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9:39 | 08.03.2018
ROUNDUP: Merck stellt sich auf Gegenwind ein – Erwartet Ergebnisrückgang

DARMSTADT (dpa-AFX) – Beim Darmstädter Merck-Konzern schwindet der Optimismus. 2017 musste der Dax -Konzern im Tagesgeschäft einen Ergebnisrückgang verkraften – auch im Jubiläumsjahr 2018 wird ein erneuter Dämpfer erwartet. Vor einem Jahr hatte Konzernchef Stefan Oschmann noch Hoffnung wegen der nach einer Flaute wieder erfolgversprechenden Pipeline im Pharmageschäft geschürt. Doch mittlerweile verdüstern sich die Wolken über dem ältesten deutschen Pharma- und Chemieunternehmen wieder, das in diesem Jahr seinen 350. Geburtstag begeht. Die Aktionäre sollen gleichwohl eine um 5 Cent auf 1,25 Euro je Aktie angehobene Dividende erhalten, wie Merck bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Darmstadt mitteilte.

Vor allem negative Währungseffekte machen dem aus einer Darmstädter Apotheke hervorgegangenen Unternehmen zunehmend zu schaffen. Im wichtigen Geschäft mit Flüssigkristallen, die etwa in Displays von Smartphones verwendet werden, macht Konkurrenz aus Asien dem Dax-Konzern Marktanteile streitig. Einnahmen von mehr als einer halben Milliarde Euro aus der Krebs-Kooperation mit dem US-Pharmakonzern Pfizer standen im vergangenen Jahr steigende Forschungsausgaben in der Pharmasparte gegenüber.

Dieser Mix wirkte sich vor allem im Schlussquartal negativ im operativen Ergebnis aus. Konzernchef Stefan Oschmann sprach laut Mitteilung von einem anspruchsvollen Umfeld, in dem sich Merck aber gut behauptet habe. Für das neue Jahr 2018 ist das Management entsprechend vorsichtig und stellt nurmehr ein moderates organisches Umsatzwachstum in Aussicht. Dabei dürften negative Währungseffekte das um Sonderposten bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 4 bis 6 Prozent belasten. Aber auch währungsbereinigt sei mit einem leichten prozentualen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen.

Ein Händler sagte am Morgen, am Markt sei bereits mit einer derartigen Prognose gerechnet worden. An der Börse ging es dennoch für die Aktie kurz nach dem Handelsstart abwärts. Das Papier verlor im frühen Handel als Dax-Schlusslicht fast zwei Prozent.

Im vergangenen Jahr erwies sich die US-Steuerreform als Segen für den Konzern. Sie verschaffte Merck dank der Neubewertung latenter Steuerschulden am Ende einen Sonderertrag in satter Höhe von 906 Millionen Euro. Außerdem hatten die Darmstädter bereits im dritten Quartal einen dreistelligen Millionenbetrag eingestrichen, der aus dem Verkauf des Geschäfts mit Nachahmermitteln auf biotechnologisch hergestellte Arzneien an Fresenius stammte. Unter dem Strich stieg der Überschuss um fast 60 Prozent auf ein Rekordergebnis 2,6 Milliarden Euro.

Die negativen Währungseffekte drückten hingegen das bereinigte operative Ergebnis um knapp 2 Prozent auf 4,41 Milliarden Euro. Damit blieb der Konzern zwar im eigenen Erwartungshorizont und traf die Erwartungen der Analysten; allerdings hatte Merck bereits im Jahresverlauf seine Ziele eingedampft.

Dass es im Tagesgeschäft schlechter lief, lag vor allem am Geschäftsbereich Spezialmaterialien (Performance Materials). Dort schlugen sich die anhaltenden Probleme durch den verschärften Wettbewerb bei den Flüssigkristallen nieder. Besonders stark verlief dagegen das Geschäft mit Materialien für die Produktion integrierter Schaltkreise (Chips), das ebenfalls in dem Bereich gebündelt ist. Auch die Pharmasparte musste einen Ergebnisrückgang verkraften, ausschlaggebend waren gestiegene Ausgaben für Forschung und die Markteinführung des neuen Krebsmedikaments Bavencio (Avelumab), das als Hoffnungsträger gilt.

Highlight blieb die Laborsparte, bei der dank der Ende 2015 abgeschlossenen Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich die Geschäfte brummen. Dort machten sich auch im vergangenen Jahr Synergieeffekte positiv bemerkbar.

Merck hatte im vergangenen Jahr sein Geschäft mit rezeptfreien Arzneien zur Disposition gestellt. Doch wichtige Interessenten wie etwa der Schweizer Lebensmittelriese Nestle sollen inzwischen einen Rückzieher gemacht haben. Stefan Oschmann sagte am Donnerstag in einem TV-Interview des Finanzsenders Bloomberg, der Konzern sei weiterhin offen für einen Verkauf oder auch eine Partnerschaft./tav/men/jha/


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