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11:26 | 03.09.2010
ROUNDUP: Merkel will verstärkte Integrationsbemühungen

ISTANBUL/BERLIN (dpa-AFX) – Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in der
Debatte um Thilo Sarrazin vor die in Deutschland lebenden Türken gestellt, aber
auch Fehlentwicklungen bei der Integration deutlich gemacht. “Man muss Probleme
klar benennen, aber man darf Fortschritte auch nicht verschweigen”, sagte Merkel
der türkischen Tageszeitung “Hürriyet” (Freitag). Für Deutschland sei es eine
Schlüsselaufgabe, die Zuwanderer aktiv in die Gesellschaft hineinzuholen. “Aber
in gleicher Weise erwarten wir natürlich, dass sie das auch wollen und sich
aktiv darum bemühen.”

Sarrazins Vorwürfe bezeichnete Merkel als Unsinn, der die Integration
erschwere. “Ich kann die Äußerungen nicht akzeptieren. (…) Ganze Gruppen in
unserer Gesellschaft fühlen sich dadurch verletzt.” Deutschland wolle den
Bürgern aus Zuwandererfamilien alle Chancen eines weltoffenen Landes eröffnen.
“Sie sollen am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben
teilhaben können.”

In Deutschland gebe es viele Beispiele für gelungene Integration, sagte die
Kanzlerin. In den von vielen Türken bewohnten Bezirken in Berlin treffe man etwa
Menschen ausländischer Herkunft, die gut deutsch könnten, kleine Geschäfte
hätten und ihre Kinder zur Schule schickten. Merkel ergänzte: “Wenn man ehrlich
ist, sieht man dort aber auch vieles, das zeigt: Wir haben in der Bildungs- und
Sozialpolitik noch einen langen Weg vor uns.”

Ein Problem seien etwa “Migranten in der zweiten, dritten Generation, die
schon in den ersten Schuljahren dem Lehrer nicht richtig folgen können, die dann
keinen Ausbildungsplatz bekommen und deshalb auch unzufrieden werden”. Um diesen
Menschen zu helfen, müsse noch mehr getan werden. Die Migranten müssten zugleich
“bereit sein, sich auf ein Leben in unserer Gesellschaft einzulassen und unsere
gesamte Rechtsordnung vorbehaltlos zu akzeptieren”, sagte Merkel. Dies erfordere
Eigeninitiative und Einsatzbereitschaft. Die Deutschen bräuchten Toleranz “und
die Bereitschaft, Menschen, die rechtmäßig bei uns leben, zu respektieren und
ehrlich willkommen zu heißen”.

Sarrazin hatte mit Äußerungen über den islamischen Hintergrund von
Einwanderern als angebliche Ursache von Integrationsproblemen Empörung
ausgelöst./bk/cn/DP/bgf


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