7:45 | 17.03.2008
ROUNDUP: JP Morgan Chase übernimmt angeschlagene Konkurrentin Bear Stearns
NEW YORK (dpa-AFX) – Die drittgrößte US-Bank JP Morgan
Chase übernimmt die ins Trudeln geratene Investmentbank Bear Stearns
. Der Kauf soll über einen Aktientausch erfolgen, teilte J.P. Morgan
Chase am Sonntagabend (Ortszeit) in New York mit. Die Verwaltungsräte beider
Unternehmen hätten dem Vorschlag zugestimmt. Man sei bereit,
Bear-Stearns-Anteile gegen 0,05473 eigene Aktien zu tauschen. Auf Basis des
Schlusskurses vom vergangenen Freitag ergebe dies einen Preis von rund zwei
Dollar pro Aktie. Die Aktionäre müssen dem Kauf noch zustimmen. Bear Stearns war
als bisher prominentestes Opfer der Finanzkrise in Not geraten.
Mit sofortiger Wirkung übernehme J.P. Morgan Chase die
Handelsverpflichtungen von Bear Stearns und ihrer Tochtergesellschaften sowie
die Aufsicht über sämtliche Operationen des Managements, hieß es in der
Mitteilung des Bankhauses. Die Transaktion solle bis Ende des zweiten Quartals
2008 abgeschlossen sein. Die US-Zentralbank habe im Zusammenhang mit der
Übernahme Sonderfinanzierungen zugesagt und zugestimmt, Bear Stearns mit bis zu
30 Milliarden Dollar zur Sicherung der Liquidität zu stützen.
‘J.P. MORGAN CHASE STEHT HINTER BEAR STEARNS’
“J.P. Morgan Chase steht hinter Bear Stearns”, sagte Konzernchef Jamie
Dimon. “Bear Stearns Kunden und Vertragspartner sollten sich sicher fühlen, dass
J.P. Morgan für Bear Stearns Vertragsrisiken garantiert. Wir heißen ihre Kunden,
Vertragspartner und Angestellten in unserer Firma willkommen, und wir sind froh,
ihr Partner zu sein.” J.P. Morgan beschäftigt rund 180 000 Menschen.
Bear Stearns war die Liquidität Ende vergangener Woche weitgehend
ausgegangen und sie musste eilig von J.P. Morgan Chase und der regionalen
Notenbank von New York gestützt werden. Die Aktien waren daraufhin am Freitag um
45,88 Prozent auf 30,85 Dollar eingebrochen. Bear Stearns ist die kleinste der
fünf großen New Yorker Investmentbanken.
HEDGE-FONDS
Am Sonntag war zudem bekanntgeworden, dass ein erst im vergangenen Jahr
vereinbarter milliardenschwerer Einstieg des größten chinesischen Brokerhauses
CITIC Securities zu platzen droht. Wie die Nachrichtenagentur “Bloomberg”
berichtete, könne das Unternehmen ein Zustandekommen des Geschäfts “nicht
garantieren”. Es sei kein “formelles Abkommen” unterzeichnet worden. Der
chinesische Broker, der zur staatlichen China International Trust & Investment
Corp. gehört, hatte im Herbst seinen Einstieg mit sechs Prozent bei Bear Stearns
für eine Milliarde Dollar angekündigt. Im Gegenzug wollte sich Bear Stearns an
dem Geschäft der Chinesen beteiligen.
Offensichtlich wurde die Krise bei Bear Stearns erstmals im vergangenen
Sommer, als zwei Hedge-Fonds der Bank im Zusammenhang mit dem Kollaps am
US-Hypothekenmarkt zusammenbrachen. Für das vierte Quartal musste die Bank
erstmals in ihrer Geschichte einen Verlust ausweisen. Wegen fauler Kreditpapiere
bereinigte Bear Stearns schließlich im gesamten Geschäftsjahr 2007 (30.
November) Wertverluste von 1,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn brach auf 233
Millionen Dollar ein, nach 2,1 Milliarden Dollar im Vorjahr./fi/DP/sk
|