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9:58 | 09.06.2015
ROUNDUP: HSBC setzt Rosskur mit Abbau von 25 000 Stellen fort

LONDON/HONGKONG (dpa-AFX) – Europas größte Bank HSBC forciert ihren ohnehin schon harten Sparkurs. Der seit 2011 an der Spitze der Bank stehende Stuart Gulliver setzt noch einmal die Axt an und will bis zu weitere 25 000 Stellen streichen. Nach den jüngsten Sparrunden hatte die Bank, die noch in London beheimatet ist, aber mit einer Rückkehr zu ihren asiatischen Wurzeln liebäugelt, zuletzt noch rund 258 000 Arbeitsplätze. Zudem zieht sich das Institut aus der Türkei sowie weitestgehend aus Brasilien zurück. Einschließlich dieser geplanten Spartenverkäufe könnte die Zahl der Beschäftigten bis 2017 auf nur noch gut 200 000 sinken. Das wäre rund ein Drittel weniger als zehn Jahre zuvor.

Das ohnehin bereits dominierende Geschäft in Asien will Gulliver hingegen weiter stärken. Am Ende des am Dienstag verkündeten Weges soll im Jahr 2017 eine deutlich kleinere Bank mit einer höheren Profitabilität stehen. Die Eigenkapitalrendite soll wieder auf mehr als zehn Prozent steigen. Zuletzt betrug sie gerade mal 7,3 Prozent. An der Börse wurden die Pläne verhalten aufgenommen. Die Aktie, die sich zuletzt bereits schwach entwickelt hatte, gab in den ersten Handelsminuten leicht nach.

INVESTMENTBANKING SOLL EINGEDAMPFT WERDEN

Neben dem geplanten Abbau von 22 000 bis 25 000 Stellen soll sich die Belegschaft durch den Verkauf der Geschäfte in Brasilien und der Türkei um weitere gut 25 000 Mitarbeiter verringern. Alles in allem würde die Zahl der Beschäftigten damit bis 2017 auf zirka 208 000 bis 211 000 schrumpfen. Die Bank hatte die Zahl der Beschäftigten zuletzt bereits deutlich gekürzt. Ende 2007 hatten noch mehr als 300 000 Menschen für die Bank gearbeitet. Zusammen mit anderen Maßnahmen sollen die gestrichenen Stellen zu einer weiteren Senkung der Kosten beitragen.

Bis Ende 2017 will HSBC nun 4,5 bis 5 Milliarden Dollar einsparen, um die Aufwendungen trotz der zu erwartenden Preissteigerungen, der Finanzierung von Wachstum und der Kosten des Stellenabbaus bei 32 Milliarden Dollar stabil zu halten. Dabei soll wesentlich mehr Geld in den Vertrieb gehen, die Einsparungen treffen vor allem die Verwaltung und Abwicklung. Die HSBC will zudem das Investmentbanking deutlich zurückfahren und im Gegenzug ihr Asien-Geschäft kräftig ausbauen.

ENTSCHEIDUNG ÜBER FIRMENSITZ BIS ENDE 2015

Dazu passt, dass die HSBC bald auch formell nicht mehr europäisch sein könnte. Das derzeit in London beheimatete Institut will bis Ende des Jahres entscheiden, ob es aus Großbritannien wegzieht und wieder in Asien heimisch wird. Die Bank wurde 1865 in Hongkong gegründet und musste 1992 nach der Übernahme der britischen Midland Bank nach London umziehen. Die britische Hauptstadt war zu dem Zeitpunkt für Banken aber auch wegen der sehr lockeren Vorschriften sehr beliebt.

Nach der Finanzkrise hat sich dies grundlegend geändert, so dass die HSBC wie etwa auch die Standard Chartered zuletzt immer wieder mit dem Abzug des Firmensitzes gedroht hat. Verschärft wurde die Lage in jüngster Zeit durch den möglichen EU-Austritt Großbritanniens. Die HSBC machte keine Angaben über einen möglichen neuen Sitz. Es liegt aber auf der Hand, dass es Hongkong oder Shanghai oder vielleicht beide gemeinsam werden könnten. Asien ist bereits jetzt die wichtigste Region der Bank, deren Namen zudem eine Abkürzung der früheren Bezeichnung Hongkong and Shanghai Banking Corporation ist.

SCHLUSSSTRICH UNTER VERGANGENHEIT

Gulliver will mit dem forcierten Umbau der Bank auch die Schatten der Vergangenheit loswerden. In den vergangenen Jahren erzielte die HSBC zwar regelmäßig hohe Gewinne, war aber auch in die meisten Skandale der Branche verwickelt. So hatte das Geldhaus Ende 2012 für die unzureichende Kontrolle bei der Geldwäsche von Terroristen und Drogenhändlern eine Strafe von 1,9 Milliarden Dollar bezahlt. Zudem war die HSBC an den beiden größten Branchen-Sünden der vergangenen Jahre – der Manipulation von Referenzzinsen wie dem Libor und Devisenkursen – beteiligt. Dazu kamen in Großbritannien Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe für den Verkauf von überflüssige Restschuldversicherungen./zb/stw/fbr


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