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ROUNDUP: Piloten planen trotz drohender Klage Warnstreik bei Lufthansa
FRANKFURT (dpa-AFX) – Bei der Lufthansa wollen die Piloten trotz
einer drohenden Schadenersatzklage des Unternehmens in den nächsten Tagen mit
Arbeitskämpfen beginnen. “Warnstreiks stehen vor der Tür”, kündigte die
Pilotenvereinigung Cockpit am Montag in Frankfurt an. In dem Konflikt geht es
nicht um Geld, sondern um den Wunsch der Piloten nach einer eigenen
konzernweiten Personalvertretung. Die Lufthansa drohte der Vereinigung bei einem
Streik mit gerichtlichen Mitteln. “Sollte sich die Vereinigung Cockpit nicht
davon abbringen lassen, werden wir ein Verbot der Streiks erwirken und
vollständigen Schadenersatz fordern”, sagte Lufthansa-Sprecherin Claudia Lange.
Einen konkreten Termin für den voraussichtlich mehrstündigen Warnstreik
nannte die Gewerkschaft nicht. Erst am vergangenen Freitag war ein unbefristeter
Streik des Boden- und Kabinenpersonal beendet worden, nachdem sich die
Gewerkschaft ver.di mit der Lufthansa auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt
hatte. Bei einem Warnstreik der rund 3.500 Piloten der Lufthansa AG könnte es zu
massiven Verspätungen im Luftverkehr kommen.
EIGENE PERSONALVERTRETUNG
Cockpit fordert eine eigene Personalvertretung für alle Piloten im Konzern,
weil die Lufthansa die Verlagerungen von Betriebsteilen plane. “Eine
Personalvertretung könnte bei solchen Maßnahmen die Härte gegenüber dem Personal
verhindern.” Die Piloten planen nach Cockpit-Angaben gemeinsame Aktionen mit den
Piloten der Lufthansa-Töchter Eurowings und CityLine, die derzeit unabhängig
davon eine Anhebung ihres Gehalts durchsetzen wollen. “Es ist nicht verboten,
gemeinsam für unterschiedliche Ziele zu streiken”, sagte Cockpit- Sprecher
Markus Kirschneck.
Die Lufthansa hält die Forderung der Piloten dagegen für rechtswidrig und
geht davon aus, dass es keine Warnstreiks geben wird. “Die Forderung nach einer
eigenen Personalvertretung für Piloten verstößt gegen das
Betriebsverfassungsgesetz, das eine gemeinsame Vertretung für Piloten und
Kabinenpersonal vorsieht”, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Eine Änderung des
Tarifvertrages sei zudem nur mit allen drei Tarifpartnern möglich, also
inklusive der Gewerkschaften ver.di und UFO.
SCHNELLSTMÖGLICH ZUM NORMALBETRIEB
Die Folgen des inzwischen beendeten Streiks des Kabinen- und Bodenpersonals
waren auch am Montag noch zu spüren. Drei Tage nach dem Ende der Streiks fielen
130 von insgesamt rund 2.000 Flügen weltweit aus, 100 davon auf der Kurzstrecke.
Von Dienstag bis Ende der Woche soll sich die Zahl auf täglich etwa 40
reduzieren. “Wir wollen schnellstmöglich zum Normalbetrieb zurückkehren”, sagte
eine Lufthansa-Sprecherin. Insgesamt könne das aber noch bis zu zwei Wochen
dauern.
Unter den Mitgliedern der Gewerkschaft ver.di gibt es deutlichen Widerstand
gegen die Tarifeinigung vom Freitag. Ver.di und die Lufthansa hatten sich nach
fünf Tagen Streik darauf geeinigt, die Gehälter von rund 50.000 Beschäftigten in
zwei Schritten um zusammen 7,4 Prozent anzuheben. Bei ver.di beginnt am Mittwoch
die Urabstimmung über die Annahme des Tarifvertrages. Dabei rechnet die
Gewerkschaft fest mit einer ausreichenden Mehrheit von mehr als den notwendigen
25 Prozent.
UNGELÖSTER TARIFKONFLIKT
Das “Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di” forderte am
Montag das Boden- und Kabinenpersonal auf, bei der Urabstimmung mit Nein zu
stimmen. “Die Erhöhung der Löhne ist bei weitem nicht ausreichend”, sagte
Sprecherin Angelika Teweleit. Das Netzwerk fordere von der ver.di-Führung eine
Strategie “weg von faulen Kompromissen hin zu einer kämpferischen Politik”. Das
Netzwerk hat nach eigenen Angaben bundesweit “einige hundert Unterstützer”.
Weiterhin ungelöst ist der Tarifkonflikt bei den Piloten der
Lufthansa-Töchter Eurowings und CityLine. Dort hatten die Piloten in den letzten
Wochen zwei Mal 24 und 36 Stunden lang gestreikt. Derzeit beurteilt die
Vereinigung Cockpit, die unabhängig von ver.di Tarifverhandlungen für die
Piloten führt, das jüngste Lufthansa- Angebot./mt/rg/DP/edh
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