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16:44 | 20.06.2008
ROUNDUP: Neue Vorwürfe – Telekom soll Gespräche abgehört haben – Dementi

BONN (dpa-AFX) – Neue Vorwürfe gegen die Deutschen Telekom: Der Bonner
Konzern soll nach Recherchen von ZDF und “WirtschaftsWoche” 1996 das
Fernmeldegeheimnis verletzt haben. Aus internen Unterlagen des Konzerns ergebe
sich der Verdacht, dass Telefonate wegen eines befürchteten Hackerangriffs
abgehört worden seien. Die Telekom erklärte dagegen, es habe nach heutiger
Kenntnis keinen Mitschnitt von Gesprächsinhalten oder eine illegale
Datenerfassung gegeben. Es sei vielmehr darum gegangen, bestimmte Steuersignale
(Hackercodes) aufzuspüren. Es habe keine illegale Überwachungsaktion
stattgefunden.

Nach den Berichten von ZDF und “WirtschaftsWoche” geht aus vertraulichen
Protokollen, Aufzeichnungen und Briefen hervor, dass die Telekom vom 12. bis 16.
Dezember 1996 insgesamt rund 120 Telefongespräche überwachte. Dabei soll es sich
um vier Nummern von drei Personen im Rheinland gehandelt haben. Die Aktion mit
dem Tarnnamen “Bunny” erfolgte den Berichten zufolge ohne Einschaltung der
Staatsanwaltschaft und ohne richterliche Anordnung. Auslöser seien mutmaßliche
Angriffe von Hackern auf die Computer der Telekom gewesen.

Erst im Juni 1997 – also etwa ein halbes Jahr später – habe die Telekom das
damalige Bundesministerium für Post und Telekommunikation informiert. Das
Ministerium sei zu dem Schluss gekommen, dass die Maßnahmen rechtswidrig gewesen
seien. Außer dieser Rüge sei die Aktion offenbar folgenlos geblieben: Gegen die
beteiligten Mitarbeiter des Konzerns wurde den Berichten zufolge nicht
staatsanwaltschaftlich ermittelt. Das Ermittlungsverfahren gegen die
vermeintlichen Hacker sei eingestellt worden. Die Bonner Staatsanwaltschaft war
am Freitagnachmittag nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Nach Angaben der Telekom lief im vierten Quartal 1996 “der bis dahin größte
Hackerangriff in der Geschichte der Deutschen Telekom, offenbar als Teil einer
weltweiten Hackeroffensive”. Die Netzsicherheit der Deutschen Telekom sei massiv
bedroht gewesen. Das Unternehmen habe die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet
und auch eigene Schritte zur Gefahrenabwehr eingeleitet. “Insbesondere war es
notwendig, den Hackerangriff technisch zu analysieren”, hieß es in einer
schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens. “Es erfolgte nach unserer Kenntnis
kein Mitschnitt von Gesprächsinhalten.” Die Telekom bestätigte, dass das
Vorgehen vom Bundesministerium gerügt worden sei.

In den vergangenen Wochen war die Telekom wegen einer Bespitzelungsaffäre in
die Schlagzeilen geraten. Das Unternehmen hatte zugegeben, dass
Telefonverbindungsdaten 2005 und 2006 missbräuchlich benutzt wurden. Dabei soll
es um Kontakte von Aufsichtsräten und Managern zu Journalisten gegangen sein. In
der Affäre ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen den früheren Telekom-Chef
Kai-Uwe Ricke und den Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel. Insgesamt
richten sich die Ermittlungen gegen acht Verdächtige./vd/ba/pf/DP/zb


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