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11:03 | 22.02.2010
ROUNDUP: Piloten streiken – keine Annäherung im Lufthansa-Tarifkonflikt

FRANKFURT (dpa-AFX) – Im Tarifkonflikt bei der Lufthansa zeichnet
sich auch nach Beginn des Pilotenstreiks keine Annäherung ab. “Wir haben in den
letzten Stunden keinen direkten Kontakt gehabt”, sagte der Sprecher der
Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, am Montagmorgen in
Frankfurt. Nach derzeitigem Stand werde der Streik daher wie geplant bis
Donnerstag fortgesetzt. Damit dürften binnen vier Tagen rund 3200 Flüge
ausfallen. Dies wäre der größte Streik in der deutschen Luftfahrtgeschichte.

In dem Tarifkonflikt geht es um Geld, Arbeitsplatzsicherung und Einfluss auf
die Firmenpolitik. Die Gewerkschaft will verhindern, dass durch billigere
Lufthansa-Töchter vor allem im Ausland eine innerbetriebliche Konkurrenz
entsteht. Daher verlangt sie auch Mitsprache bei den Auslandstöchtern. Lufthansa
hält dies für unzulässig.

Die Fluggesellschaft zeigte sich offen für Verhandlungen. “Wir sind
dialogbereit, wenn Cockpit das Gesprächsthema vom Tisch nimmt, dass man
tarifvertraglich mitentscheiden möchte, wo die Lufthansa welche Flugzeuge mit
Lufthansa-Klassik-Piloten besetzt”, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther im
Deutschlandfunk. “Man versucht da praktisch, das Tarifvertragsrecht ins Ausland
auszuweiten. Das ist mit uns nicht verhandelbar.”

Cockpit hatte um Mitternacht begonnen, große Teile des Lufthansa-
Flugverkehrs lahmzulegen. Rund 4000 Piloten sind zum Streik aufgerufen. An den
größten deutschen Flughäfen in Frankfurt, Düsseldorf, München, Berlin und
Hamburg fielen schon am Montagmorgen zahlreiche Flüge aus. Etwa 800 Flüge werden
nach Einschätzung der Lufthansa über den Tag ausfallen. Das wären etwa zwei
Drittel der Flüge, die von der Gewerkschaft bestreikt werden können. Das
restliche Drittel der Flieger soll abheben. Beim Billigflieger Germanwings
sollen rund zwei Drittel der Flüge trotz des Streiks stattfinden.

“Es ist das Dramatischste, was wir je im deutschen Luftverkehr erlebt
haben”, sagte Walther. “Wir werden statt der üblichen 1800 maximal 1000 Flüge
darstellen können. Die Auswirkungen für die Kunden, das Unternehmen und den
Wirtschaftsstandort Deutschland sind bedauerlich.”

Betroffen waren am Morgen vor allem Strecken innerhalb Deutschlands sowie
einige internationale Verbindungen. Zehntausende Passagiere müssen sich darauf
einrichten, dass ihre Flüge gar nicht oder nur verspätet starten. Die Deutsche
Bahn setzte unterdessen zusätzliche Züge ein.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt sollten von den rund 390
Lufthansa-Verbindungen etwa 40 Prozent ausfallen, sagte eine Sprecherin der
Deutschen Presse-Agentur dpa. Weil sich viele Passagiere über den Sonderflugplan
informiert hatten, blieb ein Chaos in den Morgenstunden aus. Fluggäste aus dem
Ausland, die in Frankfurt gelandet sind, mussten auf die Bahn ausweichen oder
wurden umgebucht.

Am zweitgrößten Airport bei München war es zunächst “sehr ruhig und sehr
leer” in der Abflughalle, wie ein Sprecher sagte. Auch am Umbuchungsschalter der
Airline warteten nur vereinzelt Passagiere. Die Lufthansa geht davon aus, dass
dort rund 40 Prozent der Flüge gestrichen werden müssen. “Wir werden versuchen,
50 bis 60 Prozent des normalen Flugprogramms aufrecht zu erhalten”, sagte eine
Sprecherin. Ob der in der vergangenen Woche veröffentlichte Sonderflugplan
eingehalten werden kann, werde sich im Laufe des Tages zeigen. Den Flughafen
München verlassen täglich rund 330 Lufthansa- Flieger.

Die genaue Anzahl der annullierten Flüge an den Flughäfen Düsseldorf und
Köln/Bonn konnte die Lufthansa am frühen Morgen noch nicht nennen. An beiden
Flughäfen sollten am Montag zwar einige Lufthansa-Maschinen abheben, die meisten
Flüge seien aber gestrichen. Nach einer ersten groben Schätzung fielen 8 von 10
Flügen aus. In Hamburg sollten am Montag nur 44 von 97 Flügen starten./kf/DP/wiz


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