro je Stückaktie erhöhen. Damit schüttet HOCHTIEF mehr als 60
Prozent seines Konzerngewinns an seine Aktionäre aus. Auch für das laufende Jahr
können die Anteilseigner auf eine hohe Ausschüttung hoffen: HOCHTIEF kündigte
an, seine Dividendenpolitik fortzusetzen.
TURNER TROTZT US-KRISE
Zuversichtlich zeigte sich HOCHTIEF für das europäische Baugeschäft, das vor
allem wegen des deutschen Hochbaus 2007 einen Vorsteuerverlust von knapp 150
Millionen Euro verbucht hatte. Mittelfristig soll HOCHTIEF Construction wieder
profitabel sein. Vor allem soll dies durch die Annahme von ausschließlich
lukrativen Aufträgen geschehen. “Ich bin davon überzeugt, dass es uns gelingen
wird, unser Hochbaugeschäft in Deutschland wieder nachhaltig profitabel zu
gestalten”, sagte Lütkestratkötter. Für das laufende Jahr werde HOCHTIEF
Construction Europe operativ wieder ein positives Ergebnis erwirtschaften. Bei
den Neuaufträgen seien die Margen zwar wieder deutlich angestiegen. Eine weitere
Kapazitätsanpassung könne er aber nicht ausschließen. 2008 sieht er wegen noch
bestehender Altverträge als ein Übergangsjahr.
Trotz der Krise im Wohnungsbau- und Finanzmarkt zeigte sich der
HOCHTIEF-Chef weiterhin optimistisch für das US-Geschäft. “Unsere US-Tochter
Turner war davon im abgelaufenen Jahr nicht betroffen”, betonte er. Der
US-Wohnungsbaumarkt liege nicht im Fokus von Turner. Die US-Tochter sei
überwiegend bei US-Gewerbeimmobilien tätig. Dieser Bereich sei bislang nicht von
der Subprime-Krise betroffen. Einer Rezession mit Folgen für die gesamte
US-Wirtschaft sowie eventuell auch andere Volkswirtschaften werde sich
überwiegend auf den Wohnungsbaumarkt auswirken.
KONZERNSTRUKTUR
HOCHTIEF passt seine Konzernstruktur dem veränderten Geschäft an. Aus dem
klassischen Bauunternehmen deutscher Prägung sei ein internationaler
Baudienstleister geworden, hieß es. Der Konzern decke heute mit seinen vier
Modulen Entwicklung, Bau, Dienstleistungen sowie Konzessionen und Betrieb den
gesamten Lebenszyklus von Infrastrukturprojekten, Immobilien und Anlagen ab.
Diesem Wandel trage nun HOCHTIEF Rechnung und gliedere künftig das Unternehmen
in sechs Bereiche.
So werde im Unternehmensbereich HOCHTIEF Concessions das Flughafengeschäft
und HOCHTIEF PPP Solutions zusammengeführt. Bei den Flughäfen will HOCHTIEF über
weitere Anteilskäufe wachsen. Interesse zeigt HOCHTIEF dabei unter anderem am
Flughafen Chicago Midway in den USA und am Flughafen Lissabon in Portugal. Der
bisher auch für die Finanzen zuständige Peter Noe übernimmt die Verantwortung
für den Bereich. Neuer Finanzchef wird Burkhard Lohr sein./ne/tw
|